Katharina Wiegmann / Kommentar

Ehe für niemanden!

3. Juli 2017

Der Bundestag hat die Ehe für alle beschlossen. Warum hat er sie nicht gleich abgeschafft?

So sieht es also aus, wenn gesellschaftlicher Fortschritt gemacht wird: Plenum und Zuschauertribüne im Bundestag Bundestagssitzungen kannst du auch per Videostream zu Hause vor dem Bildschirm mitverfolgen. sind fast komplett gefüllt – für einen Freitagmorgen eher ungewöhnlich. Mitarbeiter der Grünen-, Linken- und SPD-Fraktion haben die Konfettikanonen schon im Anschlag. Dass die Frage, über die hier in wenigen Minuten abgestimmt wird, eigentlich schon beschlossene Sache ist, daran zweifelt keiner der Anwesenden mehr ernsthaft.

Eine Abgeordnete tritt ans Rednerpult: »Der Staat hat nicht das Recht, ein Lebensmodell gegenüber dem anderen zu bevorzugen. Ich freue mich, heute hier zu sein. Heute schaffen wir die Ehe ab! Ein historischer Moment!« Sie wartet einen Moment, bis der Applaus aus dem Plenum abgeebbt ist. »Ab jetzt werden wir alles dafür tun, um denjenigen mehr Anerkennung und Unterstützung zukommen zu lassen, die diese am dringendsten benötigen: Familien mit Kindern, alleinerziehende Mütter und Väter. Ein Ring am Finger sollte im 21. Jahrhundert kein Garant für bevorzugte Behandlung mehr sein!«

Das Aus für die Ehe in Deutschland? Zugegeben, ein solches Szenario ist in den nächsten Jahrzehnten kaum vorstellbar. Die Ehe ist nach wie vor unantastbar.

Obwohl die Deutschen bereits in einer Vielfalt von Lebensentwürfen und Beziehungskonstellationen leben, ist die Ehe immer noch die in der Gesellschaft am meisten akzeptierte Form des Zusammenlebens. Sie verspricht Sicherheit auf vielen Ebenen. Nun ist die Ehe für alle beschlossene Sache. Am 30. Juni 2017 stimmte der Bundestag für ein Gesetz, das es auch Schwulen und Lesben erlaubt zu heiraten. Aber ist das wirklich der richtige Weg?

Titelbild: Pexels - CC0

 

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