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Darum installieren Städte jetzt Adblocker

Jeden Tag buhlen unzählige Werbeplakate um unsere Blicke. Ihre Botschaften setzen sich in unseren Köpfen fest – zu welchem Preis?

16. August 2017  6 Minuten

Stelle dir vor, du leidest unter einer seltenen neurologischen Krankheit: Du kannst Bilder nicht so sehen wie andere Menschen. Stattdessen übersetzen deine Hirnzellen Neben den Hirnzellen, allen voran die Neuronen, sind bei der Verarbeitung von Sinneseindrücken auch die Verbindungen zwischen den einzelnen Zellen, die Synapsen, wichtig. jeden optischen Eindruck direkt in die unterschwellige Nachricht, die vermittelt werden soll.

Du läufst durch die Stadt, vorbei an Bier- und Zigarettenwerbung und sich räkelnden Bikini-Girls im Großformat. Neben dir hält der Fußballstar das neueste Smartphone in den Händen, der ehemalige Leichtathlet lenkt den schweren Geländewagen durch die Savanne und du gehst vorbei unter Angela Merkels mildem, aber wachsamen Auge auf dem Wahlplakat. Was würdest du statt der vielen bunten Bilder sehen?

Nur Worte: »Gehöre dazu!« »Vermehre dich!« »Gehorche!« »Arbeite!« »Schaue fern!« »Fahre Auto!« Der häufigste Appell aber: »Kaufe und konsumiere!« Bekannt ist diese Szene vor allem aus dem Film »They Live« von John Carpenter. Darin findet ein Bauarbeiter eine magische Sonnenbrille, die die wahren Botschaften hinter der Werbung aufdeckt.

Unsere Städte sind voller Werbung für Produkte, Dienstleistungen, Ideen und Menschen, die wir kaufen, gut finden, übernehmen und wählen sollen. Auf die ein oder andere Art soll uns das zu besseren Menschen machen. Was wir ebenfalls wissen, aber nicht Teil der Botschaft ist: Es soll vor allem auch das Leben der Werbenden, der Aktionäre und Wahlleute verbessern, wenn die Umsätze steigen und die Wahl gewonnen wird. Die große Macht der Plakate: Sie erreichen jeden. Anders als im Fernsehen oder im Internet gibt es kein Abschalten und keinen Adblocker. Wer in der Stadt lebt, konsumiert Außenwerbung – es gibt kein Entkommen.