Was ist eigentlich in Tschetschenien los?

5 von 6 Russen, die in Deutschland Asyl beantragen, kommen aus der Teilrepublik Tschetschenien. Dabei wohnt hier nicht einmal 1% der Bevölkerung. Woran liegt das und wie lassen sich die Zustände ändern?

30. Mai 2017  10 Minuten

Im Jahr 2015 verbreitete sich über den Internetdienst Whatsapp eine Sprachnachricht. Die Sozialmitarbeiterin Aischat Inaeva kritisierte darin, dass ein Großteil der tschetschenischen Bevölkerung in Armut lebe, die Regierung aber reich sei. Sie beschwerte sich, dass ein Teil ihres Gehalts im Voraus für Elektrizität und kommunale Dienste einbehalten werde, und klagte, dass dies vielen Menschen in Tschetschenien schwer falle.

»Was ist schon groß dabei?«, fragst du jetzt vielleicht. In Deutschland darf jeder die Regierung kritisieren, in Tschetschenien aber bezahlt man für solchen Mut mit der eigenen Ehre: Die Kawkasi Usel berichtet (russisch) Inaeva wurde zuerst geschlagen, danach musste sie sich öffentlich bei Präsident Ramsan Kadyrow und seiner Administration entschuldigen. Das wurde im Fernsehen gezeigt, und seitdem will niemand mehr mit Inaeva zu tun haben. Öffentliche Demütigungen und Bedrohungen als Racheakte für die harmloseste Kritik an der Politik gehören in Tschetschenien zum Alltag.

Im vergangenen Jahr hat Deutschland einen starken »Spiegel Online« sprach im Juni 2016 von einer »neuen Fluchtbewegung« aus Tschetschenien Anstieg der Flüchtlingszahlen aus Tschetschenien registriert:

Titelbild: European Commission DG ECHO - CC BY-SA

von Veronika Prokhorova 

Veronika Prokhorova arbeitet als freie Journalistin unter anderem für Snob.ru. Früher schrieb sie für Deutsche Welle Russisch und Russkaja Germania. Geboren wurde Veronika in der Nähe von Sankt Petersburg, wo sie Internationale Journalistik studierte. Vor Kurzem hat sie an der TU Dortmund ihren Journalismus-Master mit dem Schwerpunkt Terrorismusforschung abgeschlossen.

Themen:  Osteuropa   Flucht   Frieden & Krieg  

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