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Stolz und Vor(ur)teile: Was uns mit Europas Osten verbindet

Einst war die Liebe groß. Jetzt kriselt es zwischen den Visegrád-Ländern und dem Westen. Gibt es ein Happy End?

22. Mai 2017  11 Minuten

Im November 1956 sandte der Chefredakteur der ungarischen Nachrichtenagentur MIT, kurz bevor sein Büro von der Artillerie dem Erdboden gleichgemacht wurde, per Fernschreiber die verzweifelte Botschaft an die ganze Welt, dass der russische Angriff auf Budapest begonnen habe. Das Fernschreiben endete mit den Worten ›Wir sterben für Ungarn und für Europa‹.

So beschreibt der tschechische Schriftsteller Milan Kundera Der Schriftsteller Milan Kundera wurde 1929 in der Tschechoslowakei geboren. Mit dem Prager Frühling war auch die Karriere in seinem Heimatland vorbei – seit den 1970er-Jahren lebt Kundera in Frankreich. In Deutschland kennt man ihn vor allem für seinen Bestseller-Roman »Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins«. in seinem Essay The New York Review of Books veröffentlichte eine Übersetzung (englisch, 1984) »Die Tragödie Zentraleuropas« eine Szene des ungarischen Volksaufstands Über Nacht eskalierten studentische Demonstrationen am 23. Oktober 1956 zum Volksaufstand. Die Forderungen: Unabhängigkeit und Demokratie für Ungarn. Der neue Ministerpräsident Imre Nagy bildete eine Mehrparteienregierung und kündigte die Mitgliedschaft Ungarns im sowjetischen Militärbündnis Warschauer Pakt auf. Am 15. November marschierten sowjetische Truppen in Budapest ein – die Revolution wurde blutig niedergeschlagen. im Jahr 1956. Sterben für Europa – in Moskau oder Leningrad würde einem das nicht einfallen, konstatiert Kundera. In Warschau und Budapest sehr wohl.