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Mit Worten und Bananen gegen den Hass im Internet

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Wer gegen Konstruktiven Journalismus ist, hat ihn nicht verstanden
Lies hier warum!
Gastautorin: Larissa Schwedes

Mit Worten und Bananen gegen den Hass im Internet

2. August 2016

Hetze und Hass durchfluten das Internet. Doch niemand muss ohnmächtig zuschauen. Mit klaren Worten, etwas Einfühlungsvermögen und einer ordentlichen Prise Humor lässt sich eine Menge bewirken.

Es ist der 19. Januar 2015, auch Martin Luther King Day genannt. Ein Teenager twittert Als »twittern« wird das Veröffentlichen eines Beitrags auf dem sozialen Netzwerk Twitter bezeichnet. Die Beiträge auf der Plattform dürfen maximal 140 Zeichen lang sein. Mit sogenannten #Hashtags können Beiträge durch Schlagworte einem Thema zugeordnet werden, sodass Diskussionen entstehen können. Twitter hatte im Januar 2016 320 Millionen Nutzer. an Die Huffington Post hat den Dialog als Musterbeispiel für den erfolgreichen Umgang mit rassistischen Inhalten im Internet veröffentlicht (englisch) Ijeoma Oluo, eine afro-amerikanische Autorin aus Seattle: »Du bist ein dummer Nigger!«

Sie antwortet: »Wir müssen lernen, als Geschwister zusammen zu leben, sonst werden wir als Narren sterben. (Martin Luther King)«

Er twittert zurück, wieder beleidigend.

Sie: »Der sicherste Weg, glücklich zu werden, ist es, andere glücklich zu machen. (Martin Luther King)«

Seine rassistischen Kommentare werden ausfallender. Sie antwortet mit weiteren King-Zitaten. Keine Wirkung. Schließlich:

Sie: »Weiß deine Mutter, dass du im Internet versuchst, Menschen zu verletzen?«

Er: »Das bezweifle ich. Sie ist vor anderthalb Jahren gestorben.«

Sie: »Das tut mir sehr leid für dich. Ich hoffe, du findest einen besseren Weg, ihrer zu gedenken.«

Der Teenager antwortet ruhiger und schreibt über seine Gefühle. Oluo reagiert interessiert und verständnisvoll. Dann die überraschende Wendung:

Er: »Du bist so freundlich und mir tut es so leid!«

Als »Golden Conversation« Eine Golden Conversation besteht nach Benesch aus 3 Schritten: 1. Jemand verbreitet Hate Speech. 2. Jemand nutzt Counter Speech. 3. Der Hassredner reagiert positiv auf die Gegenrede – beispielsweise durch Zustimmung oder Entschuldigung. bezeichnet Susan Benesch Susan Benesch ist Jura-Professorin am Berkman Center for Internet and Society in Harvard. ein solches Gespräch, das ein perfektes Beispiel für Counter Speech darstellt. An der Harvard University erforscht die Professorin schon seit mehr als 5 Jahren Gegenmaßnahmen zu Hass und Hetze im Internet. Außerdem hat sie das Finanziert wird das Dangerous Speech Project von Stiftungen und Forschungsorganisationen (englisch) »Dangerous Speech Project« gegründet, das internationale Forschungskooperationen zu Hassbotschaften und Gegenmaßnahmen durchführt und als »Wenn jemand etwas Verletzendes, Hasserfülltes oder Gefährliches postet und ich dem etwas entgegne – dann nenne ich das Counter Speech« Informations- und Netzwerkplattform in dem Bereich dient. »Wenn jemand etwas Verletzendes, Hasserfülltes oder Gefährliches postet und ich dem etwas entgegne – dann nenne ich das Counter Speech«, erklärt Benesch im Interview.

Herabwürdigende und hasserfüllte Inhalte in sozialen Netzwerken sind nicht nur in den USA ein Problem. In der Woche nach dem Brexit-Referendum zählte die Polizei über 13.000 Der britische Mirror veröffentlichte Zahlen einer nationalen polizeilichen Auswertung (englisch) rassistische Tweets aus Großbritannien. In Deutschland hetzen rechtspopulistische Die Nicht-Regierungsorganisation »Jugendschutz.net« hat kürzlich einen Bericht über die zunehmende Radikalisierung von Debatten im Social Web vorgelegt Facebook-Profile täglich gegen Geflüchtete und andere Minderheiten. Rassismus ist vielerorts vorhanden. Durch das Internet In seiner Abhandlung »Racism on the Internet« bezeichnet Yaman Akdeniz, der sich an der türkischen Istanbul Bilgi Üniversitesi mit Cyberrecht auseinandersetzt, das Internet als eine neue wirkungsmächtige Dimension, über die xenophobischer Inhalt einfach und kostengünstig verbreitet werden kann. bahnt er sich seinen Weg in die Öffentlichkeit.

Wer ist bei Hassrede verantwortlich?

Sogenannte »Hate Speech« Im Gegensatz zu Counter Speech werden diskriminierende, abwertende oder hasserfüllte Inhalte im Internet auch als »Hate Speech« bezeichnet. ist ein massives Problem für Facebook und Twitter, die bekanntesten sozialen Netzwerke. Andreas Zick Andreas Zick leitet als Professor an der Universität Bielefeld das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung. Der Sozialpsychologe forscht derzeit zu Integration und Willkommenskultur, ist aber ebenso Experte für Rassismusforschung. beschäftigt sich seit vielen Jahren wissenschaftlich mit verschiedenen Formen der Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit. Der Konfliktforscher von der Universität Bielefeld fordert die Plattformen auf, sich stärker in der Eindämmung der Hetze zu engagieren: »Wenn ich eine Plattform anbiete, auf der sich Hassgemeinschaften bilden können, dann stehe ich auch in der Verantwortung.«

Bisher schaffen die Netzwerkbetreiber es bei weitem nicht, die Massen an schädlichen Inhalten zu kontrollieren. Aus Die Tagesschau berichtete über eine Beschwerde des Justizministers Heiko Maas über unzureichende Löschungen von Facebook Politik und Ein Beispiel von vielen: Der Stern versuchte im Selbstexperiment, einen Hasskommentar löschen zu lassen – ohne Erfolg Medien hagelt es Kritik: keine Konsequenzen bei Beschwerden, zweifelhafte Standards, zu wenig Personal, Intransparenz – die Liste der Vorwürfe ist lang.

Sollte der Staat hier stärker regulativ durchgreifen?

Zumindest Justizminister Heiko Maas hat das Thema im vergangenen Herbst auf seine Agenda gesetzt und eine Arbeitsgruppe Der Arbeitsgruppe »Umgang mit rechtswidrigen Hassbotschaften im Internet« gehören neben Facebook, Google und Twitter auch zivilgesellschaftliche Organisationen wie der »Verband der Internetwirtschaft«, die »Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Anbieter« (FSM) oder die »Amadeu Antonio Stiftung« (Netz gegen Nazis) an. mit Internetkonzernen und Nicht-Regierungsorganisationen gegründet. Das BKA startete Mitte Juli seine erste Spiegel Online berichtete über die Wohnungsdurchsuchungen von Verdächtigen Razzia gegen Hate Speech: Polizisten durchsuchten bundesweit Wohnungen von Verdächtigen, die beschuldigt werden, sich in Facebook-Gruppen antisemitisch oder den Nationalsozialismus verherrlichend geäußert zu haben.

Doch diese Lösungsansätze, bei denen die Polizei mit den Anbietern zusammenarbeitet, sind problematisch, weil sie nur Symptome bekämpfen. Wenn Facebook einen Beitrag löscht, ist dieser verschwunden. Der einzelne Hassredner muss vielleicht eine hohe Geldstrafe zahlen. Doch solche Aktionen sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Das Netz ist nicht nur Gefahr, sondern auch Chance

Es sind also andere, wirksamere Methoden vonnöten. Eine Golden Conversation, wie im Gespräch zwischen Ijeoma Oluo und dem Teenager, mag eine Ausnahme sein. Doch Counter Speech kann auf vielfältige Weise Erfolg haben. Im Internet können viele Menschen mitlesen und sich selbst beteiligen: unmittelbar, teilweise anonym, ohne Hürden oder großen Aufwand. Das Internet erscheint zuweilen wie ein restriktionsloses Paralleluniversum. Die Cyberhate-Forscher Barbara Perry und Patrik Olsson betonen die gemeinschaftsstiftenden Möglichkeiten des Internets. Hassgruppen können sich online viel einfacher vernetzen, organisieren und Inhalte verbreiten als in der Offline-Welt – auch über nationale Grenzen hinweg. Online-Aktivitäten können jedoch direkte Folgen auf das Offline-Leben haben – beispielsweise können sie Hassredner ihre Jobs kosten, wenn der Chef zufällig mitliest.

Die Schwächen des Internets sind gleichzeitig seine Stärken:

  • Gemeinschaft: Genauso wie sich Hassgruppen online verbünden und mächtig werden können, ist das auch für Gegenbewegungen möglich. Eine positive Gruppendynamik hilft dabei, sich gegenseitig zu stärken und Hate Speech auszuhalten.
  • Reichweite: Im Netz erreicht die Gegenrede nicht nur den Urheber der Hassbotschaft, sondern ebenso zahlreiche andere, unbeteiligte Nutzer. Selbst wenn sie an vielen von ihnen spurlos vorübergeht, werden sich einige vielleicht von ihr überzeugen lassen und über das eigene Online-Verhalten nachdenken.
  • Motivation: Andere Nutzer können sich durch Counter Speech inspiriert fühlen, selbst das Wort zu ergreifen – oder ein Foto von sich zu posten, auf dem sie eine Banane essen, wie es im Fall von Die ausführliche Geschichte lässt sich bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nachlesen Dani Alves geschah. Ein rassistisch motivierter Fan hatte den dunkelhäutigen FC Barcelona-Spieler mitten im Fußballspiel mit einer Banane beworfen. Alves' Reaktion begeisterte die Massen: Er hob die Frucht auf, schälte sie und biss hinein. Hunderte folgten seinem Beispiel und fluteten Twitter mit Bananenfotos. Auch das ist Counter Speech.

So geht es: Humor, Empathie und etwas Zivilcourage

Barbara –

Das Bananen-Beispiel findet Susan Benesch besonders gelungen, denn »Humor ist eine extrem effektive Methode für Counter Speech. Er verbreitet sich oft viral Von einer viralen Verbreitung spricht man, wenn sich ein Inhalt durch vielfaches Teilen und Weiterleiten blitzschnell im Internet verbreitet und innerhalb kurzer Zeit massive Popularität erlangt. in sozialen Netzwerken. Außerdem zieht er Menschen an, die sich unter anderen Umständen gar nicht für das Thema interessiert hätten. Er hellt ernste Themen auf und macht sie interessanter für ein größeres Publikum.« Tatsächlich verbreiten sich satirische Beiträge auf Sozialen Medien wie Facebook am Jamie Bartlett und Alex Krasodomski-Jones vom Centre for the Analysis of Social Media in London haben im Auftrag von Facebook den Erfolg von Counter-Speech-Beiträgen ausgewertet (englisch) häufigsten.

Ein anderes Erfolgsrezept heißt Empathie, wie das Martin-Luther-King-Beispiel eindrucksvoll beweist. Auch damit hat Susan Benesch Erfahrungen gesammelt: Wer Mitgefühl und Interesse an der eigenen Person verspürt, dem falle es schwer, die hässliche Fassade aufrechtzuerhalten und Hass zu verbreiten, meint die Forscherin.

Online- und Offline-Leben sind eng verwoben. Der Hinweis darauf, dass der Chef oder die eigene Mutter alles mitlesen kann, könne laut Benesch ein weiterer effektiver Schachzug sein, wenn sich wieder einmal ein Facebook-Nutzer danebenbenimmt.

Es ist wirksamer, auf einzelne Äußerungen eines Nutzers einzugehen, als die gesamte Person als diskriminierend oder fremdenfeindlich zu bezeichnen. Sobald es zu persönlich wird, sei Abwehr vorprogrammiert und ein Erfolg fast ausgeschlossen.

Faktenchecks sind interessanterweise wenig hilfreich als Gegenmaßnahme. Gerade weil Hassredner häufig falsche Fakten verwenden, sind sie meist immun gegen sachliche Korrekturen. Strategische Argumentation (englisch: motivated reasoning) nennt sich dieses Phänomen: Wer aus einer festgefahrenen Überzeugung argumentiert, wird immer Beweise für seine Thesen und damit Gründe für seinen Hass finden. Widerlegende Fakten werden dann einfach uminterpretiert. Obama-Gegner verbreiten beispielsweise seit Jahren falsche Gerüchte darüber, dass der US-Präsident nicht in den Vereinigten Staaten geboren sei oder Muslim sei. Dass öffentlich zugängliche offizielle Dokumente und Quellen das Gegenteil belegen, hält sie nicht davon ab. Ihre Abneigung macht die Gegner blind für Fakten.

Barbara –

Der letzte Rat der Expertin: Counter Speech will wohlüberlegt sein. An wen wende ich mich? Um welches Thema geht es? Was sind mögliche Reaktionen? »Bei Antisemitismus gibt es eine gesellschaftlich akzeptierte Norm, Nach dem Holocaust habe sich in Deutschland die Norm, dass Antisemitismus menschenfeindlich ist, sehr stark und weit verbreitet, erklärt Zick. Offene und leicht erkennbare antisemitische Äußerungen würden daher schneller geahndet. auf die ich zurückgreifen kann. Dann ist Gegenrede leichter und effektiver«, erklärt auch der Bielefelder Konfliktforscher Andreas Zick. »Wenn ich Counter Speech beispielsweise gegen Homophobie einsetzen will, ist das deutlich schwieriger, weil es viele potenzielle Gegner gibt. Ich muss immer im Blick haben, ob ich unerwünschte Kampagnen beflügle.« Der Sozialpsychologe empfiehlt, Counter-Speech-Maßnahmen am besten in Gruppen durchzuführen, um sich abzusichern und gegen unerwünschte, heftige Reaktionen gewappnet zu sein.

Warum Counter Speech funktioniert – nicht nur in Kenia

Soweit die Theorie. Doch kann Counter Speech tatsächlich einen Unterschied machen? Ein Blick nach Die Website des Dangerous Speech Project stellt erfolgreiche Counter-Speech-Fälle vor (englisch) Kenia lässt den Schluss zu: Ja, offensichtlich ist das der Fall. In dem afrikanischen Staat kamen im Jahr 2007 im Zusammenhang mit der Präsidentschaftswahl rund 1.000 Menschen gewaltsam zu Tode, nachdem radikale Hassbotschaften im Internet zu Eskalationen führten. Auch für die folgenden Wahlen im Jahr 2013 befürchteten viele das Schlimmste. Tatsächlich: Die sozialen Netzwerke in Kenia waren erneut voll von diskriminierenden Kommentaren und Drohungen. Diesmal stellte sich jedoch eine entschlossene Front dagegen und erhob das Wort: Privatmenschen, Journalisten, Sportler, Soldaten, Richter und Künstler verbreiteten Friedensbotschaften online – in Worten, Bildern, sogar Kunst und Musik. Die Wahl am 4. März lief daraufhin ruhig und friedlich ab und sogar in den 5 anschließenden Tagen, an denen die Kenianer auf die Wahlergebnisse warten mussten, gab es keine vergleichbaren Ausschreitungen wie 6 Jahre zuvor. Counter Speech war damals zwar nur eine Gegenmaßnahme unter vielen aber am Erfolg der Deeskalation sicher beteiligt.

Die Kommunikations-Wissenschaftlerin Carla Schieb und der Wirtschaftsinformatiker Mike Preuss von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster haben die Wirksamkeit von Counter-Kommentaren auf Twitter systematisch Die bisher unveröffentlichte Studie wurde auf der diesjährigen Konferenz der International Communications Association (ICA) in Japan vorgestellt. untersucht. Das Ergebnis: Hassredner können tatsächlich durch Gegenrede gemäßigt werden, manche sogar zu einer Entschuldigung bewegt werden.

Ihr seid viele. Wir auch!

Auf die gesamte Gesellschaft gesehen, können die Gegenmaßnahmen nur Wirkung zeigen, wenn sie nicht nur von wenigen vereinzelten Engagierten ausgehen, sondern von einer großen Masse der Internetnutzer. Wie kann Counter Speech also bekannter werden? Es braucht keine lange Suche, um zu merken: Sie sind da, sie sind aktiv und sie sind gar nicht so wenige – die Menschen, die sich als Botschafter für Counter Speech verstehen, sich zusammenschließen und gemeinsam dagegenhalten.

Ein paar Beispiele:

  • Die »Online Civil Courage Initiative« Die Online Civil Courage Initiative ist eine Kooperation des Institute for Strategic Dialogue, des International Centre of the Study of Radicalisation and Political Violence und der Amadeu Antonio Stiftung in Zusammenarbeit mit Facebook. hat sich zur Aufgabe gemacht, mehr Aufmerksamkeit für Counter Speech zu generieren. Sie veranstaltet Workshops, unterstützt Aktivisten und verweist direkt auf der eigenen Die Online Civil Courage Initiative weist auf Facebook auf Counter-Speech-Projekte hin Facebook-Seite auf interessante Projekte wie die Website Auf der Website Extreme Dialogue erzählen Kanadier und Europäer in kurzen Dokumentarfilmen von ihren aktiven und passiven Erfahrungen mit extremistischem Terror »Extreme Dialogue«, die Dokumentarfilme bereitstellt über die Geschichten von ehemaligen Extremisten und Menschen, die extremistische Gewalt überlebt haben.
  • Auch prominente Fürsprecher können helfen: Der Verein Der Verein »Laut gegen Nazis« unterstützt Projekte gegen Rechtsextremismus »Laut gegen Nazis« setzte dafür auf die Rapper der »Fantastischen Vier«, die im Frühjahr im Rahmen einer »Counter-Speech-Tournee« quer durch Deutschland tourten – und unter anderem in Freital Freital ist einer jener Orte, der in den Schlagzeilen anderer Medien häufig in den Kontext von Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz gestellt wird. Wir bei Perspective Daily verzichten auf diese Zuschreibung im Text, da solche Prägungen in den Köpfen vor allem durch häufige Wiederholung der Zuschreibungen entstehen. auftraten. Auch für das Jahr 2017 ist eine Tournee geplant.
  • Das Bricks against Hate Speech wird mit finanziellen Mitteln der EU gefördert. In Deutschland ist es am Marler Grimme-Institut angesiedelt »Bricks-Projekt« will Chancen und Stärken des Internets entdecken und gezielt fördern. In Belgien, Tschechien, Italien, Spanien und Deutschland organisieren die teilnehmenden Institute Workshops, Austauschtreffen und multikulturelle Events für Jugendliche, Medienschaffende, Lehrer und andere Interessierte. Die Verantwortlichen bauen auf die Annahme: Wer kritisch, reflektiert und kompetent mit dem Internet umgeht, treibt selbst kein Unwesen im Internet, sondern ist in der Lage, konstruktiv und aktiv mit Hate Speech umzugehen.

Auch die Bundesregierung sowie die Internetkonzerne Die Zeit berichtete über das zweifelhafte Engagement der sozialen Netzwerke für Counter Speech Facebook und Twitter rufen öffentlich zur Nutzung der Gegenrede-Maßnahmen auf. Damit machen sie es sich natürlich auch selbst leicht: Aus ihrer Perspektive bedeutet Counter Speech vor allem eine ressourcensparende Alternative zu aufwändigeren regulativen Maßnahmen, die sie sonst selbst ergreifen müssten. »Counter Speech wird das Internet nie in einen idyllischen Blumengarten verwandeln.« Optimal wäre ein symbiotisches Zusammenspiel aus Überwachung und Selbstregulierung, sagt Benesch. Anbieter und Behörden sollten durchsetzen, dass sich Nutzer an die Mindeststandards halten, die Netzgemeinschaft ergänzt das durch konstruktive Gegenrede. Denn Counter Speech hat ein unschlagbares Alleinstellungsmerkmal: Statt an der Oberfläche setzt die Gegenrede an der Wurzel eines Problems an; sie bekämpft Ursachen anstelle von Symptomen.

Fest steht: Noch viele weitere Counter Speaker sind nötig, um dem Hass im Netz die Stirn zu bieten. »Counter Speech wird das Internet nie in einen idyllischen Blumengarten verwandeln. Aber die Gegenrede kann Unentschlossene überzeugen und Diskursnormen verschieben.« Deshalb appelliert Susan Benesch an alle: »Erzählt Erfolge weiter und verbreitet die Idee!«

Mit Illustrationen von Lucia Zamolo für Perspective Daily

 

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