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Die Amazonisierung des Einzelhandels (und was er dagegen tun kann)

Allein in Deutschland könnten Zehntausende neue Jobs entstehen, wenn Amazon, Otto und Zalando Gegenwind bekommen. Den liefern kreative Einzelhändler.

9. August 2017  11 Minuten

Wir könnten in Deutschland 70.000 Jobs aus dem Nichts schaffen. Katharina Wiegmann über die Vorteile von Gewerkschaften Gute Jobs mit fairem Tariflohn, direkt in unseren Städten und Dörfern, wo dann ganz automatisch auch Kaufkraft und Wohlstand steigen würden. Alles, was wir dafür tun müssten, ist, die 3 größten Versandhändler Amazon, Otto und Zalando zu meiden und stattdessen beim lokalen Einzelhändler vor Ort einzukaufen. Diese Rechnung soll vor allem die Größenordnung verdeutlichen, in der unsere täglichen Konsum-Entscheidungen Einfluss auf den Arbeitsmarkt haben.

Im Jahr 2016 erwirtschaftete Amazon einen Umsatz von 13,3 Milliarden Euro (Quelle: Börsenblatt), Otto 12,5 Milliarden Euro (Quelle: Otto GmbH), bei Zalando waren es 1,8 Milliarden Euro (inklusive Österreich und Schweiz, Quelle: Zalando SE). Das ergibt für alle 3 zusammen etwa 27,6 Milliarden Euro.

Würden Kunden dieses Geld stattdessen in den Läden ihrer Stadt ausgeben, könnten daraus neue Jobs entstehen. Nach Rücksprache mit dem Institut für Handelsforschung habe ich großzügig mit 20% Personalkosten-Anteil kalkuliert; so bleiben 5,5 Milliarden für Arbeitskosten.

Laut Statistischem Bundesamt kostete im Jahr 2016 eine Arbeitsstunde im Einzelhandel durchschnittlich 27,10 Euro. Bei einer 39-Stunden-Woche (auch das ist großzügig gerechnet, laut Verdi liegt die tariflich vereinbarte Wochen-Arbeitszeit in den meisten Bundesländern bei 37,5 oder 38 Stunden) kommen wir so auf gut 100.500 Jobs.

Ziehen wir die etwa 30.500 Menschen ab, die Amazon (14.500), Otto (4.500) und Zalando (11.500, Quellen s.o.) Ende 2016 beschäftigten, kommen wir auf die genannten 70.000 neuen Jobs.

Mit Illustrationen von Adrian Szymanski für Perspective Daily

von David Ehl 

Wenn Zugvögel im Schwarm fliegen, beeinflusst jedes einzelne Tier die Richtung aller - das hat David bei einer Recherche gelernt. Sonst berichtet er eher über Menschen, stellt sich dabei aber eine ganz ähnliche Frage: Welche Rolle spielt der einzelne Wähler und Verbraucher, welchen Einfluss hat jeder von uns auf die Gesellschaft? David recherchiert gerne unterwegs, studiert hat er Musikmanagement, Englisch und Journalismus.

Themen:  Internet   Gesellschaft   Konsum  

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