Diese Heizung kannst du guten Gewissens voll aufdrehen

Denn sie nimmt die Wärme einfach aus der Luft. Auch im Winter.

11. Oktober 2017  10 Minuten

Stelle dir vor, du sitzt in einem Boot auf einem großen, klaren Bergsee, das Wasser ist kristallklar. Du hast Durst und willst einen Schluck trinken. Du hast 2 Optionen:

  • Du kannst ans andere Ende des Sees rudern, aussteigen und völlig verschwitzt und außer Puste in einer Gaststätte ein Glas Mineralwasser bestellen.
  • Oder du tauchst einfach deine beiden Hände ins kühle Nass und nimmst einen großen Schluck.

Warum einen riesigen Aufwand betreiben, um etwas herbeizuschaffen, das in unmittelbarer Umgebung im Überfluss vorhanden ist?

Genau das tun wir jetzt im Herbst, wenn morgens der erste Frost auf den letzten Blättern liegt und wir die Heizung wieder andrehen. Um Wärme in unsere Zimmer zu bringen, schaffen wir mit gigantischem Aufwand Energie in Form von Kohle, Öl oder Gas aus den letzten Ecken des Planeten heran – und heizen dabei auch das Klima mit.

Und das, obwohl wir regelrecht in einem See aus Wärme schwimmen, an dem wir uns einfach bedienen können. Ob im Boden unter unseren Füßen oder in der Luft, die wir atmen: Wärme ist überall. Und zwar nicht nur im Sommer, sondern sogar im tiefsten Winter bei −20 Grad Celsius. Denn leer ist der See aus Wärme erst, wenn der absolute Nullpunkt erreicht ist: Bei −273,5 Grad Celsius. Warum hat der Nullpunkt eigentlich −273,5 Grad Celsius und nicht 0 Grad Celsius? Das liegt daran, dass der Schwede Anders Celsius noch nicht sehr viel wusste über die Temperatur, als er im 18. Jahrhundert die Temperaturskala festlegte. Für ihn waren der Gefrier- und der Siedepunkt von Wasser die Fixpunkte – deshalb versah er sie mit 0 Grad Celsius und 100 Grad Celsius.

Erst über ein Jahrhundert später kam Lord Kelvin auf die Idee, den kältesten möglichen Punkt mit 0 Kelvin zu bezeichnen. In der Physik wird heute die Kelvin-Skala verwendet.

Mit Illustrationen von Isabell Altmaier für Perspective Daily

von Felix Austen 

Der Physiker Felix mag Hafermilch und fährt gern Rad. Er weiß aber auch, dass noch etwas mehr dazugehört, um die Welt vor der Klimakatastrophe und dem Ökokollaps zu bewahren. Deshalb schreibt er über Menschen, Ideen und Technik, die uns und der Umwelt eine Zukunft sichern können. Davon gibt es zum Glück jede Menge!

Themen:  Klima   Nachhaltigkeit   Energie  

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