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Diese 7 jungen Menschen kämpfen für deine Zukunft

Kinder wollen spielen, und die »Jugend von heute« ist vor allem am eigenen Vergnügen interessiert? Von wegen!

23. Oktober 2017  9 Minuten

Wenn wir über die Zukunft reden, sprechen wir meist über das Leben anderer – nämlich das junger Menschen, Kinder und Jugendlicher. Dass sie in ihrer Lebenszeit vor enormen Herausforderungen stehen werden, scheinen sie manchmal besser verstanden zu haben als »die Alten«.

Severn Cullis-Suzuki: »Ich bin nur ein Kind, aber …«

von Maren Urner

Sie ist Die 5-minütige Rede von Severn Cullis-Suzuki auf dem Earth Summit der UN (englisch, 1992) das Mädchen, das die Welt für 5 Minuten zum Schweigen brachte. Als 13-Jährige erinnert sie die Vertreter der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro beim Earth Summit 1992 Die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung wird häufig kurz Earth Summit oder Rio-Konferenz genannt. Am 3.–14. Juni 1992 trafen sich 2.400 Vertreter nichtstaatlicher Organisationen (NGOs) in Rio de Janeiro. Weitere 17.000 Menschen engagierten sich am NGO-Forum, das parallel stattfand. Insgesamt nahmen 172 Regierungen teil. Der Earth Summit war die erste größere, internationale Konferenz seit 1972, die Umweltfragen in ihrem globalen Ausmaß diskutierte. Das Ergebnis war die Verabschiedung von 5 wegweisenden Abkommen, darunter die Agenda 21 und die Klima-Rahmenkonvention. daran, was auf dem Spiel steht:

Die eigene Zukunft zu verlieren ist etwas anderes, als eine Wahl oder ein paar Punkte auf dem Aktienindex zu verlieren. Meine Zukunft steht auf dem Spiel. Ich bin hier, um für alle zukünftigen Generationen zu sprechen. – Severn Cullis-Suzuki, kanadische Umweltaktivistin

Dann spricht Severn Cullis-Suzuki von ihrer Angst zu atmen, weil sie nicht weiß, welche Chemikalien in der Luft liegen. Sie prangert den eigenen Reichtum an, vergleicht ihre Kindheit mit der brasilianischer Kinder, die sie am Vortag in den Favelas Als Favelas (aus dem Portugiesischen entlehnt für Armen- oder Elendsviertel; die Favela ist eine brasilianische Kletterpflanze) werden Siedlungen bezeichnet, die in Randlagen größerer Städte Brasiliens liegen und meist durch große Armut geprägt sind. Diese informellen Siedlungen führen zu einer systematischen Ausgrenzung und Stigmatisierung der dort lebenden Bevölkerung. Solche Siedlungen sind typisch für Entwicklungsländer. von Rio besucht hat. Sie beschreibt »Was bleibt in deinem Leben ohne Müll?« – mein Interview mit Bea Johnson die riesigen Mengen Müll, die in den reichen Ländern des Nordens täglich anfallen.

Ich bin nur ein Kind, und ich habe nicht alle Lösungen parat. Doch ihr habt sie auch nicht! – Severn Cullis-Suzuki, kanadische Umweltaktivistin

Das Tolle ist: Im Jahr 2017 gibt es Lösungen für fast alle Probleme, Nur die Frage, wie wir ausgestorbene Tierarten wieder zum Leben erwecken können, ist noch nicht beantwortet. die Severn Cullis-Suzuki vor 25 Jahren angesprochen hat: Die angegriffene Ozonschicht ist fast geheilt, Auch wenn im Oktober 2017 eine Studie veröffentlicht wurde (englisch), die prognostiziert, dass die vollständige Regeneration der Ozonschicht sich möglicherweise um 20–30 Jahre verzögern könnte. wir Zum Beispiel mithilfe des Wissens vom japanischen Botaniker Akira Miyawaki (englisch, 2016) haben gelernt, gerodete Wälder wieder zum Sprießen zu bringen und Zum Beispiel leben in der Themse wieder weit mehr als 100 Fischarten (englisch, 2015) verdreckte Flüsse wieder mit Fischen zu beleben. Die Technik und das Wissen sind da – was wir aber noch immer nicht »gelernt« haben:

Schon im Kindergarten bringt ihr uns bei, wie wir uns zu verhalten haben. Dass wir nicht gegen andere kämpfen sollen, dass wir Dinge klären sollen und unsere Mitmenschen respektieren sollen. Dass wir unseren Dreck aufräumen sollen und andere Lebewesen nicht verletzen sollen. Dass wir teilen sollen und nicht gierig sein sollen. – Aber warum tut ihr dann all diese Dinge, die wir nicht tun sollen? – Severn Cullis-Suzuki, kanadische Umweltaktivistin

Malala Yousafzai: Bildung für alle

von Dirk Walbrühl

Wer heute durch die Straßen von Malala wurde im August in Oxford angenommen (englisch, 2017) Oxford geht, könnte auf die jüngste Friedensnobelpreisträgerin der Welt treffen. Sie studiert dort »Philosophy, Politics and Economics« – keine Selbstverständlichkeit für ein Mädchen aus Pakistan.

Malala Yousafzai spricht beim WOW (Women of the World) Festival 2014 im Southbank Centre in London über die systemische Benachteilgung von Frauen. – Quelle: Southbank Centre CC BY

Malalas Yousafzais Kampf für Bildung begann 2009 im Swat-Tal, einer Region Pakistans, die damals unter der Kontrolle der Taliban stand. Die Region Swat liegt im gebirgigen Norden von Pakistan. Sie wurde 2007 von Taliban-Kämpfern eingenommen und in internationalen Medien als das »Taliban-Tal« bekannt. Im Jahr 2009 führte die pakistanische Regierung eine Gegenoffensive durch und löste damit große Flüchtlingsbewegungen aus, konnte aber letztlich die Herrschaft der Taliban über die Region beenden. Bis heute halten sich Terroristen in den Bergen verborgen. Die fundamentalistische Terrororganisation zerstörte auch die Schulen des Landes, Die Terroristen der Taliban zerstörten in Nordpakistan bis 2014 rund 750 Schulen, davon 422 Mädchenschulen. Außerdem verboten sie den Mädchen das Hören von Musik sowie das Tanzen und zwangen sie, in öffentlichen Räumen Schleier zu tragen. um vor allem Mädchen am Lernen zu hindern. Im Alter von 11 Jahren begann Malala unter einem In diesem Text beleuchte ich die Bedeutung und Probleme von Pseudonymität im Internet Pseudonym heimlich einen Blog Ein Blog (oder Weblog) ist eine Art digitales Tagebuch im Internet, in welchem die Autorin persönliche Texte veröffentlicht. Häufig sind Blogs pseudonym und einem bestimmten Thema gewidmet. zu schreiben. Sie prangerte die Gewalt in ihrer Heimat an – erst nur in Pakistan, dann in englischer Übersetzung in der ganzen Welt.

Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern. – Malala Yousafzai, Rede vor den Vereinten Nationen 2013

Nach knapp 3 Jahren des heimlichen Widerstandes flog ihr Pseudonym auf, als sie für den Internationalen Kinder-Friedenspreis nominiert wurde. Unser Gastautor Emran Feroz erklärt, warum es nur mit den Taliban ein sicheres Afghanistan geben kann Die Taliban reagierten mit einem Attentat. Sie lauerten Malala auf dem Schulweg auf und schossen sie aus nächster Nähe nieder. Das Bekennerschreiben nennt explizit Malalas »Engagement für die Bildung von Mädchen« als DPA-Meldung über das Attentat bei Die Presse (2012) Grund. Doch sie überlebte und floh mit ihrer Familie nach England, wo sie 2013 im Alter von 17 Jahren den Friedensnobelpreis erhielt. Malala erhielt den Friedensnobelpreis 2014 zusammen mit dem indischen Bildungs- und Kinderrechtsaktivisten Kailash Satyarthi. Sie ist damit die jüngste Preisträgerin der Geschichte des Friedensnobelpreises.

Sie reist um die Welt, um ihre Botschaft zu verbreiten: Bildung kann die Welt retten! Wenn ein Mädchen die Welt verändern kann, was können dann 130 Millionen Mädchen? – Motto des Malala Funds Denn wie ihre eigene Geschichte zeigt, macht Bildung Fundamentalisten und Terroristen Angst. Noch immer haben geschätzt 130 Millionen Mädchen keinen Zugang zum Schulsystem. Als Der Bericht zu ihrer Ernennung bei CNN (englisch, 2017) Friedensbotschafterin der UN und mit ihrer Organisation Malala Fund gibt Malala diesen Mädchen eine Stimme und ein Gesicht.

Joshua Wong: Teenager gegen Großmacht

von Katharina Wiegmann

»Ein Land, 2 Systeme« Das Prinzip wurde von Deng Xiaoping formuliert, der China in den Jahren 1979–1997 führte. Ziel seiner »Ein China«-Politik war es, unter anderem die Regionen Macau und Hongkong wieder in das Land einzugliedern. Dafür sollten die Regionen ihre bisherigen Systeme beibehalten dürfen. – unter dieser Voraussetzung wurde Hongkong 1997 nach über einem Jahrhundert britischer Herrschaft wieder ein Teil Chinas. Peking garantierte Hongkong, dass es sein westlich geprägtes System beibehalten dürfe. Zumindest für die nächsten 50 Jahre – im Fall Hongkongs also bis 2047. Dazu gehört eine kapitalistische Wirtschaft, aber auch Rechte und Freiheiten der Bevölkerung, die in China regelmäßig unterdrückt werden.

China gefällt die 2-Systeme-Regelung nicht. Der Deutschlandfunk hat dazu einen Hintergrund Beständig versucht die Großmacht, ihren Einfluss in der 7,4-Millionen-Einwohner-Metropole auszubauen. Joshua Wong, ein schmaler Nerd-Typ Das Wort »Nerd« stammt aus dem US-amerikanischen Schul-Slang. Es bezeichnete ursprünglich einen »Sonderling«, meint mittlerweile aber eine Person, die sich sehr für spezielle Interessen begeistert und Wissen darüber angesammelt hat, zum Beispiel Science-Fiction, Computer, Rollenspiele. Ursprünglich war das Wort negativ gemeint und unterstellte solchen Personen soziale Defizite, wird heute von Nerds aber als Selbstbezeichnung oder Kompliment geführt. Dabei sind Nerds vor allem stolz auf die eigenen Kenntnisse und den Zusammenhalt der eigenen Subkultur, die sich häufig mit eigenen Vokabeln, sozialen Ereignissen sowie Fachwitzen von der Populärkultur und anderen Subkulturen abgrenzt.

Gängige Nerd-Klischees etwa sind: Brille, Interesse für Science-Fiction, kleiner Freundeskreis, Fachidiotie, mangelndes Wissen über Sport und körperliche Unterlegenheit (allerdings gibt es auch »Sport-Nerds« und »Fitness-Nerds«). Diese Klischees werden vor allem durch Filme, Romane und Serien aufrechterhalten, wie etwa die US-amerikanische Sitcom Big Bang Theory. Sie sind vor allem eins: Fiktion.

Das Gegenteil von einem Nerd wäre ein »Noob« als Begriff für einen ahnungslosen, fachfremden Menschen außerhalb der Subkultur. Im Englischen wird der Begriff Nerd noch eher negativ verwendet, während für die positiven Aspekte der Begriff »Geek« gebraucht wird. Dieser gilt als moderner und weltoffener, während der Nerd introvertierter und »sonderlicher« wirkt. Im Deutschen konnte sich von diesen Begriffen bisher nur »Nerd« durchsetzen.
mit Brille, war erst 14 Jahre alt, Trailer zur Dokumentation »Joshua: Teenager vs. Superpower« (englisch) als er anfing, sich dagegen zu wehren.

Mit Illustrationen von Lucia Zamolo für Perspective Daily

von PD Team 

Uns ist wichtig, in der Redaktion gemeinsam zu arbeiten: In der Regel bespricht jeder Autor seine Texte in verschiedenen Stadien mit 3–4 anderen Autoren. Es gibt aber auch Texte, die in einer noch engeren Zusammenarbeit entstehen, oder mit denen wir uns als Redaktion geschlossen positionieren wollen. Diese Texte stehen dann für das ganze Team von Perspective Daily.

Themen:  Nachhaltigkeit   Konsum  

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