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Diese 7 Gründe machen uns Hoffnung für die Menschheit

Ja, wir stehen vor vielen Problemen. Doch diese Menschen (und Tiere) machen vor, wie wir die Hoffnung zurückgewinnen können.

30. Juni 2017  10 Minuten

Befindet sich unsere Spezies auf einer Schlitterpartie, ungebremst den Abhang hinunter? Angesichts der Hier beschreiben Maren Urner und Felix Austen, wie der Notstand aussieht, wenn wir nicht einlenken großen Herausforderungen wie Klimawandel, wachsender Ungleichheit und Migration mag es uns tatsächlich so vorkommen. »Das Reden über Probleme schafft Probleme, das Reden über Lösungen schafft Lösungen.« – Steve de Shazer, Psychotherapeut Eigentlich ist die Menschheit aber eine Erfolgsgeschichte. Sie erklettert jeden Tag neue Höhen Warum einige Mitmenschen den Ignoranz-Gipfel erklimmen, erklären Maren Urner und Han Langeslag hier (und wir meinen damit nicht den Ignoranz-Gipfel.)

Gerade bei Problemen, bei denen die Menschheit selbst Mist gebaut hat, entwickelt sie auch immer wieder Lösungen. Um das zu erkennen, brauchen wir manchmal neue Perspektiven. Denn wie wir ein Thema betrachten, beeinflusst stark das Bild, Genau dies ist Kernthema in unserem Konstruktiven Journalismus, den David Ehl und Maren Urner hier beschreiben das wir uns davon machen.

Also: Wie sicher bist du dir, dass es hinunter und nicht bergauf geht? Wage einen Perspektivenwechsel.

Maren Urner: Ist helfen menschlich?

Wie wenig vonnöten ist, damit uns die anderen egal sind, beschreiben Han Langeslag und Maren Urner hier Angesichts von Bildern zurückgelassener Unfallopfer oder ertrinkender Menschen fällt es nicht immer leicht, uns Menschen als hilfsbereite Wesen zu sehen. Gibt es überhaupt so etwas wie bedingungslose Hilfsbereitschaft? Eine Frage, die unter Wissenschaftlern und Philosophen heiß diskutiert wird. Ist Helfen »bedingungslos«, wenn du danach ein höheres Ansehen genießt oder dich einfach besser fühlst? Um das herauszufinden, arbeiten Wissenschaftler weltweit seit einigen Jahren mit Kleinkindern zusammen und stellen immer wieder fest: Wir werden hilfsbereit geboren. Um Hilfsbereitschaft auf diesem Weg zu erforschen, müssen die jungen Versuchspersonen das Konzept von Zielen verstanden haben: Nur wenn sie verstehen, dass der Versuchsleiter den Kugelschreiber wiederhaben will, können sie ihm dabei helfen.

Bereits im Alter von 14 Monaten heben die kleinen Menschen spontan und Studie zur Hilfsbereitschaft von 14 Monate alten Kleinkindern (englisch, 2007) ungefragt den Kugelschreiber oder die Wäscheklammer auf, die dem Versuchsleiter »aus Versehen« heruntergefallen ist. Dafür ist ihnen kaum ein Weg zu steinig, denn sie helfen auch, wenn sie dafür Hindernisse überwinden müssen oder gerade in der anderen Ecke des Raumes mit Spielzeugen beschäftigt sind.

»Das machen sie doch sicher nicht, ohne selbst etwas davon zu haben, oder?« mag der Skeptiker einwerfen. Doch! Sogar das Gegenteil ist der Fall: Erhalten die Nachwuchsmenschen In dieser Studie waren die Versuchsteilnehmer 20 Monate alt. Materielle Belohnungen senken die Hilfsbereitschaft von Kleinkindern (englisch, 2008) eine materielle Belohnung, sinkt ihre Hilfsbereitschaft.

Die spannende Frage ist also: Warum sind wir hilfsbereit? Das beschäftigt Biologen und Psychologen auf der ganzen Welt Zum Beispiel unterscheidet sich die Hilfsbereitschaft in unterschiedlichen Städten sehr stark: Während in Rio de Janeiro in Brasilien 93% einem Fremden helfen, sind es in Kuala Lampur in Malaysia gerade mal 40%. (englisch, 2001) Eine Übersicht über das Zusammenspiel von genetischen und kulturellen Faktoren findest du in dieser Meta-Studie (englisch, 2003). gleichermaßen. Denn auch wenn altruistisches Verhalten gegenüber der eigenen Sippe Im Englischen gibt es dafür das schöne Wort »kin«, das mehr als die Familie einschließt. »Next of kin« ist zum Beispiel der nächste Angehörige. stärker ist als gegenüber Fremden, ist Hier ein paar interessante Fälle von tierischem Altruismus (englisch, 2016) die Reichweite des menschlichen Altruismus im Vergleich zu allen anderen Spezies einmalig.

Die Kleinkinder, die den Kugelschreiber aufheben, kennen das Prinzip der Gegenseitigkeit – »Du hilfst mir, ich helfe dir!« – noch nicht. Und auch wenn wir mittlerweile wissen, dass altruistisches Verhalten Diese Studie liefert biologische Erklärungen für die Evolution von Kooperation (englisch, 2007) Überlebensvorteile für die eigene Gruppe oder Gesellschaft mit sich bringt, haben wir Dieses Modell soll zeigen, wie die Evolution Kooperation ermöglicht hat (englisch, 2017) aktuell (fast) keine andere Erklärung außer dem Gedanken: Vielleicht werden wir alle als kleiner Helfer geboren. Verrückt, oder?

Juliane Metzker: Bienen gegen Minen

Da die genaue Anzahl von eingesetzten Landminen nicht bekannt ist, variieren die Schätzungen (englisch, 1999) 70–110 Millionen Landminen sollen seit dem Zweiten Weltkrieg weltweit verlegt worden sein. Deshalb trat am 1. März 1999 der völkerrechtliche Vertrag, die sogenannte Hier kannst du nachlesen, wie die »Ottawa-Konvention« entstand »Ottawa-Konvention«, in Kraft, die Einsatz, Lagerung, Herstellung und Weitergabe von Antipersonenminen verbietet. Durch großangelegte Vernichtungskampagnen sank bis Der »Landmine Monitor« dokumentiert Minenopfer und das Vorgehen der Länder gegen die versteckten Landminen (englisch, 2015) zum Jahr 2014 die Zahl der Minenopfer um 60%. Der sogenannte Islamische Staat lässt Minen extra in Häusern zurück, um zurückkehrende Familien zu töten (englisch) Doch im Syrienkrieg sind Landminen wieder stark im Kommen.

Mehr und mehr Menschen wollen dieses Problem lösen, das die Menschheit selbst verursacht hat: Weil in seinem Heimatland Afghanistan immer noch über 10 Millionen Minen vergraben liegen, entwickelte der Designer Massoud Hassani den Hier kannst du den »Minenball« in Aktion sehen (englisch) »Minenball«. Der Ball, der aussieht, als hätte man 100 Saugglocken aneinandergebunden, ist so schwer, dass Antipersonenminen explodieren, wenn er darüber rollt. Der Ball verliert durch eine gewöhnliche Landmine nur ein paar seiner Beine und kann so 3–4 Landminen bei einem Durchgang auslösen. Dann sind Reparaturen nötig.

Die Methoden der Minenortung werden immer kreativer und bauen meist auf tierische oder pflanzliche Helfer. Die belgische Organisation »Apopo« züchtet die Sprengstoffraten für den weltweiten Einsatz (2013) Ratten werden bereits als Sprengstoffschnüffler eingesetzt. Doch trotz ihres geringen Gewichts können auch die kleinen Nager die Sprengung auslösen. Deshalb setzen Nach dem verheerenden Hochwasser im Balkan sollten bis zu 30.000 Bienen nach Landminen suchen (2014) Forscher in Kroatien Das Studienpaper der Universität von Montana fasst die Vor- und Nachteile der Bienen im Einsatz gegen Landminen zusammen (englisch, 2001) wie ihre amerikanischen Kollegen ein paar Jahre zuvor große Hoffnungen in die Honigbiene.

Die Bienen werden mit mit TNT versetztem Zuckerwasser gefüttert und sollen so vermintes Gelände ausmachen. Noch bessere Detektoren sollen aber fluoreszierende Bakterien sein, die bei Kontakt mit Sprengstoff reagieren. Hier findest du mehr Informationen zu dieser noch relativ jungen Technik der Minenortung An der »Hebrew University« in Jerusalem wird diese Technik zurzeit getestet.

David Ehl: Schüler gegen Abschiebungen

»Die Jugend von heute …« Wenn ein Satz so beginnt, geht er häufig mit Vorwürfen weiter: Die Jugend interessiere sich vor allem dafür, wie viele Likes das Selfie auf Übrigens: Auch Perspective Daily ist jetzt bei Instagram Instagram bekommt. Die »Generation Z« Seltener: »Generation Zero«, die als Nachfolgegeneration der Generation Y gilt. Also Menschen, die ungefähr in den Jahren 1995–2010 zur Welt gekommen sind. Dabei verwenden verschiedene Betrachter unterschiedliche Jahreszahlen. sei egozentrisch, oberflächlich und total desinteressiert, wenn es um Politik geht.

Das stimmt so pauschal natürlich nicht: In der Generation Z gibt es Der mittlerweile 19-jährige Felix Finkbeiner gründete im Jahr 2007 »Plant for the Planet« und will eine Milliarde Bäume pflanzen flammende Aktivisten, Ich habe zum Beispiel den 21-jährigen FDP-Landtagskandidaten Léon Beck porträtiert engagierte Politiker und kreative Künstler. Viele weitere Jugendliche werden zu leidenschaftlichen Kämpfern für Werte und Ideale, wenn ihr Wer oder was die »In-Group« ist, erklären Maren Urner und Han Langeslag hier direktes Umfeld bedroht wird – etwa wenn ihre Klassenkameraden abgeschoben werden sollen.

  • Leipzig, Februar 2017: Der 18-jährige Gymnasiast Luan Zejneli soll in den Kosovo abgeschoben werden. Einer seiner Klassenkameraden setzt Interview der Leipziger Volkszeitung mit Benjamin Heinsohn, dem Initiator der Petition (2017) die Online-Petition »Luan soll bleiben« auf und sammelt knapp 6.500 Unterschriften in 3 Wochen, Die Petition »Luan soll bleiben« bei Petitionen24 um das zu verhindern. Der Fall beschäftigt die Stadt und das Internet. Genauer gesagt: Besonders viel Aufmerksamkeit erhält ein Posting der Schüler Union Leipzig, in dem ein 17-Jähriger mit zurückgegelten Haaren, Krawatte und Sakko zufrieden unter seiner Aussage grinst: »Der Asylantrag wurde rechtsstaatlich geprüft und abgelehnt. Luans Eltern halten sich illegal in Deutschland auf.« Im Mai entscheidet die Härtefallkommission: Tag 24 über die Entscheidung im Fall Luan (2017) Luan Zejneli darf bleiben.

  • Nürnberg, Mai 2017: Als der 20-jährige Asef N. Warum Afghanen nicht mit Sicherheit abgeschoben werden können, erklärt Gastautor Emran Feroz hier direkt von seiner Berufsschule aus nach Afghanistan abgeschoben werden soll, machen 300 seiner Mitschüler mobil. Es kommt zu Tumulten, Sie versuchen, dem Polizeiauto mit einer Sitzblockade den Weg zu versperren. Irgendwann kommen Steine und Flaschen auf der einen und Pfefferspray und Schlagstöcke auf der anderen Seite zum Einsatz.

    Dass es an diesem Tag nicht bei einer legitimen gewaltfreien Demonstration bleibt, hängt auch damit zusammen, dass Stunden zuvor in Kabul ein verheerender Bombenanschlag mehr als 150 Menschen getötet hatte und die Gefahren im von der Bundesregierung für sicher erklärten Afghanistan deutlich machte.

    Wohl auch auf diesen öffentlichen Druck hin, setzte die Bundesregierung bis auf Weiteres die Abschiebungen größtenteils aus – in dieser Woche wurde auch ein Sammelflug für Sonderfälle (straffällig gewordene und nicht identifizierbare Afghanen) verschoben, weil die beim Anschlag beschädigte deutsche Botschaft in Kabul noch nicht wieder bereit ist, die Abschiebung logistisch zu unterstützen.
    »Spiegel Online« und AFP über die Tumulte in Nürnberg (2017) die mehrere Stunden andauern. Die Süddeutsche Zeitung über die geplatzte Abschiebung des Nürnberger Schülers (2017) Wegen des am selben Tag beschlossenen Abschiebestopps ist seine Ausweisung erst einmal vom Tisch.

  • Duisburg, Juni 2017: Die in Deutschland geborene 15-jährige Bivsi Rana wird mit ihrer Familie überraschend nach Nepal abgeschoben. Ihr Vater hatte bei der Einreise im Jahr 1998 aus Angst vor Verfolgung einen falschen Namen verwendet. In dem Himalaya-Staat zwischen China und Indien bekämpften sich in den Jahren 1996–2006 Maoisten und Hindi in einem blutigen Bürgerkrieg. Ihre Mitschüler organisieren Demonstrationen und bekommen viel mediale Aufmerksamkeit, um sie zurückzuholen. Vergangene Woche sprach die Schülersprecherin vor dem Die WAZ über den Fall Bivsi, der nun den Landtag beschäftigt (2017) Petitionsausschuss des Landtags.

Diese Liste ließe sich beliebig verlängern, schließlich kommt es immer wieder zu Abschiebungen von Schülern. Wie viele es genau sind, ist unklar – laut Innenministerium führt der deutsche Staat darüber keine Statistik. Die einzigen Zahlen, die die Bundespolizei in diesem Zusammenhang führt, sind die über sogenannte »Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge« (UMF): 2016 wurden insgesamt knapp 8.500 UMF erfasst, von denen kein einziger in sein Herkunftsland abgeschoben wurde. Die überwiegende Mehrzahl (knapp 7.800) wurde den Jugendämtern übergeben, zusammen knapp 650 wurden an andere EU-Länder zurückgewiesen oder -geschoben. Diese Daten gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken hervor. Vielleicht lässt sich die Zahl der Abschiebungen Minderjähriger einfacher ermitteln, indem man nach den Aktionen der Schüler sucht, die das verhindern wollen.

Dirk Walbrühl: Die soziale Seite des sozialen Internets

Ist das Internet ein unsozialer Ort? Das könnte man zumindest bei einem oberflächlichen Blick in Onlineforen, Kommentarspalten oder soziale Medien meinen. Wo Menschen digital zusammenkommen, gedeihen scheinbar Missverständnisse, Trolling, Der Begriff war der Anglizismus des Jahres 2014. Er bezeichnet Sprachhandlungen im Internet, die nur darauf abzielen, emotionale Reaktionen zu erzeugen, meist durch die bewusste Provokation eines Gesprächsteilnehmers. Manche Netztrolle betrachten ihre Handlungen als Leistung zur Förderung eines kritischeren Denkens – doch der negative emotionale Effekt auf ihre »Opfer« bleibt derselbe. Shitstorms Das meint das lawinenartig auftretende Aufkommen von negativer Kritik und Entrüstung gegen eine Person oder ein Unternehmen bei sozialen Medien. Von einem »Shitstorm« ist die Rede, wenn dies eine Eigendynamik entwickelt und die Aussagen vom ursprünglichen Anlass wegführen. Dabei treten häufig auch beleidigende Äußerungen, Drohungen und Hassrede auf. und Hassrede. Doch so einfach ist es nicht.

Wir nehmen das Internet auch deshalb negativ wahr, weil in der Digitalen Welt die lauteste Meinung Häufig gespickt mit Schimpfwörtern und Ausrufezeichen!!! die meiste Aufmerksamkeit bekommt. Die eher schweigende Mehrheit Hier schreibt der Blogger Noah Smith über das Phänomen der »Shouting Class« (englisch, 2017) mit differenzierten Positionen wird übertönt. Wenn sich diese zu Wort meldet, kann etwas sehr Hoffnungsvolles entstehen:

  • Fundraising: Im Sommer 2014 übergossen sich Millionen Menschen mit eiskaltem Wasser und filmten sich dabei. Ein Hype? Na klar, doch für einen guten Zweck: Die »Ice Bucket Challenge« sensibilisierte für die seltene Nervenkrankheit ALS ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) ist eine nicht heilbare Erkrankung des Nervensystems. Der fortschreitende Verlust von Nervenzellen führt zu Bewegungsstörungen. Die häufigsten Symptome sind Lähmung, Muskelschwäche und Muskelschwund. Der wohl bekannteste Patient ist der Physiker Stephen Hawkings, der im Alter von 21 die Diagnose erhielt und eine Lebenserwartung von 2 Jahren bestätigt bekam. Am 8. Januar 2017 feierte er seinen 75. Geburtstag. und sammelte insgesamt bis Ende August des Jahres 94 Millionen US-Dollar (ca. 82 Millionen Euro) an Spenden. Die Spenden gingen an die ALS-Foundation, die damit Forschung an einem Medikament fördert. Zum Vergleich: Im Vorjahr 2013 sammelte die ALS-Foundation nur 2,7 Millionen US-Dollar und verzeichnete 2014 durch die »Ice Bucket Challenge« 2,1 Millionen Neuspender.. Auch wenn diese Summe nur einen Teil der Forschungsgelder auf dem Gebiet ausmacht, nicht direkt zu einem Medikament führen dürfte und viele Teilnehmer der Challenge (vor allem Prominente) den Bezug zu ALS nicht verstanden oder nicht spendeten, bleibt die Aktion ein großer Erfolg. Die Spendenbereitschaft hilft auch Einzelfällen: Im Jahr 2015 sammelte die Aktion #einBuchfuerKai Spenden Im Sommer 2015 sammelte diese Aktion Spenden für den schwer erkrankten Schriftsteller Kai-Eric Fitzner für den schwer erkrankten Schriftsteller Kai-Eric Fitzner.

  • Gesellschaftliche Impulse: Am Abend der Terroranschläge in Brüssel 2016 Am 22. März 2016 verübten 2 Selbstmordattentäter am Flughafen Brüssel-Zaventem (Provinz Flämisch-Brabant in Flandern) sowie ein weiterer in der Brüsseler Innenstadt (Region Brüssel-Hauptstadt) koordinierte Anschläge. eroberte das Hashtag #AufDieLiebe das deutsche Netz. Die Initiatorin Kathrin Weißling ist Social-Media-Redakteurin bei »Spiegel Online«, hatte aber nicht mit solchen Reaktionen auf ihren Hashtag gerechnet. Es verlieh einem Meedia skizzierte das Hashtag als »Gefühlvolle Antwort auf den Terror« (2016) Gefühl von Solidarität gegen den Terror Ausdruck, das sich nicht in den vorherrschenden Negativschlagzeilen wiederfand. Als Aktion fotografierten sich am Abend der Anschläge zahllose Nutzer unter dem Hashtag beim Prost mit Glas und teilten die Bilder. Dieses Symbol für eine Gesellschaft, die sich nicht einschüchtern lässt, verdrängte sogar den konkurrierenden Hashtag #StopIslam. Damit steht #AufdieLiebe als Beispiel für ähnliche Toleranz-Hashtags wie #Jesuischarlie. Natürlich lassen sich Hashtag-Erfolge und viral verbreitende Symbolgesten nicht vorherberechnen; doch sie verdeutlichen einen breit in der Bevölkerung getragenen Widerstand gegen Populismus und Fremdenfeindlichkeit. Nicht ohne Grund kritisieren vor allem rechtspopulistische Politiker solche Solidaritätsbekundungen. In den USA wurde #Blacklivesmatter Das Hashtag begann im Jahr 2013 in sozialen Medien als Reaktion auf den Freispruch des Nachbarschaftswachmanns George Zimmermann, der im Jahr zuvor den afroamerikanischen Highschool-Schüler Trayvon Martin erschossen hatte. Es begleitete eine landesweite Rassismusdiskussion, die bis heute nicht abgeschlossen ist. seit dem Jahr 2013 gar zum Slogan einer Bewegung gegen Rassismus.

  • Clicktivism: Der Begriff »Clicktivism« bezeichnet die digitale Form der politischen Meinungsäußerung und Teilhabe per Petition. Auf Kampagnenplattformen wie Change.org versammeln sich Millionen Menschen zum politischen Protest und unterschreiben Change.org stellt erfolgreiche Petitionen vor (2017) Petitionen, die etwas bewirken: Nach 57.000 Unterzeichnern ließ etwa Hamburg die gestellten Strafanzeigen gegen Pfandflaschensammler fallen.

Immer mehr Menschen zeigen online, was wir gemeinsam mit dem Internet erreichen können – doch die sehen wir nur, wenn wir genauer hinschauen.

Katharina Wiegmann: Schnelle Nachbarschaftshilfe für alle

Während Deutschland gerade nachholt, Übersicht (und Weltkarte) über die Länder, in denen die gleichgeschlechtliche Ehe bereits gilt (englisch) was in einigen Ländern schon Alltag ist, gibt es in vielen Teilen der Welt noch keine Ehe für alle. In der Teilrepublik Tschetschenien Tschetschenien gehört zu Russland, hat aber den Status einer autonomen Teilrepublik. Seit dem Zerfall der Sowjetunion kämpfen die russische Regierung, tschetschenische Nationalisten und Islamisten um die Vormachtstellung in der kleinen Republik, die gerade einmal 1,2 Millionen Einwohner hat. Oberhaupt Ramsan Kadyrow reagiert seit dem Jahr 2016 autokratisch, gibt sich loyal gegenüber Putin und setzt den Frieden mit eiserner Hand durch: Aktivisten, Journalisten und NGOs berichten immer wieder von Folterkellern, Morden und Menschen, die einfach verschwinden. zum Beispiel werden Ein Interview mit der Journalistin Elena Milashina gibt es bei Dazed (englisch, 2017) Homosexuelle systematisch verfolgt, inhaftiert und gefoltert.

Hier schreibt Gastautorin Veronika Prokhorova darüber, was eigentlich in Tschetschenien los ist Geflüchtete Tschetschenen dürfen sich nur wenig Hoffnung auf Asyl in EU-Ländern machen. Es herrscht schließlich kein Krieg. Dass Homosexuelle zu denen gehören, die sich in der Kaukasusrepublik dennoch nicht sicher fühlen können, zeigt ein Report von Human Rights Watch (englisch, 2017) Report von Human Rights Watch mit alarmierenden Details.

Im Streit um Quotenregelungen für Geflüchtete gehen Einzelschicksale oft unter. Fast könnte man vergessen, dass hinter den Zahlen, um die zwischen den EU-Mitgliedern so erbittert gestritten wird, immer Menschen stecken. Und selbst wenn diesen Menschen die Flucht in ein sicheres Land gelingt – Paragraphen und Bürokratie sorgen oft für quälende Ungewissheit auf unbestimmte Zeit.

Umso schöner, dass es für einige Männer nun doch ganz schnell ging. Am 29. Mai Hier geht’s zu einem Bericht im französischen Fernsehen (französisch) meldete die französische Organisation SOS Homophobie, dass der erste aufgrund seiner Sexualität verfolgte Tschetschene in Frankreich angekommen ist. Zuvor hatte schon Litauen spontan humanitäre Visa für 2 Homosexuelle ausgestellt, Deutschland zog wenig später nach: Hier fasst der Tagesspiegel die Chronologie der Ereignisse zusammen (2017) Am 6. Juni konnte ein Tschetschene aus seiner Heimat ausreisen.

Was bedeutet die Rettung dieser doch sehr kleinen Gruppe von Männern angesichts der großen Anzahl von Menschen, die weltweit auf der Flucht sind? Sie ist ein wichtiges Symbol, das Hoffnung macht: Wenn der Wille da ist, kann Hilfe ganz schnell gehen. Manchmal brauchen wir Einzelfälle, um zu zeigen, was geht. Zu zeigen was geht haben wir uns auch als Perspective Daily auf die Fahnen geschrieben.

Han Langeslag: Die Zahl des Tages lautet 130.000 – jeden Tag!

Niemals zuvor hat sich der Wohlstand der Menschen weltweit so schnell verbessert, wie in den letzten Jahrzehnten: Aktuell verringert sich die Anzahl der Menschen, die in extremer Armut Laut Definition der Weltbank sind damit Menschen gemeint, die von weniger als 1,90 Dollar pro Tag leben (gemessen entweder am Einkommen oder am Konsum). Dieser Wert ist also eine extreme Untergrenze. leben, jeden Tag um mehr als 130.000; Basierend auf Daten der Weltbank haben dies Max Roser und Ortiz-Ospina berechnet (englisch, 1990–2015) ein Teil davon entkommt der Armut, ein Teil wird gar nicht erst in Armut geboren.

Dieses »weltweite Wirtschaftswunder« wird durch viele Faktoren ermöglicht, zum Beispiel:

Der Kampf gegen die Armut wird vor allem in China und Indien gewonnen. Nicht umsonst sind wahrscheinlich die meisten Produkte, die gerade vor und neben dir liegen, »Made in China«. Die schnell wachsende Wirtschaft in den beiden bevölkerungsreichsten Ländern der Erde verringert auch die Armut. Allein in den Jahren 1990–2013 ist in China die Anzahl der extrem Armen Diese Daten stammen von der Weltbank (englisch, 2017) von mehr als 750 Millionen auf 25 Millionen gesunken.

Die rasante Entwicklung der letzten Jahre hat gleichzeitig aber zu einer erhöhten Ungleichheit geführt. Vor allem einige afrikanische Länder wie Malawi fallen zurück – Hier schreibt Peter Dörrie darüber, wie wir unsere Hilfsgelder zurückholen können und das trotz Jahrzehnten Entwicklungshilfe. Außerdem leben noch immer über 700 Millionen Menschen in extremer Armut, und es gibt viel Armut im nicht-extremen Bereich. Neben der Definition von extremer Armut der Weltbank (1,90 Dollar pro Tag), gibt es weitere Berechnungen für unterschiedliche Armutsgrenzen. Auch wenn nicht alle Gruppen so schnell schrumpfen wie die der extremen Armut, ist der Trend bei allen der gleiche: Die absolute Anzahl der Menschen in Armut sinkt.

Der unglaubliche Anstieg an Wohlstand weltweit stellt uns also vor die neue Herausforderung, diesen mit den zunehmend Hier schreibt Felix Austen, wie wir das Beste aus unserer Erde rausholen spürbaren Grenzen der Ressourcen zu vereinen. Nur so können wir alle dauerhaft ein gutes Leben führen.

Felix Austen: Auf ein Bier mit dem Neandertaler

»Es gibt Hoffnung für die Menschheit!« Aber was heißt das eigentlich, Menschheit?

Der Homo sapiens teilte sich noch bis vor gerade mal 10.000 Jahren die Erde mit mindestens einer anderen Menschenart Heute sind 7 Menschenarten bekannt – wie viele weitere wohl noch in unbekannten Höhlen liegen, ohne dass wir von ihnen wissen? – so wie in unseren Gärten heute Spatzen, Amseln, Tauben und Finken um den besten Platz am Vogelbad streiten. Der israelische Schriftsteller Yuval Noah Harari Der Historiker zeichnet in »Eine kurze Geschichte der Menschheit« unseren Weg vom Affen bis heute nach. Dabei geht es keinesfalls nur um die Steinzeit, sondern auch darum, warum wir sesshaft geworden sind, wie der Glaube an Götter und die Wissenschaft uns beeinflusst hat und warum wir heute so viel mehr arbeiten müssen als noch unsere Vorfahren. erinnert in seinem Buch Hier geht es zum Buch »Eine kurze Geschicht der Menschheit« Eine kurze Geschichte der Menschheit daran, dass wir als Menschheit erst verhältnismäßig kurz unter uns sind.

Mit dabei waren zum Beispiel der kleinwüchsige, auch »Hobbit« genannte, Homo floresiensis – Größe: 1 Meter, Gewicht: 25 Kilogramm –, der auf der indonesischen Insel Flores auf Speerjagd ging, der fleißig Werkzeuge bastelnde Homo ergaster auf dem afrikanischen Kontinent oder der bekannte und kräftige Neandertaler im Europa der Eiszeit, bestens angepasst an frostiges Klima und für Kämpfe mit Mammuts und Säbelzahntigern ausgerüstet.

Unklar ist bis heute, warum die anderen Menschenarten ausgestorben sind: Haben wir sie ausgerottet? Oder sind wir mit ihnen verschmolzen? Wahrscheinlich ein wenig von beidem, immerhin stammen rund 4% unserer Gene vom Neandertaler. Außerdem stammen rund 6% unserer Gene vom »Homo denisova«.

Sich klarzumachen, dass wir nicht die einzige Menschenspezies auf dem Planeten waren, erlaubt interessante Gedankenspiele: Wie sähe die Welt wohl aus, wenn es bis heute 3 Menschenarten gäbe? Würden wir den Neandertaler für Arzneitests einspannen? Würden sie in Slums eingepfercht vor unseren Großstädten leben? Oder wären die Unterschiede kein Thema und wir würden in der Kneipe mit ihnen Karten spielen?

Klar ist: Von der Menschheit insgesamt Das bezieht sich natürlich nicht auf die Anzahl der Menschen – im Vergleich zu heute gut 7 Milliarden Menschen gehörten damals jeder Art wenige Millionen an –, sondern auf die biologische Vielfalt in Form von Genen, Arten und Erscheinungsformen. ist der größte Teil für immer ausgestorben. Was aber Hoffnung gibt: Unsere Art, der Homo sapiens, ist die bisher erfolgreichste Menschenart überhaupt. Vermasseln wir diese Erfolgsgeschichte nicht.

Mit Illustrationen von Luzie Bayreuther für Perspective Daily

von PD Team 

Uns ist wichtig, in der Redaktion gemeinsam zu arbeiten: In der Regel bespricht jeder Autor seine Texte in verschiedenen Stadien mit 3-4 anderen Autoren. Es gibt aber auch Texte, die in einer noch engeren Zusammenarbeit entstehen, oder mit denen wir uns als Redaktion geschlossen positionieren wollen. Diese Texte stehen dann für das ganze Team von Perspective Daily.

Themen:  Gesellschaft   Aktivismus  

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