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Was kann die EU?

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Was kann die EU?

15. Juli 2016
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15. Juli 2016

In letzter Zeit wird die EU immer heftiger kritisiert. Die meisten reden darüber, was schlecht und falsch läuft im Staatenbund. Wir drehen den Spieß um und fragen: Was bringt uns die EU eigentlich?

Die Perspective-Daily-Redaktion hat eines mit fremdelnden Briten, jubelnden Portugiesen und auszählschwachen Österreichern Die Briten haben sich im Brexit-Referendum zu einem EU-Austritt entschlossen, Portugal hat gerade zum ersten Mal die Fußball-Europameisterschaft gewonnen, Österreich muss nach einer Gerichtsentscheidung die Stichwahl des Bundespräsidenten zwischen Alexander van der Bellen (Grüne) und Norbert Hofer (FPÖ) im Oktober wiederholen. gemeinsam: Wir haben in den vergangenen Wochen sehr viel über Europa geredet.

Seit einem Jahr lässt uns das Thema nicht mehr los. Die griechische Beinahe-Staatspleite hat uns vor Augen geführt: Die Solidarität unter den EU-Staaten ist endlich. Sie ist sehr schnell zu Ende, wenn es darum geht, Geflüchtete gleichmäßig zu verteilen. Der Ruf nach mehr nationaler Selbstbestimmung wird an vielen Orten immer lauter und hat schon so manches Kreuz auf dem Wahlzettel beeinflusst. Ein klares Zeichen gegen die EU setzte eine knappe Mehrheit beim Brexit-Referendum am 23. Juni.

Die Debatte der vergangenen 12 Monate war davon geprägt, was die EU alles nicht ist: Sie sei keine Fiskalunion, hieß es während der Griechenland-Rettung. Sie sei eben keine wirkliche Solidargemeinschaft, war das Argument gegen eine Verteilung Geflüchteter. Die EU solle eine Festung mit sicheren Außengrenzen werden, forderten einige. Zuletzt war man sich nicht einmal mehr sicher, ob die EU überhaupt eine Wertegemeinschaft ist oder bloß ein wirtschaftliches Zweckbündnis.

Wir haben beim Diskutieren schnell gemerkt: Schon in unserer verhältnismäßig kleinen Redaktion gibt es verschiedene Meinungen und Vorstellungen – das ist bei über einer halben Milliarde Europäer natürlich erst recht so. Und weil wir bei unseren Kollegen schon so oft gelesen haben, was die EU nicht kann, wollen wir mit diesem Text die Frage beantworten: Welche Errungenschaften der EU sind für uns heute ganz selbstverständlich? Was bringt uns eigentlich die EU, so ganz konkret?

Wähle ein Thema aus, um direkt dort hinzuspringen. Reisefreiheit / Online-Einkäufe / Kulturhauptstädte / Stromversorgung / Landwirtschaft / Literatur / Wissenschaft / Frieden / Studieren / Kommunikation / Schutz vor Diskriminierung / Unternehmensgründung

Reisefreiheit – Bernhard Eickenberg

Wir Deutschen reisen gerne. Reiseanalyse 2016 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen 65,9 Milliarden Euro gaben wir im vergangenen Jahr für Urlaubreisen aus. Mehr als zwei Drittel dieser Reisen erfolgten innerhalb der EU. Wo wir früher noch im schlimmsten Fall stundenlang bei Grenzkontrollen warten mussten, erwartet uns heute freie Fahrt. Dank des Schengen-Abkommens können wir ohne Passkontrollen durch die 26 teilnehmenden Staaten Darunter fallen – mit Ausnahme von Großbritannien und Irland – alle EU-Staaten plus Island, Norwegen, Schweiz und Liechtenstein. Bulgarien, Rumänien, Zypern und Kroatien wenden das Schengen-Abkommen bislang nur teilweise an. fahren. Auch außerhalb der EU hat unser Pass große Vorteile: Bürger der meisten EU-Staaten brauchen bei der Einreise in Drittstaaten so selten ein Visum wie die Einwohner Spitzenreiter ist Deutschland mit 177 visafreien Grenzen kaum eines anderen Landes.

Und nicht nur das: Wir können uns innerhalb der gesamten EU unseren Wohnort frei aussuchen. Die anderswo auf die Gebiete eines einzelnen Staates beschränkte Niederlassungsfreiheit gilt für EU-Bürger in allen 28 Ländern. Wie wär’s mit einem Alterssitz an der italienischen Adria-Küste? Die EU-weite Niederlassungsfreiheit macht’s möglich!

Online-Einkäufe – David Ehl

Die Zahl stammt vom Branchenverband BEVH 65 Milliarden Euro haben die Deutschen im vergangenen Jahr beim Online-Shopping ausgegeben. Das sind ziemlich genau 800 Euro pro Kopf, Säuglinge und Rentner ohne Internetanschluss eingerechnet. Davon macht Kleidung mit gut 120 Euro den größten Posten aus. Der Handel will es seinen Kunden besonders bequem machen: »Schrei vor Glück – oder schick’s zurück«, warb ein großer Online-Händler. Die zweite Satzhälfte wurde mittlerweile gestrichen, nachdem viele Kunden jedes Kleidungsstück gleich in mehreren Größen zur Anprobe bestellten.

Dass die großen Händler die Kosten für die Retoure tragen, ist kulant. Dass man als Verbraucher jedoch auch bei kleinen Anbietern klar definierte Rechte hat, ist ein Verdienst der EU. Ich darf jeden Kauf 14 Tage lang widerrufen – egal, ob ich gerade beim deutschen Marktführer oder im kleinen Onlineshop eines maltesischen Kunsthandwerkers bestellt habe. Und falls die Post zwischen Malta und meiner Wohnung länger braucht: Die Frist beginnt erst bei Erhalt. EU-weit.

Kulturhauptstädte – Dirk Walbrühl

Breslau erwartet in diesem Jahr doppelt so viele Besucher wie im vergangenen Jahr. Der Grund: Die viertgrößte Stadt Polens ist (zusammen mit Donostia-San Sebastián in Spanien) Kulturhauptstadt Jedes Jahr erhalten 2 europäische Städte diesen Ehrentitel. Die Vergabe erfolgt seit 2009 nach dem Rotationsprinzip an 2 Mitgliedsländer, eines aus den alten Mitgliedstaaten und eines aus den neuen (Beitritt nach 2004). Beide Länder stellen dann mehrere Städte einer Expertenjury vor. Seit 2014 dürfen sich auch Städte aus Kandidatenländern oder potenziellen Kandidatenländern bewerben. 2016 und Das Programm für 2016 veranstaltet 150 Aktionen, von Bühnenprogramm über ein Jazz-Festival bis zur internationalen Bonsai-Ausstellung. Dafür gibt es rund Zahlen und Fakten zur Kulturhauptstadt der Förderdatenbank der EU 1,5 Millionen Euro aus dem Kultur-Programm der EU, weitere 25 Millionen kommen vom Staat. Diese Extra-Einnahmen und die Werbung sollen Der Freitag über europäische Kulturhauptstädte wirtschaftlich nachhaltig wirken und die Faktenblatt der EU-Kommission zu europäischen Kulturhauptstädten Stadt-Entwicklung vorantreiben.

Doch Kulturhauptstädte sind mehr als nur PR und Entwicklungs-Programm: Sie sind auch Symbole für regionale und internationale Zusammenarbeit. Dahinter steht die Weitere Informationen zu europäischen Kulturhauptstädten Vision eines kulturellen Dialogs und letztlich die Suche nach einer gemeinsamen Identität in Europa. Breslau zeigt, ganz im Gegensatz zur Politik in Warschau, Dort regiert seit über einem Jahr die nationalkoservative PiS-Partei. ein versöhnliches, weltoffenes Polen. In San Sebastian wird die Aufmerksamkeit auf das autonome Baskenland gelenkt und damit eine Minderheit und ihre Kultur ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, die auch Teil von Europa ist.

Stromversorgung – Felix Austen

Um unsere Stromversorgung möglichst schnell von Kohle und Gas auf Wind, Sonne und Wasser umzurüsten, muss Europa zusammenarbeiten. Mittlerweile wird fast ein Drittel des europäischen Stroms erneuerbar erzeugt – dadurch haben die europäischen Kraftwerke 2015 bereits Analyse zum Europäischen Stromsystem 2015, Agora Energiewende 18% weniger CO2 ausgestoßen als noch 2005. Das wäre kaum möglich gewesen, hätten Ökostrom-Vorreiter wie Deutschland nicht große Mengen grünen Stroms an die EU-Nachbarn verkaufen können. Die Zusammenarbeit senkt auch die Preise: Seit 2011 ist Strom, der Grenzen innerhalb der EU überquert, rund 20% günstiger geworden.

In Zukunft werden europaweite Netze Studie des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energiesystemtechnik für den Ausbau der Erneuerbaren aber noch wichtiger. Denn wenn Wolken am Himmel stehen und Flaute herrscht: Irgendwo auf dem Kontinent liefern Sonne und Wind immer. Damit der saubere Strom dann schnell und einfach seinen Weg findet, sind ein einheitlicher Energie-Binnenmarkt und europaweite Netze unverzichtbar. Darüber verhandelt das EU-Parlament diesen Sommer. Dann können kleine Anbieter sauberen Stroms den großen Kohlestromern hoffentlich bald ordentlich Konkurrenz machen.

Landwirtschaft – Frederik v. Paepcke

Die Supermarktregale sind meist so voll, dass die Waren fast von allein heraus und in unsere Einkaufswägen fallen. Echten Hunger hat unsere Generation nie kennen gelernt. Die Lebensmittelqualität ist konstant hoch, auch wenn einzelne Skandale (zum Beispiel Pferdefleisch) 2013 ist so manchem EU-Bürger beim Gedanken an Lasagne, Gulasch oder Döner der Appetit vergangen. In Deutschland und Österreich, aber auch der Schweiz und Tschechien wurden im Sortiment verschiedener Supermarktketten Fertigprodukte gefunden, die als Rindfleisch etikettiert waren, jedoch auch Pferdefleisch enthielten. Das war nicht nur eine Täuschung des Verbrauchers, sondern auch ein gesundheitliches Problem: Das Pferdefleisch war teilweise mit Medikamenten belastet, die für Tiere bestimmt sind. Die EU reagierte mit schärferen Kontrollen. einen anderen Eindruck erzeugen. Gleichzeitig In keinem anderen Industrieland wird anteilig so wenig für Lebensmittel ausgegeben kosten Lebensmittel gerade in Deutschland einen immer geringeren Teil unseres Einkommens.

Dieser Zustand ist auch ein Verdienst der EU, die sich unsere Lebensmittelsicherheit etwas kosten lässt: Informationen zum EU-Haushalt, der etwa 1% der EU-Wirtschaftsleistung beträgt Etwa 40% des gesamten EU-Haushaltes fließen in die Landwirtschaft.

Subventionen sind ein Mehr Informationen zu Zweck und strategischer Ausrichtung der EU-Agrarpolitik wichtiges Element der EU-Agrarpolitik, ein anderes ist ein umfangreiches einheitliches Regelwerk: Es gewährleistet einen unkomplizierten Handel auf dem EU-Binnenmarkt. Wenn zum Beispiel ein Hagelschauer die spanische Ernte dezimiert, erfüllt der polnische Weizen die gleichen Qualitätsstandards. Das erhöht die Versorgungssicherheit, an die wir beim Gang durch den Supermarkt selten denken. Grund dafür sind neben einer steigenden Weltbevölkerung der steigende Pro-Kopf-Konsum insbesondere von Fleisch Dabei werden wir weltweit bis 2050 das Doppelte an Lebensmitteln produzieren müssen.

Literatur – Juliane Metzker

Ein Buch ist eine Reise. Es kann uns entführen: in die kleinen Straßencafés in Paris, zu den Farben der Gaudí-Architektur Barcelonas, in die Nächte Prags. Eindrücke, Gerüche, Lebensgefühle – sie begeistern uns. Schade nur, wenn Sprachbarrieren den Trip zu Land und Leuten verhindern. Ein Stück verschlossener Literatur. Das muss nicht sein!

Die EU investiert im Projekt Die Fördergelder stehen auch für audio-visuelle, künstlerische Projekte und Kooperationen zur Verfügung Creative Europe 1,46 Milliarden Euro in den kulturellen Austausch der EU-Länder. Die Förderung läuft noch 4 Jahre lang. Darunter fällt auch ein Kriterien für die Bewerbung Programm zur Literatur-Übersetzung. Verlage können ihre Übersetzungen mit bis zu 100.000 Euro finanzieren lassen. Nicht nur die Übertragung moderner europäischer Sprachen wird gefördert, sondern auch die Bearbeitung altgriechischer und lateinischer Texte. Viele bereits übersetzte Werke stammen von den Gewinnern des Hier geht es zu den Gewinnern des letzten Jahres EU-Literaturpreises. Federführend in dem Projekt ist Großbritannien. In einem Statement zum EU-Referendum gab der Creative Europe Desk UK bekannt, Mehr Informationen zu Creative Europe Desk UK dass die Förderung vorerst normal weiterlaufe und man fest an die Kraft von grenzüberschreitenden Kollaborationen glaube.

Wissenschaft – Maren Urner

Die wissenschaftliche Kooperation unter Ländern der späteren EU war der wirtschaftlichen zeitlich voraus: Bereits 1954 gründeten 12 Länder das CERN, Das CERN ist die Europäische Organisation für Kernforschung in der Schweiz. Die Abkürzung CERN stammt vom ursprünglichen französischen Namen des Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire, der mit der Gründung der Organisation beauftragt war. Aus den 12 ursprünglichen Mitgliedsstaaten sind mittlerweile 21 geworden. das weltweit größte Forschungszentrum der Teilchenphysik. Damit gehört das CERN neben z.B. der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) Die European Space Agency (ESA) sieht sich als internationale Organisation und hat 22 Mitgliedsstaaten mit Hauptsitz in Paris. Sie koordiniert die finanziellen und intellektuellen Mittel der einzelnen Mitglieder. In einigen Projekten ist auch Kanada als Kooperationspartner beteiligt. zu den Vorläufern der seit den 1990er-Jahren üblichen Warum CERN und ESA nicht ohne die EU funktionieren (englisch) Forschungs-Koordination durch die EU. Was bringt diese mit sich?

Sie sorgt dafür, dass sich Wissenschaftler innerhalb der EU quasi auf einem Super-Highway Fluch oder Segen? Das wissenschaftliche Fachmagazin Nature nennt 5 »core ways« (»Kern-Wege«), in denen die EU Wissenschaft beeinflusst. Nummer 1 ist die Metapher des Super-Highways für Wissenschaftler, der es ihnen ermöglicht, sich frei und schnell in allen EU-Ländern zu bewegen und so ihren Wohn- und Arbeitsort beliebig auszusuchen. Allein durch ein Programm der Europäischen Kommission werden jährlich 9.000 Wissenschaftler bei ihrem Umzug innerhalb oder in die EU finanziell unterstützt. 60% der Wissenschaftler denken, dass Mobilität ihren wissenschaftlichen Output stark erhöht hat frei bewegen und so Teil der Forschungsgruppe ihrer Wahl werden können. Hinzu kommt ein gemeinsamer Das aktuelle Förderprogramm der EU Horizon 2020 Geld-Topf, der Wissenschaftlern zur Verfügung steht: Aktuell ist der mit insgesamt 80 Milliarden Euro (für die Jahre 2014-2020) so groß wie nie zuvor. Die Kombination aus Mobilität und gemeinsamer Finanzierung verbessert die Qualität: Good Practices Good Practices sind generell Vorgehensweisen, die sich in der Vergangenheit als erfolgreich erwiesen haben. Dabei geht es zum Beispiel um ganz konkrete Abläufe, etwa bei Versuchsprotokollen, aber auch um fachübergreifende Aspekte, wie etwa ethische Standards. Good Practices werden schneller verbreitet, weil wissenschaftliche Institute über Ländergrenzen hinweg zusammenarbeiten und dadurch eine erhöhte Interaktion zwischen Wissenschaftlern stattfindet. Erfolgreiche Maßnahmen einzelner Länder können ebenfalls schnell in die übergeordnete Struktur der EU übernommen werden, ohne dass jedes einzelne Land die gleiche Lernerfahrung machen muss. werden schneller verbreitet, Redundanz wird minimiert und bürokratischer Aufwand verringert. All das führt letztendlich zu einer Förderung der Wissenschaft selbst: Nature News zur Frage, was die EU für die Förderung der Wissenschaft bedeutet Über Grenzen und Einschränkungen hinweg.

Frieden – Max B. Eckert

1916: Im Ersten Weltkrieg kämpfen deutsche und französische Soldaten um die Stadt Verdun. Die Schlacht dauert 303 Tage an, über 300.000 Menschen sterben.

2016: 100 Jahre später stehen sich deutsche und französische Jugendliche in Verdun gegenüber. Unter den Augen von Staatschefs und internationaler Öffentlichkeit rafft der Tod erneut Tausende dahin – in einem Volker Schlöndorff inszenierte das Theaterstück zum Gedenken an Verdun durchchoreographierten Theaterstück.

Nicht nur Deutschland und Frankreich sind zu engen Freunden geworden, in der EU hat sich der europaweite Frieden institutionalisiert. Auch für potenzielle Beitrittsländer wie den Kosovo bedeutet die EU eine konkrete Aussicht auf Frieden. Dort konnten Eine Übersicht der EU-Arbeit im Kosovo (englisch) europäische Initiativen und Kooperationsmodelle in den vergangenen Jahren Friedensprozesse sichern und beschleunigen. Auch deshalb sehen die Kosovaren ihre Ein Assoziierungsabkommen zwischen der EU und dem Kosovo trat am 1.April 2016 in Kraft Zukunft in der EU.

Den Frieden im Inneren will die EU langfristig sichern, indem sie stärker als bisher eine gesamteuropäische Sicherheitspolitik koordiniert. Ihre Vision erinnert an einen 66 Jahre alten Grundsatz: Das Zitat stammt aus der Erklärung des damaligen französischen Außenministers Robert Schuman, in der er am 9. Mai 1950 die Gründung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl forderte. Die Union der Staaten Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Belgien und Luxemburg war der erste Vorläufer der heutigen EU. Daran, eine »europäische Föderation zu bilden, die zur Bewahrung des Friedens unerlässlich ist.«

Studieren – Moritz Eckhard

Seit 1987 vergibt die EU Stipendien für Bildung im Ausland. Zwischen 1987 und 2014 waren es insgesamt 3,3 Millionen. Das Ziel sind nicht nur Mitgliedsstaaten, sondern auch Beitrittskandidaten wie die Türkei oder Island. Das Erasmus-Programm fördert Schüler, Lehrer und Auszubildende, vor allem aber Studierende. Im Studienjahr 2013/2014 gingen mit Erasmus Statistiken zum Erasmus-Programm 272.000 Studierende aus 34 Ländern ins Ausland – allein aus Deutschland waren es gut Erasmus-Statistiken für Deutschland 36.000. Erasmus hilft mit Intensivsprachkursen und finanziellen Leistungen. Die individuelle Förderung berechnet sich aus der Gesamtzahl der Erasmusstudierenden und ist weiterhin von dem jeweiligen Herkunfts- und Zielland abhängig. 2014 erhielten Studierende durchschnittlich 274 Euro pro Monat. Außerdem vereinfacht das Programm die Anerkennung von Studienleistungen im Ausland.

Seit 2014 gibt es den Erasmus-Nachfolger »Erasmus-Plus«. Das ehrgeizige Ziel: Ab 2020 soll Die EU zu den Zielen der Lernmobilität jeder fünfte Studierende ein Semester im Ausland verbracht haben. Dafür stellt die EU 14,7 Milliarden Euro bereit.

Die EU rief Erasmus ins Leben, um die europäische Identität und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Erasmus verbessert nicht nur die Hier geht’s zur Erasmus Impact Study (2014) Jobchancen und interkulturellen Kompetenzen, sondern stärkt auch das europäische Zusammenleben: Seit 1987 kamen schätzungsweise Pressemitteilung der EU zu den Auswirkungen von Erasmus 1 Million Erasmus-Babys zur Welt.

Kommunikation – Nicolas Rose

Den Sonnenuntergang auf Facebook posten, die Sehenswürdigkeit bei Instagram hochladen und die Freunde mit dem Strand-Selfie bei WhatsApp beeindrucken. Urlaubsbilder wandern heutzutage schon während der Ferien durchs Netz. Vor wenigen Jahren wäre das noch undenkbar gewesen: Internet im Ausland? Schnell die Roaming-Funktion am Handy ausstellen, bevor die Grenze kommt – sonst drohte zu Hause eine hohe Rechnung.

Die EU hat deswegen 2007 eine Obergrenze für Roaming-Gebühren Roaming bezeichnet das Einbuchen des eigenen Handys in das Telefonnetz eines anderen Anbieters – das passiert im Ausland automatisch. Dabei entstehen Kosten, die der Telefonanbieter bisher an den Kunden weiterreicht. eingeführt. Von einem Tag auf den anderen wurde mobil telefonieren, SMS schreiben und im Internet surfen im europäischen Ausland erschwinglich. Für viele deutsche Urlauber war das ein Segen. SMS zu verschicken war im Ausland plötzlich oftmals günstiger als zu Hause.

Ab dem 15. Juni 2017 ist mit Übersicht über die aktuellen Roaming-Gebühren den Zusatzgebühren endgültig Schluss. Dann kannst du im Ausland deinen normalen Inlandsvertrag nutzen – allerdings nicht unbegrenzt: Die EU-Kommission hat eine »Fair-Use-Grenze« Die EU will auf diese Weise verhindern, dass günstige ausländische Tarife dauerhaft im Inland genutzt werden können und das Geschäftsmodell der einheimischen Anbieter gefährden. eingeführt. Wenn du deine deutsche SIM-Karte vier Monate am Stück hauptsächlich im EU-Ausland nutzt, musst du Hinweise der EU zu den neuen Roaming-Regelungen weiter draufzahlen. Bis zum digitalen EU-Binnenmarkt ist es also noch ein weiter Weg, aber der Anfang ist gemacht.

Schutz vor Diskriminierung – Nikola Schmidt

Schon mal versucht, mit über 50 einen Job zu finden? Oder mit Kopftuch eine Wohnung? Im Rollstuhl im Restaurant zu essen? Oder als türkischstämmiger Jugendlicher in eine Diskothek zu kommen? Das ist nämlich gar nicht einfach.

Denn es gibt immer noch viele Menschen, die andere wegen ihres Alters, ihrer Religion, einer Behinderung oder ihrer ethnischen Herkunft diskriminieren. Ebenso wegen des Geschlechts oder der sexuellen Identität. Oder wegen mehrerer dieser Eigenschaften zugleich.

Staatliche Diskriminierung ist in Deutschland schon lange verboten. Artikel 3 des Grundgesetzes gewährt allen Menschen ein Recht auf Gleichbehandlung. Daran sind gemäß Artikel 1 Absatz 3 aber nur staatliche Stellen gebunden. Die Diskriminierung durch andere Mitmenschen war es hingegen bis vor Kurzem nicht. Einen umfassenden Diskriminierungsschutz gibt es erst, seit die EU Deutschland dazu verpflichtet hat. Zwischen 2000 und 2004 hat die EU 4 Gleichbehandlungs-Richtlinien zu unterschiedlichen Formen der Diskriminierung erlassen. Nach langer öffentlicher Debatte und nachdem die EU-Kommission bereits Strafzahlungen angedroht hatte, hat der Bundestag mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz die EU-Vorgaben umgesetzt. Abschaffen kann man Diskriminierung zwar so einfach nicht – aber wer heute in der Arbeitswelt oder im Alltagsleben benachteiligt wird, kann von seinem Vertragspartner eine Entschädigung verlangen. Das steht in § 15 und in A§ 21§ 21 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG).

Unternehmensgründung – Han Langeslag

Ohne die EU hätte es Perspective Daily vielleicht nie gegeben. Die EU hat uns bei der Gründung unterstützt: So konnte ich selbst als Gründer während der Anfangsphase von Perspective Daily von einem Gründerstipendium leben, teils finanziert durch die EU.

Als EU-Bürger kann ich EU-weit arbeiten oder Arbeit suchen. Ohne zusätzliche Bürokratie konnte ich so mit meinem niederländischen Personalausweis in Beschreibung der Gleichbehandlung von EU-Bürgern London arbeiten, dort in die Rentenkasse einzahlen und das Gesundheitssystem nutzen.

Jetzt habe ich in Deutschland mein Zuhause gefunden und außerdem auch noch ein Unternehmen »auf die Beine gestellt«. Als EU-Bürger werde ich bei einer Gründung wie ein deutscher Bürger behandelt. Online-Informationen zur Unternehmensgründung in der EU Die EU fordert alle Mitgliedsstaaten dazu auf, die nötigen Formulare online zu stellen und Gründungen innerhalb von 3 Arbeitstagen durchzuführen – bei uns hat es 48 Stunden gedauert.

Das bedeutet nicht, dass wir die aktuelle EU nicht in Frage stellen: Unsere konstruktive Kritik an der EU wird kommen!

Titelbild: Diliff - CC BY-SA

 

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