Können wir Armut nicht einfach abschaffen?

Bei Armutsbekämpfung denken wir eigentlich an eine geschenkte Ziege, Care-Pakete oder neue Schulen. Aber was würde passieren, wenn wir armen Menschen einfach Geld geben, damit sie nicht mehr arm sind? Eine Utopie? Nicht in Kenia.

Reportage - 28. August 2017  10 Minuten

Makanga Tatsächlich heißt das Dorf anders. Ich habe den Namen auf Wunsch des Forschungsteams geändert. ist ein Dorf wie viele in Kenia. Es gibt keinen richtigen Dorfkern, dafür verstreute Gehöfte mit Wänden aus Lehm und Dächern aus Wellblech. Durch Felder, die unter der anhaltenden Dürre Seit dem letzten Jahr erleben alle Länder Ostafrikas eine schwere Dürre mit erheblichen Einbußen der Nahrungsmittelproduktion. Dürre-Ereignisse häufen sich in dieser Region durch die Folgen des Klimawandels in den letzten Jahrzehnten, die letzte katastrophale Dürre war erst im Jahr 2011. leiden, schlängeln sich Trampelpfade. Hin und wieder kreuzt eine magere Kuh den Weg, Strommasten und Wasserleitungen gibt es nicht. Was zunächst verborgen bleibt: Makanga ist in Kenia, ja vielleicht in ganz Subsahara-Afrika einzigartig, denn hier lebt kein Erwachsener In Kenia gilt man wie in Deutschland laut Gesetz ab 18 Jahren als volljährig. unter der Armutsschwelle.

Ganz einfach weil jeder der knapp 100 über 18-Jährigen des Dorfes seit Oktober 2016 jeden Monat 22 US-Dollar überwiesen bekommt. Praktisch kein Bewohner Makangas hat ein Bankkonto. Allerdings ist in Kenia das mobile Bezahlsystem M-Pesa sehr verbreitet, an dem jeder mit einem normalen Handy teilnehmen kann, auch ohne Smartphone. Prepaid-Handys wiederum sind auch für die allermeisten Kenianer erschwinglich. Gut 80% aller Kenianer verfügen vermutlich über einen Mobilfunkanschluss.

Titelbild: Peter Dörrie - copyright

von Peter Dörrie 

Es kann arrogant wirken, als Wohlstandskind die Frage zu stellen, warum es auf der Welt immer noch Krieg und Armut gibt. Zu einfach entsteht der Eindruck, man habe selbst alle Antworten parat. Als Entwicklungs-, Friedens- und Konfliktforscher findet Peter die Frage dennoch wichtig. Denn er geht immer davon aus, dass es mehr als eine Wahrheit gibt und die eigene am wenigsten zählt. Sein besonderes Interesse gilt Afrika. In 12 Ländern des Kontinents hat er bereits recherchiert.

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