Frederik v. Paepcke / Menschen, die bewegen

»Meine Damen, der Aufsichtsrat ist kein Kaffeekränzchen«

7. Juni 2017

Dieser Satz hatte Folgen: mehr Engagement für Frauen in Aufsichtsräten. Die ganze Geschichte erzählt Elke Benning-Rohnke im Interview und diskutiert Ideen für die Zukunft der Gleichstellung.

»Menschen, die bewegen« – so heißt unsere neue Themenreihe. Im Mittelpunkt stehen dabei Menschen, die etwas bewegen und damit zum Nachahmen einladen.

Jeweils 10 Fragen stellen wir ihnen. Für das Format haben wir uns noch ein paar andere Besonderheiten überlegt:

1. Bei der Fragenplanung ist mindestens ein weiterer Autor dabei, der der Person und Thematik besonders kritisch gegenübersteht.

2. Es gibt 2 Fragen, die uns bei jedem Interview besonders interessieren: Was kann jeder Einzelne tun? Und: Was würde der Interviewpartner ändern wollen?

3. Erklärende Texteinschübe liefern Hintergrund zur Thematik des Interviewpartners.
Den Auftakt macht Elke Benning-Rohnke, die sich seit mehr als einem Jahrzehnt sehr erfolgreich für Gleichstellung einsetzt. Als wir uns vor einigen Monaten auf einer Hochzeit in Tunesien kennenlernten und angeregt über das Thema Gleichstellung diskutierten, entstand die Idee für diesen Artikel.

1. Ich habe persönlich bisher nicht viel von fehlender Gleichstellung erlebt: Jura studieren mittlerweile mehr Frauen als Männer, Seit über 15 Jahren beginnen mehr Frauen als Männer ein Jurastudium. Das Klima in der Rechtswissenschaft sei aber oft immer noch »autoritär und konservativ«, schreibt Legal Tribune Online. in der Unternehmensberatung gab es keine Gender Pay Gap Gender Pay Gap meint die unterschiedliche Bezahlung von Frauen und Männern. Dies geschieht in zweierlei Hinsicht. Zum einen üben Frauen häufiger schlechter bezahlte Berufe aus, arbeiten mehr in Teilzeit und haben durchschnittlich kürzere Karrieren. 3/4 des deutschen Gender Pay Gaps von 21% lassen sich mit solchen Strukturunterschieden erklären.

Bereinigt man die Daten um diese Einflussfaktoren, verbleibt bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit ein Gehaltsunterschied von 6%. An der Berechnung gibt es aber auch Kritik. So fließt zum Beispiel der öffentliche Dienst nicht in die Statistik ein, Betriebe mit weniger als 10 Mitarbeitern bleiben unberücksichtigt. Außerdem ist der unbereinigte Wert prinzipiell irreführend, da er so klingt, als würden Frauen für die gleiche Arbeit bei gleicher Qualifikation 21% weniger verdienen.
und jetzt arbeite ich mit einer Chefin. Und mit einem Chef. Ich habe manchmal den Eindruck, für meine Generation ist Gleichstellung kein so großes Thema mehr. Woran müssen wir noch arbeiten?

Elke Benning-Rohnke: In deinem Selbstverständnis sind Männer und Frauen gleichberechtigt. Aber dieses Selbstverständnis teilt nicht die breite Gesellschaft. Das hat viele Gründe. Man muss zuerst sehen, dass wir politische Rahmenbedingungen haben, die Gleichstellung erschweren, wenn nicht sogar verhindern. In Deutschland gibt es staatliche Anreize, die dazu verleiten, dass einer der Ehepartner zu Hause bleibt, während der andere arbeitet. Dafür wird der andere mit Steuervorteilen belohnt – also meist der Mann aufgrund des oft höheren Einkommens. Einen Text zur Gender Pay Gap, also zur unterschiedlichen Bezahlung von Männern und Frauen, wird demnächst bei Perspective Daily erscheinen.
Du meinst das Die F.A.Z. erläutert ausführlich Vor- und Nachteile des Ehegattensplittings Ehegattensplitting, von dem ein Ehepaar vor allem dann profitiert, wenn die Partner möglichst ungleich verdienen.

Elke Benning-Rohnke: Genau. Ehegattensplitting ist für die Frau häufig kontraproduktiv. Familien entscheiden sich aufgrund dieser Regel oft zulasten der Frau, wenn das erste Kind kommt. Sie bleibt zu Hause oder vielleicht in Teilzeit und da setzt das Ehegattensplitting wegen der unterschiedlichen Bezahlung ein. Zur Last oder gar zur Falle wird das, wenn die Ehe auseinandergeht oder die Frau später von ihren Rentenbezügen leben muss. Grundsätzlich werden in einer Ehe erworbene Rentenansprüche im Scheidungsfall aufgeteilt. Ob einem der Ehepartner im Scheidungsfall Armut droht, hängt von vielen Umständen ab, zum Beispiel vom Güterstand der Ehe, von den Regeln eines geschlossenen Ehevertrages etc. Hier informiert die R+V Versicherung über Versorgungsausgleich, Unterhalt und Vermögensauseinandersetzung im Scheidungsfall. Altersarmut in Deutschland ist ein Frauenthema. In skandinavischen Ländern ist das anders: Dort gibt es in der Politik eine Individualförderung. Es werden Anreize geschaffen, dass Männer und Frauen gleichermaßen berufstätig sein können und sollen.

 

Die Diskussionen sind leider nur für Mitglieder verfügbar.

Werde jetzt Mitglied!

Als Mitglied erhältst du deine tägliche Dosis neuer Perspektiven:
Statt Nachrichtenflut ein Beitrag pro Tag - verständlich, zukunftsorientiert, werbefrei!



Du bist bereits Mitglied? Dann melde dich hier an.

Du willst mehr lesen?

Jetzt Mitglied werden ›