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Warum Trumps Entscheidung gut fürs Klima ist

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David Ehl / Kommentar

Warum Trumps Entscheidung gut fürs Klima ist

6. Juni 2017

Trumps Klimapolitik klingt wie »Nach mir die Sintflut«. Tatsächlich rettet er damit vielleicht die Zukunft unserer Erde.

Was auch immer Donald Trump da geritten hat: Aus dem Klimaschutzabkommen von Paris auszusteigen, ist die vielleicht beschissenste Idee aller Zeiten. Nicht nur, weil es der bislang realistischste Versuch ist, die Zukunft einer Spiegel Online über eine Studie zur Erderwärmung unbewohnbar warmen Erdatmosphäre Maren Urner und Felix Austen über Leonardo DiCaprios Film »Before The Flood« abzuwenden, sondern auch, weil er die USA damit weiter isoliert: America First, dann kommen noch Syrien und Nicaragua, Bis auf diese 2 Staaten sind bislang alle Länder der Welt beim Abkommen dabei: In Syrien herrscht Krieg, und Nicaragua findet das Abkommen zu lasch. und dann wird es schon dünn an der Seitenlinie, während alle anderen auf dem Spielfeld von Paris stehen.

Internationale Klimavorschriften sollen also künftig ohne die USA geschrieben werden, die amerikanische Wirtschaft wird die Regeln ohne Mitspracherecht schlucken müssen, wenn sie Waren in die Länder des Abkommens exportieren will. Außer, sie konzentriert sich auf den Handel mit Syrien und Nicaragua.

Die bitterste Pille haben nun die armen Länder zu schlucken, die aus einem Fonds der UN zur Klimafolgenanpassung profitieren sollen: Trumps Amtsvorgänger Barack Obama hatte ntv.de über die Klimabeiträge der USA 3 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt. Bis zum Ende seiner Amtszeit hatte er 1/3 davon überwiesen. Trump wird wohl kaum die fehlenden 2 Milliarden bereitstellen, die dort dringend gebraucht werden: Schon jetzt nehmen gerade in Entwicklungsländern extreme Wetterereignisse wie Überschwemmungen und Dürreperioden zu, die Flutkatastrophen oder Peter Dörrie fragt die Welthungerhilfe im Interview, warum wir gegen Hunger nicht machtlos sind Hungersnöte zur Folge haben.

So viel zu den negativen Auswirkungen der Vollständiges Video von Trumps Statement zum Pariser Abkommen inklusive zahlreicher Falschaussagen (englisch) Trumpschen Entscheidung, die er am 1. Juni im Rosengarten des Weißen Hauses verkündet hat. (Eine Abkehr der USA könnte immer noch einen Domino-Effekt auslösen, aber zumindest bis heute sprechen die Reaktionen eine ganz andere Sprache.) Denn wenn die vergangenen Tage eins gezeigt haben, dann ist es: Wir sollten dem 45. US-Präsidenten dankbar sein für seine Entscheidung!

Jetzt erst recht!

Denn was sie bewirkt hat, zeigt: Donald Trump spricht nicht für die USA, wie er selbst vorgab. Hier redet der demokratische Senator Bernie Sanders über Klimaschutz Der Aufschrei derer, die sich über die globalen Zusammenhänge der Erderwärmung im Klaren sind, war laut und kam aus allen Ecken:

Die New York Times erklärt in 6 Grafiken, was US-Amerikaner über die Erderwärmung denken Übrigens befürworten fast 70% der US-Amerikaner strikte CO2-Limits für Kohlekraftwerke.

Dieses Gefühl von »jetzt erst recht« zieht sich wie ein roter Faden durch die internationalen Reaktionen. Politiker aus aller Welt zeigen sich fest entschlossen, das Pariser Abkommen umzusetzen. »Nichts kann und wird uns dabei aufhalten«, SZ.de über Angela Merkels Reaktion auf Trump sagte zum Beispiel Bundeskanzlerin Angela Merkel. »Beim Klima gibt es keinen Plan B, weil es keinen Planeten B gibt«, sagt der französische Präsident Emmanuel Macron in seiner Videobotschaft in den sozialen Medien. Der Münchner Merkur über Macrons Statement »Deshalb ja, wir werden weitermachen.« Dazu lud er gleich alle enttäuschten US-Wissenschaftler nach Frankreich ein.

Der französische Präsident Emmanuel Macron reagierte auf Trumps Ankündigung mit klaren Worten. Seine Videobotschaft machte in den sozialen Medien schnell die Runde.

Nie war die Entscheidungselite der Welt (aus der Trump die USA gerade spektakulär herauskatapultiert) so einig im Ziel, die Erde vor dem Schlimmsten zu bewahren. Ende 2015, als das Paris-Abkommen geboren wurde, Die F.A.Z. über Kritik unmittelbar nach dem Paris-Abkommen hagelte es noch Kritik aus der Wirtschaft. Mittlerweile herrscht breiter Konsens, dass vorübergehende wirtschaftliche Einbußen eher zu verkraften sind als ein Wüstenplanet.

Die meisten Regierungen der Welt haben nach anderthalb Jahren begriffen, Unser Teamtext über die Klimakonferenz 2016 in Marrakesch dass Klimapolitik kompliziert, aber unverzichtbar ist. Sie dürften nach dem Austritt der USA die eigenen Ziele eher noch nach oben schrauben, als das Abkommen infrage zu stellen. Es war ein bemerkenswerter Zufall, dass kurz vor Trumps Entscheidung der heute.de über Modis Besuch bei Merkel indische Premier Narendra Modi und sein chinesischer Amtskollege Zeit Online über Li Keqiangs Deutschlandbesuch Li Keqiang bei Angela Merkel zu Besuch waren und jeweils in die gemeinsame Beteuerung der Klimaziele einstimmten. Am Tag nach Trumps Auftritt trieb Li in Brüssel die wirtschaftliche Annäherung Chinas mit der EU über die »Neue Seidenstraße« voran: Vox.com über Trump und China (englisch) Eine aus Trumps Sicht unangenehme Entwicklung, auf die er sogar noch weniger Einfluss hat als aufs Weltklima.

Illustration: Robin Schüttert

Danke, Donald Trump, für diese Schlagzeilen!

Endlich ist es soweit: Das Klima ist auf den Titelseiten, wo es schon lange hingehört. Und von allen Seiten hagelt es flammende Appelle, Maren Urner und Felix Austen rufen den Klima-Notstand aus für die Einhaltung des 2℃-Ziels zum Äußersten zu gehen. Dagegen wirkt Donald Trumps Retweet einer Börsenmeldung von Fox News ziemlich verloren. Er hätte eigentlich wissen müssen, dass für den Klimaschutz das gleiche PR-Gesetz gilt wie auch für Verona Pooth, Stefan Effenberg und ihn selbst: Es gibt keine schlechte Presse.

Der US-Präsident hat dem weltweiten Klimaschutz nicht nur neuen Aufwind verliehen, sondern auch eine wunderbare Projektionsfläche für jede Menge Wut geliefert. Jetzt können wir alle gemeinsam zeigen, dass der vermeintlich mächtigste Mann der Welt im Kampf gegen das Klima – und damit die Zukunft der Menschheit auf der Erde – eben doch nicht so viel anstellen kann.

Übrigens dürfen die Vertragspartner des Paris-Abkommens effektiv erst 3 Jahre nach Eintritt ein Austrittsgesuch schicken. Und von da an müssen sie noch ein Jahr warten, bis der Austritt rechtskräftig ist. Bis zum 4. November 2020 sind die USA noch Vertragspartner des Abkommens. Am Tag zuvor finden die nächsten Präsidentschaftswahlen statt.

Mit Illustrationen von Robin Schüttert für Perspective Daily

Mit Illustrationen von Robin Schüttert für Perspective Daily

 

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