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So halbieren wir die Anzahl dicker Kinder

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So halbieren wir die Anzahl dicker Kinder

1. Juni 2017
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Halb so viele übergewichtige Kinder in wenigen Jahren: Das kann jede Stadt schaffen, wenn sie die richtigen Leute einbezieht. Mit diesen 3 Köchen gelingt der Abnehm-Brei.



Morgens in Frankfurt: Von der S-Bahn Taunusanlage strömen nicht Banker, sondern tausende dicke Kinder zu den Wolkenkratzern der Banken. Eine Ecke weiter, auf der Zeil, shoppen genauso viele rundliche Kinder Übergrößen-Mode. Am anderen Mainufer schieben sich im Städel-Museum dicke Kinder an anderen dicken Kindern vorbei, um moderne Kunst zu betrachten. Und am Wochenende ist das Waldstadion bis auf den letzten Platz mit übergewichtigen Kindern gefüllt, die 11 dicke Eintracht-Kinder beim Kicken anfeuern.

Das ist natürlich Quatsch – in Frankfurt am Main leben vor allem Erwachsene, und von denen sind längst nicht alle übergewichtig. In Deutschland leben mehr 4- bis 10-Jährige mit Übergewicht, als die Stadt Frankfurt Einwohner hatAber würde man alle Frankfurter von heute auf morgen aus ihren Wohnungen werfen, gäbe es dort immer noch nicht genug Betten, um alle übergewichtigen 4- bis 10-Jährigen in Deutschland unterzubringen: Aktualisierung der KiGGs-Studie des Robert Koch-Instituts (englisch, 2017) 743.000 Kinder in diesem Alter sind übergewichtig, In Deutschland lebten laut Zensus zum 31.12.2015 knapp unter 5 Millionen (4.987.995) Kinder zwischen 4 und 10 Jahren. Die KiGGs-Studie des Robert Koch-Instituts nennt 9,5% in dieser Altersklasse übergewichtig, weitere 5,4% adipös. Daraus ergeben sich 473.859 übergewichtige bzw. 269.351 fettleibige Kinder. 1/3 von ihnen sogar fettleibig, also adipös. In einer Grundschulklasse mit 20 Schülern sitzen im Schnitt daher 2 übergewichtige und ein adipöses Kind. Dieses Verhältnis war in den vergangenen 10 Jahren relativ stabil. Der Anteil der adipösen Kinder hat im Vergleich zur ersten KiGGs-Studie des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2007 zwar um 0,1% minimal abgenommen, die normal Übergewichtigen fressen diesen Rückgang mit +1% jedoch wieder auf.

Weltweit rechnet die WHO-Bericht »Kinder-Adipositas ein Ende setzen« (englisch) Weltgesundheitsorganisation WHO übrigens mit 41 Millionen Kindern unter 5 Jahren, die übergewichtig sind. Wer schon als Kind übergewichtig ist, bleibt es wahrscheinlich sein Leben lang Woran das liegt, ist in der Wissenschaft umstritten: Einerseits programmieren Gewohnheiten im Kinderalter die Automatismen des Erwachsenenlebens – dazu gehören auch Essgewohnheiten. Andererseits ist ein Stück weit Veranlagung, wie effizient der Körper Nahrung in nutzbare Energie umwandelt. Bericht der Welt über die geringen Aussichten, dass aus übergewichtigen Schülern normalgewichtige Erwachsene werden wenn Hänschen nicht abnimmt, futtert Hans immer mehr.

Damit du die Bilder einer mit dicken Kindern bevölkerten Stadt Frankfurt wieder aus dem Kopf bekommst, müssen Deutschlands dickste Kinder abnehmen. Tatsächlich lässt sich mit einfachen Maßnahmen deren Anteil in wenigen Jahren halbieren. Ich habe deshalb ein paar Konzepte aus Mexiko, Finnland und den Niederlanden untersucht und dabei festgestellt: Es braucht 3 Köche, damit dieser Brei gelingt – und in Städten kommen sie zusammen.

Bevor wir zu den Lösungen kommen, erst ein paar Häppchen, die zum Verständnis des Problems wichtig sind.

Wohlstand macht nicht dick, Sport macht nicht dünn

Diese Grafiken bei Süddeutsche.de zeigen: die Welt wird immer fetter Übergewicht ist in Deutschland ein Problem, das mittlerweile etwa jeden zweiten Erwachsenen betrifft: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamts zu Übergewicht 2013 waren 62% der Männer und 37% der Frauen übergewichtig. Zu viel Speck auf den Rippen begünstigt Herz-Kreislauf-Erkrankungen, steigert das Diabetes-Risiko und verkürzt letztlich die Lebenserwartung. Ein Themenheft des Robert Koch-Instituts nennt Zahlen: Schon normales Übergewicht steigert die Mortalitätsrate um 16%, Adipositas Grad I (BMI 30–35) schon um 25%, ab Adipositas Grad II steigt die Mortalitätsrate um 296% (kein Tippfehler).

  1. Wie definiert sich Übergewicht? Die oben genannten Daten beziehen sich auf den sogenannten Body Mass Index (BMI). Er gibt Aufschluss über das Verhältnis von Körpergröße und Gewicht. Die Rechnung ist einfach: Gewicht in Kilogramm geteilt durch (Körpergröße in Metern)². Ein BMI von 18,5–25 gilt als Normalgewicht, darüber als Übergewicht (25–30), dann kommen 3 Grade von Fettleibigkeit: Adipositas Grad I (30–35), Grad II (35–40) oder Grad III (über 40).

    Die Methode ist weit verbreitet, da sie für Laien mit einer einfachen Körperwaage und einem Zollstock durchführbar ist – sie ist allerdings trügerisch, da ein gesunder Sportler mit viel Muskelmasse laut BMI ebenfalls übergewichtig sein kann. Kritiker empfehlen deshalb andere Methoden wie den Body-Shape-Index (BSI), Die Formel des BSI ist etwas komplizierter und bezieht als zusätzlichen Wert auch den Taillenumfang in Metern mit ein: Dieser wird geteilt durch das Produkt aus 2/3 des BMI und der Hälfte der Körpergröße in Metern. die Körperfett oder andere Indikatoren zur Gesundheit miteinbeziehen.

  2. Übergewicht und Wohlstand Im Deutschen gibt es das schöne Wort »Wohlstandsbauch«, das bei Männern tatsächlich stimmt: Je höher die soziale Schicht, desto größer der Anteil der Übergewichtigen. Bei Frauen ist es jedoch umgekehrt, und auch BMI-Tabelle nach Wohlstand in der Gesundheitsberichterstattung des Bundes adipöse Männer und Frauen sind in ärmeren Schichten häufiger zu finden. Bei Kindern gilt für beide Geschlechter: KiGGs-Studie des RKI (2007) Je weniger Wohlstand, desto mehr Bauch

  3. Ernährung vs. Bewegung Die Lebensmittelindustrie will uns mit großen Werbekampagnen glauben machen, dass wir so viel Quatsch essen können, wie wir wollen, solange wir uns nur ausreichend bewegen. Natürlich hat Sport jeden erdenklichen Maren Urner beschreibt hier das Wundermittel Bewegung guten Einfluss auf unseren Körper. Der effektivste Weg, um nicht ins Übergewicht zu rutschen, Berechnungen der US-amerikanischen Mayo-Klinik zum Abnehmen durch Kalorienreduktion (englisch) ist jedoch eine begrenzte Kalorienzufuhr. Ein Kilogramm Körperfett speichert etwa 7.000 Kilokalorien. Also einfach 7.000 kcal weniger essen, um ein Kilo abzunehmen? So einfach ist es nun auch wieder nicht: Hier kannst du berechnen, wie effektiv du mit welcher Maßnahme abnehmen kannst. Auch wenn das den Nahrungsproduzenten nicht gefallen dürfte.

Besonders der dritte Punkt spielt hier gleich noch eine Rolle: Gerade bei Kindern sorgt eine Gutes Essen ist nicht unbedingt Bio, schreibt Felix Austen gute Ernährung schon fast von selbst für ein gesundes Körpergewicht.

Mexiko, Finnland, Niederlande – so nehmen Kinder anderswo ab

Nicht nur ganz Frankfurt ließe sich mit dicken Grundschulkindern füllen, auch anderswo auf der Welt wird Gewichtszunahme zunehmend zum Problem. 1975 war weltweit einer von 5 Männern übergewichtig oder fettleibig – heute ist der Anteil Infografiken bei Süddeutsche.de zur Verfettung der Welt doppelt so hoch. Im selben Zeitraum ist die Weltbevölkerung von 4 auf 7,4 Milliarden Menschen gewachsen – die absolute Anzahl übergewichtiger und fettleibiger Männer hat sich also mehr als verdreifacht. Menschen auf der ganzen Welt suchen nach Lösungen gegen Übergewicht. Für diesen Text habe ich Ansätze aus 3 Ländern untersucht:

  • Mexiko ist gemeinsam mit den USA Wer vorne liegt, unterscheidet sich bei einzelnen Werten. die übergewichtigste Nation unserer Erde. Hier sind 70% der Bevölkerung übergewichtig, und wer im Guinness-Buch nach dem schwersten Menschen aller Zeiten sucht, landet ebenfalls in Mexiko. Der Eintrag im Guinness-Buch für den schwersten Menschen aller Zeiten führt nach Mexiko: Manuel Uribe brachte zu Spitzenzeiten 592 Kilo auf die Waage. Danach hatte er knapp 200 Kilo abgespeckt, bevor er mit 48 Jahren starb. Die Bild-Zeitung schreibt, er sei bereits als Kind »mollig« gewesen. Fast jedes zehnte Kind ist fettleibig – Bericht des Hospital Infantil Federico Gómez über Fettleibigkeit bei Kindern (spanisch) dieser Wert wuchs binnen eines Jahrzehnts um 77%. Das hat die Regierung alarmiert. Sie hat 2014 eine Reihe neuer Gesetze verabschiedet, um der Bevölkerung beim Abspecken zu helfen.

  • Finnland ist, wer hätte es erwartet, auch beim Abnehmen der Klassenstreber: Die 60.000-Einwohner-Stadt Seinäjoki ist über Landesgrenzen hinweg bekannt für ihr Programm »Lihavuus laskuun« (Fettleibigkeit reduzieren). Es läuft erst seit 2013 – der Anteil übergewichtiger Kinder hat sich in den vergangenen 6 Jahren jedoch von 17% auf 9% fast halbiert.

  • Die Niederlande haben, obwohl ihre Einwohner exzessiv Dirk Walbrühl über die fahrradfreundlichen Niederlanden auf ihren Fahrrädern umherfietsen, ähnliche Übergewichtsquoten wie Deutschland. Besonders hoch sind sie in Amsterdam – deshalb hat sich die Stadt einige Maßnahmen überlegt, wie sie ihren Kindern zu gesundem Körpergewicht verhelfen kann.

Die Maßnahmen aus Mexiko, Finnland und den Niederlanden gehen alle in eine ähnliche Richtung: Schulen sollen zu einem Umfeld werden, das eine gesunde Lebensweise vermittelt. Dadurch sollen bei den Kindern selbst gewisse Reflexionsprozesse in Gang gesetzt werden. Die sind dann am nachhaltigsten, wenn die Eltern mit im Boot sind.

Stupser in die richtige Richtung

Egal ob es sich um Städte wie Amsterdam oder Seinäjoki handelt oder um Staaten wie Mexiko – kluge und maßvolle Gesetze können einen sinnvollen Rahmen schaffen, um alle Beteiligten Bei solchen staatlichen Stupsern spricht man von »Nudging«, beschreiben Han Langeslag und Maren Urner hier in die richtige Richtung zu stupsen. So manche Schokowerbung richtet sich gezielt an KinderDazu zählt auch, diejenigen auszubremsen, Warum zu viel Auswahl im Süßwarenregal gar keine gute Idee ist, erklären Maren Urner und Han Langeslag die Kinder sonst immer wieder in Richtung Süßwarenregal schubsen: die Werbeindustrie. Mit rund 750 Millionen Euro jährlich bewirbt die Lebensmittelindustrie allein ihre süßen Dickmacher – und dabei ist manche Botschaft Die Zeit über Werbung, die sich an Kinder richtet speziell auf die Jüngsten zugeschnitten. Es ist also naheliegend, wie wirksam ein Werbeverbot für solche Produkte sein kann.

In Mexiko gilt ein solches Verbot – mit ein paar Schönheitsfehlern Es handelt sich nicht um ein generelles Verbot, sondern nur zu bestimmten Tageszeiten (werktags über den Nachmittag; an Wochenenden den ganzen Vor- und Nachmittag). Aber ausgerechnet auch unter Kindern beliebte Sendungen wie Telenovelas und Sportübertragungen sind von diesem Verbot ausgenommen. – seit etwas mehr als 3 »Spiegel Online« im Jahr 2015 über Mexikos Maßnahmen gegen Übergewicht Jahren. Es ist Teil eines größeren Maßnahmenpakets, das auch Strafsteuern auf besonders kalorienreiche Lebensmittel vorsieht. Erste Erfolge gibt es bereits: Ein Jahr Die Süddeutsche über den Zwischenerfolg des mexikanischen Programms gegen Übergewicht nach Einführung der Steuer trank ein durchschnittlicher Mexikaner schon jährlich 4,2 Liter Cola weniger.

Sobald die Gesetzeslage passt, liegt der Ball im Feld von Schulen, Eltern und den Kindern selbst. Die Städte sind gefragt, sie alle an einen Tisch zu bringen.

Rohe Kost: Warum nicht einfach mal Karottensticks statt Schokoriegel? – Quelle: US Department of Agriculture CC Mark

1. Schulen

Ein Segment der mexikanischen Initiative setzt an einem Ort an, den jedes Kind viele Stunden in der Woche besucht: die Schule. Seit Mai 2014 muss das Schulessen in Mexiko gesünder sein, Snacks wie Chips werden nur noch in kleinen Packungen von maximal 140 kcal Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung gibt die empfohlene Kalorienzufuhr bei Menschen zwischen 25 und 50 Jahren mit 2.400 kcal (Mann) bzw. 1.900 kcal (Frau) an. Für Kinder und Schwangere werden bewusst keine Werte angegeben. Den kompletten Bericht findest du hier. angeboten. Die Süddeutsche über den Zwischenerfolg des mexikanischen Programms gegen Übergewicht Allerdings hat das Gesetz keinen Einfluss auf die Straßenhändler direkt vor dem Schultor. Immerhin: In Deutschland essen Schüler Studie zu den Effekten von Fast Food auf dem Schulweg laut einer Einzelstudie nicht mehr Fast Food, wenn es auf dem Schulweg verfügbar ist.

Lassen wir also den Gedanken nicht zu früh fallen, das Übergewicht an den Schulen in den Griff zu bekommen. Die Stadt Amsterdam hat zum Wohle der Schüler einige Regeln erlassen: Unter anderem dürfen die Kinder keinen Saft mehr in den Unterricht mitbringen, stattdessen wurden mehr Wasserspender aufgestellt. Müssen Schüler der Klasse an ihrem Geburtstag Cupcakes, Saft UND ein Spielzeug spendieren?Außerdem dürfen die Schüler ihren Klassenkameraden keine Süßigkeiten mehr zu ihrem Geburtstag mitbringen, sagt Wilbert Sawat, Programmkoordinator und Lehrer an einer Grundschule im Südosten Amsterdams dem The Guardian über Amsterdams Maßnahmen gegen Adipositas bei Kindern Guardian: »Es ist zu einem Wettstreit ausgeartet. Einer brachte Cupcakes mit, also brachte der nächste Cupcakes und Saft, als nächstes Cupcakes, Saft und ein Spielzeug …« Dafür gibt es an Amsterdamer Schulen jetzt Kochkurse, in denen gesunde Alternativen vermittelt werden.

Im finnischen Seinäjoki wurde nicht nur das Schulessen grundlegend von Ernährungsberatern optimiert, sondern auch Bewegung stärker in den Fokus gerückt. »Spiegel Online« schreibt, es sei völlig normal, dass hier Schüler mitten im Geographieunterricht aufstehen und ein paar Klimmzüge machen – zwischen den Lehrern gebe es einen regelrechten Multimedia-Reportage bei »Spiegel Online« über Seinäjokis Kampf gegen die Pfunde Wettbewerb, neue Bewegungskonzepte wie dieses zu entwickeln.

2. Kinder

Aber Seinäjoki nimmt auch die Kinder selbst in die Pflicht: Ein Baustein des Konzepts ist der umfangreiche Ernährungsunterricht, in dem die vom WHO-Bericht über Seinäjoki (englisch) Nationalen Finnischen Ernährungsrat aufgestellten Richtlinien vermittelt werden. So sollen Kinder von einem frühen Alter an die Zusammenhänge zwischen gesunder Ernährung, Bewegung und einem zur Größe passenden Körpergewicht verstehen.

Jeden Tag 30 Minuten Bewegung im Kindergarten wirkt WunderWenn Kinder sich von klein auf Maren Urner über Gewohnheiten an einen gewissen Lebensstil gewöhnen sollen, lohnt es sich, früh anzufangen. 30 Minuten Bewegung für Kindergartenkinder sind das Ziel des »Prevention through Activity in Kindergarten Trail« (PAKT) – Website des Kindergarten-Projekts PAKT Programm zur Prävention durch Bewegungsförderung im Kindergarten. Ein Jahr lang sollen täglich 30 Minuten mit gezielten Übungen der Bewegungsdrang der Kinder erhöht werden. Die Uniklinik Würzburg, die das Programm gemeinsam mit der Barmer GEK entwickelt hat, hat die positiven Auswirkungen auf Kindsgesundheit Auch den Kleinsten halfen die Übungen, ihr Unterhautfettgewebe auszudünnen und so Übergewicht vorzubeugen. und Motorik evaluiert. Mittlerweile finden die Übungen in etwa 250 Kindergärten bundesweit Die meisten beteiligten Kitas stehen in der südlichen Landeshälfte und in einigen östlichen Bundesländern. Das liegt daran, dass in diesen Bundesländern bereits Fortbildungen für Erzieher zum Programm stattgefunden haben. In diesem Jahr betreut das PAKT-Programm etwa 100 Einrichtungen. Das Programm läuft seit 3 Jahren. Anwendung, schätzt Programmleiterin Carolin Hupp. In jeder Kita gibt es auch Fortbildungen für die Erzieher und Informationsabende für die Eltern.

Kühl und klar: In Mexiko helfen neu aufgestellte Wasserspender, auch ohne Cola den Durst zu löschen. – Quelle: German Tenorio CC BY-SA

3. Eltern

Schulen und Kindergärten können nur dann effektiv arbeiten, wenn die Eltern mit im Boot sind. Das gilt streng genommen für alle Themen, bei Ernährung aber ganz besonders: Das gesündeste Schulessen bringt nichts, wenn es zu Hause jeden Abend Pommes gibt. An solchen Lebensrealitäten scheiterte auch 2005 die »Feed me better«-Kampagne des britischen Kochs Jamie Oliver für ein besseres Schulessen – sein Fazit: The Telegraph zitiert Jamie Oliver, seine Kampagne sei gescheitert (englisch) gute Ernährung sei nur Thema in der Mittelschicht. Damit Kinder und Eltern auf denselben Stand gebracht werden, gibt es in Amsterdam gemeinsame Kochkurse für Eltern und Kinder.

Außerdem bietet die Stadt Beratung für junge sowie werdende Mütter an. Auch in Seinäjoki ist umfangreiche Elternberatung ein wichtiger Teil des Konzepts.

Was kann auch Frankfurt für die Banker von morgen tun?

Schulen, Kinder, Eltern – wenn die Rahmenbedingungen stimmen, können diese 3 Köche einen Brei anrühren, der dünn macht. Das funktioniert jedoch dann am besten, wenn ihnen die optimale Küche zur Verfügung steht: die Stadt. Seinäjoki und Amsterdam zeigen, wie wirksam es sein kann, wenn sie ihre Rolle als Koordinator wahrnehmen und Übergewicht als Herausforderung begreifen, die nur interdisziplinär von ganz verschiedenen Akteuren gelöst werden kann.

Städte können am meisten gegen Übergewicht ausrichten, wenn alle Abteilungen zusammenarbeitenIn Seinäjoki sind zum Beispiel nicht nur Gesundheitsamt, Schulamt und Sozialamt beteiligt, sondern explizit auch Bereiche, die auf den ersten Blick gar nichts mit übergewichtigen Kindern zu tun haben: Die Stadtentwicklung etwa hat sich beteiligt, WHO-Bericht aus Seinäjoki (englisch) indem sie die Spielplätze und Klettergerüste auf den Schulhöfen verbessert hat.

Städte haben als Verwaltungseinheit die richtige Größe, solche Aufgaben zu stemmen. Sie sind in ihrer Größe überschaubar, man kennt sich auf dem kurzen Dienstweg und kann so an einem Strang ziehen. Alle Städte in Deutschland haben also gemeinsam in der Hand, den übergewichtigen Kindern beim Abnehmen zu helfen. Damit Frankfurt nicht irgendwann wirklich voller dicker Kinder ist.

Titelbild: dpa / Markus Scholz - copyright

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