»Ich bestrafe Egoisten.«

Meine Freunde sagen, ich solle mich lieber locker machen. Doch die Wissenschaft zeigt: Meine Methode wirkt.

Kommentar - 20. September 2017  8 Minuten

Neulich stoppte ich auf dem Weg zum Supermarkt vor einem Hindernis – ein schwarzer Landrover parkte quer auf dem Fahrradweg. Direkt daneben ein Schild »Parkplätze hinter dem Gebäude«. Der Fahrer hatte sich offenbar dagegen und für den bequemen Weg in den nahen Laden entschieden.

»Verflixter Egoist!«

Nicht dass Eigennützigkeit etwas per se Schlechtes wäre, Eigennutz ist nichts grundsätzlich Schlechtes, sondern schon aus evolutionsbiologischer Sicht wichtig für uns. Dass Eigennutz einen positiven Effekt für alle haben kann, ist ein zentraler Grundgedanke der modernen Wirtschaftstheorie. Adam Smith, eine Art »Urvater« der an unseren Schulen gelehrten Wirtschaftswissenschaften, formulierte das so: »Es ist nicht die Wohltätigkeit des Metzgers, des Brauers oder des Bäckers, die uns unser Abendessen erwarten lässt, sondern dass sie nach ihrem eigenen Vorteil trachten.« Der Bäcker backt also gute Brötchen, weil er so mehr Brötchen verkaufen kann. Er verdient damit Geld und wir bekommen gute Brötchen. Beide gewinnen, so der Gedanke. aber wer sich nur für das eigene Wohl interessiert, der macht das über kurz oder lang auf Kosten anderer. Zum Beispiel auf Kosten der Radfahrer, die einem Landrover auf dem Gehweg ausweichen müssen – obwohl der Radweg extra für sie angelegt wurde. Und die dann absteigen und warten müssen, weil der Gehweg voller Menschen und die Straße voll befahren ist.

Egoisten gibt es überall. Sie kochen im Büro keinen Kaffee nach, verkaufen unseren Kindern Zigaretten und führen aus Habgier Kriege. Wie aber sollen wir mit egoistischem Verhalten umgehen? Im Wettbewerb um die ältesten Fragen der Menschheit besetzt diese einen Spitzenplatz. Einfach ignorieren, vorsichtig motivieren oder doch aktiv eingreifen? Dies ist meine unbequeme Antwort.

- CC0

von Houssam Hamade 

Houssam Hamade ist Sozialwissenschaftler, Autor und Journalist. Er schreibt regelmäßig für die Taz, Cicero und den Freitag. Ihn interessiert vor allem die Frage, wie wir die Welt besser machen können und was dem im Wege steht. Die schönsten Antworten darauf findet er bei Hannah Arendt. Im Jahr 2019 hat Houssam Hamade sein erstes Buch veröffentlicht. Es heißt »Sich Prügeln« und handelt von dem Moment, in dem Menschen sich dafür entscheiden, zuzuschlagen. Juliane Metzker und Katharina Wiegmann haben dazu einen Podcast mit ihm aufgenommen, den du hier nachhören kannst.

Themen:  Gerechtigkeit   Psychologie  

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