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Widerstand ist zwecklos? Das bringen Proteste in Russland

Nicht jeder Russe hat ein Bild von Putin im Wohnzimmer hängen. Zehntausende gehen gegen den Langzeitpräsidenten auf die Straße. Aber juckt das den Kreml überhaupt?

8. September 2017  10 Minuten

»Ich wollte den Mächtigen zeigen, dass wir sie nicht mehr dulden«, erklärt die Schülerin Katja M., warum sie am Anti-Korruptions-Protest in Nowosibirsk teilgenommen hat. Sie ist zwar erst 15, hat aber bereits die klare Meinung, dass »Russlands System korrumpiert ist und Willkür im Land herrscht.«

Katja ist eine von Tausenden, die sich am 26. März versammelten, um gegen Korruption in ihrem Land zu protestieren. Das russische Nachrichtenportal Meduza über landesweite Proteste (russisch, 2017) Landesweit demonstrierten mehr als 80.000 Menschen in 97 Städten. Alexej Nawalnys Film »Nennt ihn nicht Dimon« (russisch mit englischen Untertiteln, 2017) Auslöser war der Film »Nennt ihn nicht Dimon« Dimon ist die Kurzform von Dmitrij. von Alexej Nawalny Alexei Nawalny wurde am 4. Juni 1976 in der Stadt Butyn bei Moskau geboren. Er studierte Jura und anschließend Finanzwesen an Moskauer Universitäten. Er ist von Beruf Rechtsanwalt. Seine politische Karriere begann bereits während seines Studiums, als er der liberal-demokratischen Partei »Jabloko« beitrat und rasch in den Vorstand aufstieg. Nach schlechten Wahlergebnissen kritisierte er 2007 den Gründer der Partei, Grigori Jawlinski, massiv und wurde im selben Jahr aus der Partei ausgeschlossen. Jawlinski nannte als Grund für den Ausschluss nationalistische und fremdenfeindliche Äußerungen Nawalnys. Einer breiteren russischen Öffentlichkeit wurde Nawalny vor allem durch seine Kampagne gegen Korruption bekannt. Ab 2007 erwarb er Aktien staatlicher Firmen, um mit Unterstützung der von ihm gegründeten Vereinigung der Minderheitsaktionäre Rechenschaft über die Unternehmensfinanzen einzufordern und so Vorwürfen über systematische Unterschlagungen nachgehen zu können. Im Internet publizierte er regelmäßig Dokumente, die Korruptions- und Finanzskandale belegen sollten. über die angeblichen Reichtümer des Premiers Dmitrij Medwedew − und zwar über seine Weinberge in Italien, Jachten und Villen in der Nähe Moskaus,

Titelbild: Simone Lazanio - CC BY-SA

von Veronika Prokhorova 

Veronika Prokhorova arbeitet als freie Journalistin unter anderem für Snob.ru. Früher schrieb sie für Deutsche Welle Russisch und Russkaja Germania. Geboren wurde Veronika in der Nähe von Sankt Petersburg, wo sie Internationale Journalistik studierte. Vor Kurzem hat sie an der TU Dortmund ihren Journalismus-Master mit dem Schwerpunkt Terrorismusforschung abgeschlossen.

Themen:  Aktivismus   Osteuropa   Demokratie  

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