Warum mehr als zwei Drittel aller Öl-, Gas- und Kohle-Reserven wertlos sind

Am 23. Juni 2016 gibt Berlins Regierung offiziell bekannt: »Wir werden unsere Geldanlagen in Unternehmen, die Öl, Gas und Kohle fördern, im Wert von ca. 10 Millionen Euro anders investieren.« Warum? Weil die Vorräte an fossilen Brennstoffen 20-mal größer sind, als die Menge, die wir noch verbrennen können.

18. Juli 2016  11 Minuten

1973. Der Ölpreis auf Rekordhoch. Der erste autofreie Sonntag. Um Benzin und somit Öl zu sparen, gab es in verschiedenen europäischen Ländern Fahrverbot an bestimmten Sonntagen. In Deutschland gab es 4 autofreie Sonntage während der Ölkrisen vom 25.11.73 bis zum 16.12.73. Die erste Ölkrise. 1979. Die zweite Ölkrise. Zweimal während der 1970er-Jahre gab es eine Knappheit in den westlichen Ländern. 1973 verhängte die OPEC ein Öl-Embargo gegen die USA, Kanada, Japan, Großbritannien und die Niederlande aufgrund ihrer Unterstützung von Israel während des Jom-Kippur-Krieges im gleichen Jahr. 1979 gab es in den USA eine zweite Ölkrise, als Iran aufgrund der Islamischen Revolution als Lieferant teils ausfiel. Kurz danach begann der Iran-Irak-Krieg, wodurch die weltweite Ölproduktion nochmals sank. Konflikte im Nahen Osten. Ölfelder, die immer weniger produzieren. Was, wenn das Öl nicht mehr für die nachfolgenden Generationen reicht? Die drohende Öl-Knappheit wird zum Dauer-Thema, der Begriff »Peak Oil« macht die Runde: Er steht für den Tag, an dem die Öl-Produktion ihren Höchstwert erreicht. Danach wird es abwärts gehen mit der Förderung, bis alles verbraucht ist. Die Angst vor dem Ende des Öls lässt den Preis durch die Decke schießen. Vor 1973 war der Ölpreis 90 Jahre lang relativ stabil. 1973 verdoppelte sich der Ölpreis ein erstes und 1979 ein zweites Mal.

Titelbild: Nationaal Archief / Fotocollectie Anefo - CC BY

von Han Langeslag 

Han geht es um Verantwortung, denn unser Handeln hat heute mehr Einfluss auf das globale Geschehen als je zuvor. Sind wir darauf vorbereitet? Wie können wir überhaupt noch eine Übersicht über die komplexen Zusammenhänge bekommen? Fachlich reicht seine Perspektive als Wirtschaftswissenschaftler, Psychologe und Neurowissenschaftler vom Individuum bis hin zum globalen Handelssystem.

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