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Wir schlachten 5 Mythen über falsches Fleisch

Und vielleicht bringen wir mit diesen Fakten auch Fleischesser und Vegetarier wieder näher zusammen.

25. Oktober 2017  7 Minuten

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Nachdem ich McDonald’s seit mehr als 20 Jahren boykottiert hatte, musste ich jetzt einfach den neuen McVegan probieren. Und dann gab es noch Zimtrollen an der Uni. Beides wirklich gut. Als Veganer hat man’s echt nicht leicht – die ganze Zeit nur am Essen. 😂 🍔🍩🍟🍰🍕🍦

Das ist eine der zahlreichen Hier geht’s zum Post auf Instagram Reaktionen in sozialen Medien auf das Experiment der Fast-Food-Kette in Finnland, 7 Wochen lang einen veganen Burger anzubieten. Das Angebot läuft vom 4.10. bis zum 21. November 2017 und die Ergebnisse werden beeinflussen, ob es bald auch an anderen Orten einen McVegan geben wird. Eine kritische Auseinandersetzung mit der Vorstellung, dass McDonald’s vegane Burger anbietet, findest du hier (englisch).

McVegan bei McDonald’s, Tofu-Currywurst bei Aldi und Veggie-Lyoner von Rügenwalder – Ersatzprodukte für eine Was das mit dem Menü zur Weltrettung auf sich hat, schreibt Maren Urner hier fleischfreie Ernährung sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Doch noch gibt es viele Auch du stehst oft auf dem Ignoranzgipfel, sagen Han Langeslag und Maren Urner Vorurteile und viel Halbwissen gegenüber Veggievurst und Vrikadelle. Die Ersatzprodukte laden viele Hersteller und Restaurants zu vagemutigen Wortspielen ein. Besonders beliebt ist alles, was sich mit einem »V« von vegan und vegetarisch verbinden lässt: Vurst, Vleisch, Vrikadelle. Politisch hat das Thema für ein wenig Aufregung gesorgt, als der Europäische Gerichtshof im Sommer entschied, dass nur Produkte aus »Eutersekret« die Namen Milch, Joghurt und Käse tragen dürfen. Ein »Sojajoghurt« verwirre die Verbraucher. Was ist dran an den 5 gängigsten (Vor-)urteilen?

1. »Das Zeug schmeckt nach nichts!«

»Du kannst durch alle Küchen-Kulturen der Welt gehen und findest in dem Essen, auf das alle stehen, immer die 2 gleichen Zutaten.« Tobias Sudhoff setzt sich als Mit-Initiator des »food lab muenster« Das »food lab muenster« ist an der Fachhochschule Münster angesiedelt und inspiriert durch einen Besuch in Kopenhagen: Das dort ansässige Nordic Food Lab (englisch) hat den Ökotrophologen Guido Ritter und Tobias Sudhoff inspiriert, auch in Münster ein interdisziplinäres Team auf die Beine zu stellen, das sich vor allem um Fragen einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion kümmert. und Tobias Sudhoffs Kochbuch »Ein Herd und eine Seele« Kochbuch-Autor mit den molekularen Strukturen unseres Essens auseinander. »Egal, ob die Pizza im Ofen, das Steak auf dem Grill oder kantonesisches Streetfood. Kantonesisches Streetfood ist hauptsächlich im Westen von China verbreitet und stammt aus der Region Guangdong. Es wird aus regionalen Zutaten gekocht. Zwiebeln, Sojabohnen oder Tomaten werden in Kombination mit Fisch, Schwein oder Geflügel im Wok angebraten und mit Reis serviert. Wichtig ist hier besonders das Würzen mit Ingwer, Reiswein und Sojasauce. Es geht immer um Röstaromen, die bei der Wie bei hohen Temperaturen Zucker und Aminosäuren leckere Aromastoffe produzieren, erklärt dieses kurze Video (2014) Maillard-Reaktion entstehen, und um Glutamate.« Glutamat ist ein Geschmacksverstärker, der sowohl bei Fertigprodukten als auch in Schnell-Restaurants zum Würzen genutzt wird. Glutamat ist die Bezeichnung für die einzelnen Salze der Glutaminsäure, die ein natürlicher Bestandteil von Eiweißen sind. Auf diese natürliche Weise nehmen wir täglich ca. 0,3g Glutaminsäure auf. Als Geschmacksverstärker wird Glutamat allerdings künstlich mit Hilfe von Bakterien hergestellt. In Lebensmitteln wird Glutamat durch die Kennziffern E 621–625 deklariert. Der Geschmacksverstärker erzeugt einen herzhaft würzigen Geschmack. Diese Geschmacksrichtung wird als umami bezeichnet und gehört neben süß, scharf, salzig und sauer zu den 5 Grundgeschmacksrichtungen, die unsere Zunge erkennt. Ein übermäßiger Konsum von Glutamat wirkt ähnlich wie Rauschgift und kann sogar abhängig machen. Mitunter kann es langfristig zu Verletzungen von Nervenzellen im Gehirn kommen. Aus diesem Grund versuchen viele Menschen, auf Glutamat-Zusätze zu verzichten.

Geschmack ist eine komplexe Sache, auch das Aussehen entscheidet darüber, wie gut es uns schmeckt – auch bei diesem veganen Burger. – Quelle: pxhere public domain

Deren Gerüche und Geschmack – allen voran der Grillgeruch – lösen seit Urzeiten Reaktionen in unseren Gehirnen aus, die uns sagen: Hau rein! Um diese Reaktionen auch mit pflanzlicher Ernährung zu erzeugen, müssen 2 Dinge stimmen: die Konsistenz und der Geschmack.

Bei der Konsistenz Bericht bei NOS über das vegane Steak mit Fleischkonsistenz (niederländisch, 2015) gelang Forschern der Universität Wageningen in den Niederlanden 2015 ein Durchbruch, der international für Aufsehen sorgte:Röstaromen lösen seit Urzeiten Reaktionen in unseren Gehirnen aus, die uns sagen: Hau rein! Ihre Shear Cell Technology Dabei werden zunächst pflanzliche Proteine mit Wasser gemischt und anschließend Geschmacks- und Farbstoffe hinzugefügt. Dieser Mix wird in einer Maschine weiterverarbeitet, der sogenannten Couette; hier beginnt das »shearing«, also das Scheren. Nach 10–15 Minuten kommt ein riesiges Steak heraus, das nur noch gekühlt werden muss. verwandelt Bohnen, Erbsen und Linsen in ein Steak, das strukturell kaum von einem echten T-Bone-Steak zu unterscheiden ist. Das erlaubt auch die Produktion pflanzlicher Steaks, die so groß sind wie eine Fußmatte. Mit den vorherigen Techniken war das nicht möglich. Die Herstellung ist außerdem besonders energiesparend und verbraucht ca. 90% weniger Energie als die Herstellung bekannter Fleischersatzprodukte. Aktuell ist Hier berichtet NOS über die nächsten Schritte und die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen (niederländisch, 2017) der nächste Schritt in Arbeit: Gemeinsam mit 8 Unternehmen Dazu gehören Unilever und Givaudan, der seit 2008 weltweit größte Produzent von Geruchs- und Geschmacksstoffen. sollen die Pflanzen-Steaks mit dem nötigen Geschmack versorgt werden, In diesem Video erklärt und zeigt der leitende Wissenschaftler Atze Jan van der Goot die Shear Cell Technology (englisch, 2017) um spätestens in 4 Jahren marktreif zu sein. Einer der Mitstreiter ist der Niederländer Jaap Korteweg, der mittlerweile auch über die niederländischen Landesgrenzen hinaus als »Der Vegetarische Metzger« Jaap Korteweg, Sohn eines Metzgers und erster vegetarischer Metzger der Welt, ist überzeugt, dass der einzige Grund, warum Menschen Fleisch essen, der Geschmack ist. Wenn alle Menschen auf der Welt, die jetzt 5-mal pro Woche Fleisch essen, 2–3-mal Fleischersatzprodukte essen würden, hätten wir in der Klimabilanz schon einen enormen Schritt nach vorn gemacht. bekannt ist.

Parallel überzeugen Hier geht es zur Website von »The Impossible Burger« (englisch) »The Impossible Burger« (also: »Der unmögliche Burger«) Neben Wasser, Weizenprotein, Kokosnussöl, Kartoffelprotein, Geschmacksstoffen, Hefeextrakt, Salz, Soja, Konjac Gum, Xanthan Gum, Vitamin C, Thiamin (Vitamin B1), Zink, Niacin, Vitamin B6, Riboflavin (Vitamin B2) und Vitamin B12 steht eine Zutat auf der Liste, die den Mix dem Fleischgeschmack so nahe bringt: pflanzliches Häm aus Soja, ein eisenhaltiges Molekül, das in allen Pflanzen und Tieren vorkommt und unserem Blut ermöglicht, Sauerstoff zu transportieren. und Hier geht es zur Website vom »Beyond Burger« (englisch) »The Beyond Burger« (also: »Der darüber hinausgehende Burger«) aus den USA Der »Unmögliche Burger« schmeckt auch für Burger-Spezialisten fleischiger als »echtes« Fleisch (englisch, 2017) schon jetzt bei der Blindverkostung Burger-Spezialisten, die die rein pflanzliche Boulette für fleischlich halten. Auch der vegetarische Thunfischsalat vom »Vegetarischen Metzger« Jaap Korteweg und die Jus Das Wort Jus stammt aus dem Französischen und bedeutet Saft. Es handelt sich dabei um einen konzentrierten, entfetteten Bratensaft, der als Basis für Soßen dient. vom deutschen Gourmetkoch Stephan Hentschel halten der Blindverkostung stand.

Fazit: Das, was Fleisch so unwiderstehlich macht, können wir auch aus Pflanzen herstellen.

2. »Das ist doch ungesund!«

Auf der Zutatenliste von Fleischersatzprodukten steht häufig eine Zutat ganz oben: Soja. Auch Seitan-Produkte aus Weizen-Gluten und andere Hülsenfrüchte wie Lupine, Bohne und Kichererbse (zum Beispiel in Form von Falafel) sind beliebt, aber weniger heiß diskutiert als die Sojabohne. Die Hülsenfrucht ist sehr eiweißhaltig, Nicht jedes Eiweiß wird gleich gut vom Körper aufgenommen und generell gilt: Pflanzliche Eiweiße können wir leichter verarbeiten. In Soja stecken fast alle essentiellen Aminosäuren, also jene, die der menschliche Körper nicht selbst herstellen kann. enthält alle essentiellen Aminosäuren Aminosäuren sind die Bausteine für Proteine. Einige davon kann unser Körper selbst herstellen, andere wiederum müssen wir durch die Nahrung aufnehmen, weshalb sie als essentielle Aminosäuren bezeichnet werden. und zahlreiche andere Nährstoffe – alles Qualitäten, die sie als Futterpflanze für Nutztiere und Eiweißquelle für Menschen so beliebt machen.

In der Sojabohne steckt sehr viel hochwertiges Eiweiß – das macht sie als Futter- und Lebensmittel beliebt. – Quelle: Pixabay CC0

Was auf der Verpackung des Veggie-Steaks nach der Zutat Soja jedoch häufig folgt, ist eine lange Liste an Zutaten inklusive Gewürzen, Aromen und Farbstoffen – wie bei anderen Fertigprodukten auch. Ohne hier über den Sinn und Unsinn von Fertigessen zu diskutieren, ist bekannt, dass diese häufig nicht besonders nährstoffreich und voller Salz und Zucker sind. Dabei ist egal, ob sie Fleisch enthalten oder in grünen Buchstaben »vegan« draufsteht.

Die eiweißreiche Sojabohne nimmt bei der Frage, was gesund ist und was nicht, allerdings auch für sich eine Sonderrolle ein: Übersicht über die wissenschaftliche Debatte seit 1940 (englisch, 2017) Seit knapp 70 Jahren diskutieren Wissenschaftler auf Basis ihrer Ergebnisse, wie gut oder schlecht Soja für uns ist. Dabei geht es häufig um die enthaltenen Isoflavone, Phytoöstrogene, auch Phytoestrogene, sind sekundäre Pflanzenstoffe, die strukturelle Ähnlichkeit mit den Östrogenen haben. Diese Ähnlichkeit ermöglicht eine Bindung an Estrogenrezeptoren, wodurch eine östrogene oder auch antiöstrogene Wirkung erzielt werden kann. Diese Eigenschaft hat für einige Verwirrung darüber gesorgt, welche gesundheitlichen Auswirkungen der Sojakonsum hat. Von den mehr als 6.000 Frauen mit Brustkrebs hatten die mit dem höchsten Sojakonsum auch die höchsten Überlebenschancen. die Damit ist die Sojabohne nicht allein: Abbildung 1 dieser Review-Studie zeigt, dass viele Lebensmittel das Risiko zahlreicher Krebsarten – je nach Studie – entweder erhöhen oder senken (englisch, 2013) mal vor Krebs schützen und mal bestimmte Krebsarten begünstigen sollen. Das liegt vor allem daran, dass der Großteil der Untersuchungen entweder mit Tieren, in Zellkulturen oder mit isolierten Stoffen durchgeführt wird und sich die Ergebnisse nicht unbedingt auf unseren Ernährungsalltag übertragen lassen. Warum Ernährungsstudien generell so komplex sind, beschreibt dieser Artikel mit Ernährungswissenschaften übersichtlich (englisch).

Hinzu kommt beim Soja, dass es ganz unterschiedlich verarbeitet werden kann, zum Beispiel durch Fermentation, Durch Fermentation (auch Milchsäuregärung genannt) werden verschiedenste Lebensmittel produziert und haltbar gemacht. Sauerkraut beispielsweise ist fermentierter Weißkohl. Auch Tofu, Sojasauce, Kaffee und Joghurt entstehen durch Fermentationsprozesse.

Zur Fermentation wird das entsprechende Lebensmittel mit einer Starterkultur – das sind natürliche Mikroorganismen wie Hefe, Bakterien oder Schimmelpilze aus den Zutaten selbst – luftdicht gelagert. Die Starterkulturen vermehren sich mit der Zeit und Kohlenhydrate werden zu Milchsäure umgewandelt, die konservierende Eigenschaften besitzt. In dem sauren Milieu können ungesunde Keime nicht gedeihen, sodass das Lebensmittel nicht verdirbt. Lebensmittel werden so – ohne Konservierungs- und Zusatzstoffe – haltbar gemacht, sind besser verdaulich und erhalten gleichzeitig einen veränderten Geschmack und Nährwert.
was die Vergleichbarkeit unterschiedlicher Studien erschwert. Deshalb sind methodisch saubere Studien, die die tatsächlichen Folgen für Menschen untersuchen, so wichtig. Eine Langzeituntersuchung zur Mortalität von Frauen mit Brustkrebs und Sojakonsum (englisch, 2017) solche Meilenstein-Studie wurde im September 2017 veröffentlicht. Von den mehr als 6.000 Frauen mit Brustkrebs hatten die mit dem höchsten Sojakonsum auch die höchsten Überlebenschancen. Dabei kontrollierten die Wissenschaftler auch zahlreiche andere Faktoren wie das Alter der Frauen, ihre sonstige Ernährung und ob sie schon in der Menopause waren.

Generell liegt der Weisheit letzter Schluss wie so oft wohl irgendwo in der Mitte. Das bedeutet bei der Ernährung: Review-Studie zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Phytoöstrogenen, die vor allem in Sojabohnen vorkommen (englisch, 2010) in der Abwechslung und Ausgewogenheit. Wer täglich 2 Liter Sojamilch trinkt, 2 Portionen Tofu isst und 500 Gramm Sojajoghurt löffelt, sollte sich nicht über die Nebenwirkungen einer einseitigen Ernährung wundern.

Fazit: Auch Tofu und Seitan versorgen uns mit Eiweiß und es gilt wie immer: Eine einseitige Ernährung ist nie gesund.

3. »Tiere zu essen ist natürlich!«

Häufig werden Tofu, Seitan Seitan ist reines Weizeneiweiß, das vor allem in der japanischen und buddhistischen Küche als Fleischersatz verwendet wird. Man kann es selbst herstellen, indem man Weizen lange »auswäscht«. Seiner festen, hellen Konsistenz wegen lässt es sich ganz ähnlich verarbeiten wie Fleisch oder Tofu. und alle Versuche, aus der Wurst eine Vurst zu machen, als »unnatürlich« abgestempelt. Was aber ist eigentlich eine »natürliche Ernährung«? Eine Frage, auf die Azteken, Inuit, Neandertaler oder Aborigines mit Sicherheit sehr unterschiedliche Antworten gefunden hätten, aßen die einen doch vor allem Fisch, die anderen Mais, Dritte wiederum Kartoffeln und wieder andere Nüsse und Wurzeln. Sicher ist: Der Mensch ist ein Allesfresser und hat immer Tiere gegessen – in der Geschichte sind aber auch viele Menschen mit wenig oder ohne Fleisch ausgekommen. Viele Lebensmittel, die wir heute essen, spielen erst eine Rolle bei unserer Ernährung, seitdem es Landwirtschaft gibt. Und das ist seit gerade einmal rund 10.000 Jahren der Fall.

Der Mensch hat vor rund 10.000 Jahren damit angefangen, Tiere für seine Ernährung zu halten. – Quelle: Pexels CC0

Mit einer »natürlichen Ernährung« zu argumentieren, führt also nicht weit und geht auf die romantische Vorstellung eines »Naturzustandes« Der Naturzustand ist eine zentrale Idee der Philosophie des 17. Jahrhunderts. Sie wurde unter anderem von Thomas Hobbes und Jean-Jacques Rousseau geprägt. Der Naturzustand sollte dabei den Ist-Zustand der Gesellschaft legitimieren oder kritisieren. Dahinter steht die Vorstellung, dass es eine ursprüngliche Existenzform des Menschen vor einer Gesellschaft und Kultur gab. zurück – also eine Lebensform des Menschen ohne die Errungenschaften unserer Kultur. Doch hinter diese können wir heute eh nicht mehr zurück; daraus also moralisch etwas zu schließen, ist ein Diese Seite hilft dir, deine logischen Fehlschlüsse zu verstehen bekannter logischer Fehlschluss.

In Asien werden seit über 2.000 Jahren Sojabohnen angebaut, die als älteste Kulturpflanze der Welt gelten. Mit einer »natürlichen Ernährung« zu argumentieren, führt nicht weit.Der Tofu entstand fast zeitgleich. Vor vermutlich rund 1.000 Jahren fand er seinen Weg in die Küchen Indiens, Japans und großer Teile Asiens. Auch Seitan ist schätzungsweise Der Seitanhersteller Wheaty erzählt die Geschichte von Seitan (2014) 1.500 Jahre alt.

In diesen Ländern werden Gerichte ohne tierische Zutaten nicht etwa als »vegan« gelabelt. Stattdessen haben sie dort ihren angestammten Platz in den heimischen Küchen und auf den Das Kochbuch »Immer schon vegan« sammelt alte, traditionelle vegane Rezepte aus aller Welt Speisekarten traditioneller Restaurants. Oft werden Tofu und Fleisch auch wortwörtlich in denselben Topf geworfen – warum auch nicht? Beides sind gute Eiweißquellen, und schließlich landen auch Kartoffeln und Möhren in derselben Suppe.

Fazit: Eine natürliche Ernährung gibt es nicht. Tradition haben auch Tofu & Co.

4. »Für deinen Tofu wird genauso Regenwald abgeholzt.«

Dieser Vorwurf stimmt nicht immer, weil ein Teil des Sojas für die Tofuproduktion – vor allem das in Bioqualität – aus Süddeutschland und Österreich stammt. Allzu oft ist er aber wahr, denn das meiste Soja wird aus Importstatistik des Verbandes der ölsaatenverarbeitenden Industrie in Deutschland e. V. (2016) Brasilien und den USA importiert. Dort kommen viele Streitfragen der Landwirtschaft zusammen: Genetisch veränderte Sorten Dem Thema werden wir uns demnächst noch genauer widmen. wachsen auf Flächen gerodeten Regenwaldes und werden mit großen Mengen Pestiziden gegen Insekten und Krankheiten geschützt.

Wenn wir mehr Soja direkt als Tofu essen, würde das bedrohte Regenwälder vor dem Kahlschlag schützen. – Quelle: flickr / Ulrich Peters CC BY-SA

Gerade das spricht allerdings dafür, mehr Tofu zu essen: Denn Tofu verbraucht einen Bruchteil der Ressourcen, um eine gute Portion Eiweiß auf den Tisch zu bringen. So können wir ein Kilogramm Soja an ein Schwein verfüttern, das zusätzlich noch viel anderes Futter mampft und dabei doch nur 500 Gramm Muskeln und Speck Natürlich stellt sich die Frage, welches Endprodukt hochwertiger ist: Ein Schweinesteak enthält pro 100 Gramm rund 10 Gramm Fett und 20 Gramm Eiweiß. Bei Tofu sind es rund 9 Gramm Fett und 16 Gramm Eiweiß. Diese Werte können natürlich schwanken und sagen noch nichts über die Qualität der Fette und Eiweiße sowie der sonstigen Inhaltsstoffe. ansetzt. Oder wir können 1 Kilogramm Tofu daraus machen. Weltweit landet der mit Abstand größere Teil der Ernte im Futtertrog von Schweinen, Hühnern und Rindern.

Weil global der Hunger nach Fleisch weiterwächst, werden weiter Wälder gerodet. Das heizt dem Klima ordentlich ein. Würden aber statt Schweine- und Rinderschnitzeln viel mehr Tofu-Steaks gegessen, würden die heutigen Flächen ausreichen. Wie groß die Einsparung ist, hängt natürlich davon ab, wie schnell sich Tofu verbreitet. Tofu verbraucht einen Bruchteil der Ressourcen, um eine gute Portion Eiweiß auf den Tisch zu bringen.Und weil Tiere nicht nur Flächen fressen, sondern auch viel Methan von sich geben, verursacht ein Rindersteak ein Vielfaches Der genaue Wert hängt stark davon ab, was das Tier frisst und was man alles in die Rechnung einbezieht. Lässt man die Rodung der Wälder für den Futteranbau bei der Rechnung außen vor, verursacht ein Kilogramm Rindfleisch rund 13 Kilogramm CO2-Äquivalent, Tofu etwa 1,7 Kilogramm. Eine neuere Studie bezieht die Waldrodung mit ein und landet für Rindfleisch bei einem Wert von etwa 26 Kilogramm CO2-Äquivalent. der Treibhausgase im Vergleich zu Tofu.

Fazit: Sojaanbau verursacht Probleme. Im Fleisch stecken aber viel mehr davon.

5. »Das ist viel zu teuer!«

Ob die Veggie-Wurst zu teuer ist, ist relativ. Was aber stimmt: Sie ist oft teurer als eine Wurst aus Fleisch. Für Menschen, die beim Einkauf hauptsächlich aufs Geld achten – Gastautorin (und Veganerin) Katharina Lüth beschreibt, wie es ist, unterhalb der Armutsgrenze zu leben und das vielleicht auch müssen – ist der Umstieg vom Fleisch- zum Veggie-Burger also kaum eine Option.

Die Frage ist: Woran liegt das? Für die Produktion eines Kilogramms Tofu braucht es weniger Zeit, Arbeit und Rohstoffe als für dieselbe Menge Fleisch. Folglich müssten auch die Kosten wesentlich niedriger sein.

Das Angebot an veganen Ersatzprodukten ist inzwischen sehr groß – zum Beispiel in diesem veganen Supermarkt in Berlin. – Quelle: flickr / Josefine Stenudd public domain

Dass das nicht so ist, hat 2 Gründe: Einerseits ist die Fleischindustrie enorm Der Fleischatlas hält viele Fakten rund um die industrielle Fleischproduktion bereit auf Effizienz getrimmt. Durch große Produktionsmengen, spezielle Zucht und hochautomatisierte Verarbeitung mit wenigen, niedrig bezahlten Arbeitern wird jeder unnötige Cent eingespart. Während die großen Fleischkonzerne derzeit auf den Zug aufspringen, werden Tofu & Co. oft noch in kleineren Familienunternehmen hergestellt.

All das würde aber nicht genügen, um die Preise unter die von Tofu, Seitan & Co. zu drücken, wenn die Tierindustrie nicht kräftig subventioniert würde. Das geschieht vor allem an 3 Stellen:

  • Steuern: Während Fleisch, Wurst und auch Kuhmilch als Grundnahrungsmittel zählen und mit 7% Mehrwertsteuer belegt sind, sind es bei Sojamilch die üblichen 19%.
  • Agrarsubventionen: 2013 gab die EU 240 Millionen Euro an Unterstützung für den Bau von Ställen aus. Von den weiteren milliardenschweren Agrarsubventionen profitieren Fleischerzeuger wesentlich stärker, da tierische Produkte sehr viel flächenintensiver sind.
  • Versteckte Kosten: Egal ob bei Tofu oder Fleisch, es fallen immer Kosten an, die von Menschen getragen werden, die nichts mit der Mahlzeit zu tun haben. Zum Beispiel Die Stadt Miami zum Beispiel gibt Hunderte Millionen für die Anhebung ihrer Straßen aus, berichtet David Ehl Anpassungen an den Klimawandel oder die Reinigung verschmutzter Wasservorkommen. Da Fleisch mehr Ressourcen verbraucht, fallen bei der Produktion auch viel mehr dieser Kosten für die Allgemeinheit an.

Fazit: Einige Ersatzprodukte sind tatsächlich teurer, weil sie weniger gefördert werden als tierische Produkte. Würden beide Lebensmittel gleichgestellt und Folgekosten einberechnet, wären Ersatzprodukte mit Sicherheit günstiger.




Dieser Beitrag ist Teil des Projekts »Die Lösungen liegen in Deutschland«. Darin stellen die »Global Ideas« der Deutschen Welle und Perspective Daily im Vorlauf zur 23. Klimakonferenz im November 2017 in Bonn gemeinsam in 3 Etappen Lösungen zur Bewältigung des Klimawandels vor.

Etappe 1: »Wärmewende in Deutschland – Diese Heizung kannst du guten Gewissens voll aufdrehen« auf Perspective Daily sowie »Smart Solutions – Intelligente Technik treibt die Energiewende in Deutschland voran« bei Global Ideas.

Etappe 2: »Grüne Start-up-Szene – Diese deutschen Start-ups machen unser Leben einfacher« auf Perspective Daily sowie »Geo-Engineering – Ist es eine gute Idee, das Klima zu manipulieren?« bei Global Ideas.

Etappe 3: »Vegane Ersatzprodukte – Wir schlachten 5 Mythen über falsches Fleisch« auf Perspective Daily sowie »Sojaanbau in Deutschland – Darum bekommen wir die Sojabohne in Deutschland künftig öfter zu Gesicht« bei Global Ideas.

Quelle: Deutsche Welle copyright

Titelbild: De Vegetarische Slager - copyright

von Felix Austen 

Dem Physiker Felix geht es ums Klima, um Landwirtschaft, Energie und Umwelt. Was können Wissenschaft, Politik und Gesellschaft tun, damit alle auf der Welt, mit der Welt und von der Welt gut leben können? Genau: Der heilige Gral der Nachhaltigkeit!


von Maren Urner 

Maren hat in Neurowissenschaften promoviert, weil sie unser Denkapparat so fasziniert. Die schlechte Nachricht: Wir sind weit davon entfernt, unser Gehirn zu verstehen. Die gute Nachricht: Unser Gehirn ist veränderbar, und zwar ein Leben lang. Wahrnehmungen, Gewohnheiten und Entscheidungen sind also offen für unsere (Lern)-Erfahrungen. Und damit auch für die Erkenntnis: Ich habe mich getäuscht!

Themen:  Essen   Nachhaltigkeit   Konsum  

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