So machen wir Schluss mit langen Wartezeiten!

Ärzte gibt es genug. Wir müssen sie nur an die richtigen Orte locken. Wie das gelingt, ist bereits erprobt.

22. November 2017  10 Minuten

Eigentlich dauert es immer zu lange. Wenn der Kopf dröhnt, die Lunge pfeift oder die Glieder schmerzen, werden die anderen Patienten im Wartezimmer zu Konkurrenten um ein knappes Gut: die Zeit des Arztes.

Thomas Rampoldt hat das Ärztezentrum Büsum ins Leben gerufen. – Quelle: Ärztegenossenschaft Nord eG copyright
»Die alte Leier vom Ärztemangel wieder, Christoph Keese hat das Problem bereits 2004 in seinem Gastkommentar für »Spiegel Online« erkannt. Das erscheint heute selbstverständlich, aber bis zum Ende der 1990er-Jahre war noch von einer Ärzteschwemme die Rede und Arbeitslosigkeit unter Ärzten ein ernstes Problem. das gibt’s doch nur auf dem Land«, mag der verwöhnte Großstädter jetzt vielleicht denken. Doch weit gefehlt.

Das Fundament unseres Gesundheitssystems kränkelt seit Jahren, und die »Infektion« breitet sich zunehmend auch auf Mittel- und Großstädte wie Duisburg oder Bielefeld aus.

Mit Ärztemangel hat das allerdings wenig zu tun.

Das hat Thomas Rampoldt, Geschäftsführer der Ärztegenossenschaft Bei Ärztegenossenschaften handelt es sich um freiwillige Zusammenschlüsse niedergelassener Ärzte. Wie bei anderen Genossenschaften auch ist das Ziel in erster Linie die gebündelte Interessenvertretung der jeweiligen Mitglieder. Nord, schon vor Jahren erkannt und im Norden Deutschlands eine Therapie für die Genesung des Hausarzt-Systems erprobt.

Vor der Therapie steht die Diagnose

Am Anfang fiel Thomas Rampoldt eine scheinbar paradoxe Situation auf: Ein Blick auf die Ärztezahlen in Deutschland lässt vermuten, dass alles in bester Ordnung sei. Auf 1.000 Einwohner Studie der Bertelsmann-Stiftung »Faktencheck Gesundheit« (2015) kommen 3,8 Ärzte. Im Vergleich mit anderen OECD-Ländern Die OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) ist eine internationale Organisation mit 35 Mitgliedsstaaten mit demokratischer Verfassungsordnung und hohem Pro-Kopf-Einkommen. bedeutet das einen Platz im oberen Drittel. Das liegt daran, dass seit Jahrzehnten die Gesamtzahl von Ärzten steigt.

Von Ärztemangel keine Spur

Die Gesamtzahl der berufstätigen Ärzte aller Fachrichtungen steigt über die letzten 25 Jahre beständig an, von 237.750 (1990) über 294.676 (2000) bis auf jüngst 378.600 (2016).

Quelle: Ärztestatistik 2016

Ein Ende dieser Entwicklung scheint nicht in Sicht, denn der Nachwuchs steht weiter Schlange. Die Studienplätze für Medizin sind nach wie vor heiß begehrt und restlos ausgelastet. 2017 kommen 43.000 Bewerbungen auf nur 9.000 Studienplätze. Das Vergabeverfahren löst dabei jedes Jahr aufs Neue erbittert geführte Diskussionen aus.

Von (zukünftigem) Ärztemangel also keine Spur.

Gleichzeitig aber fehlen bundesweit aktuell mindestens 2.737 Hausärzte. Das sind Zahlen aus dem Magazin »Der Hausarzt« (2017) 603 mehr als noch 2016. Wir haben also eine sehr hohe Ärztedichte und gleichzeitig immer mehr unbesetzte Stellen.

Ob Nord, Süd, Ost oder West - überall fehlen Hausärzte

Offene Stellen für Hausärzte nach Bundesland (2016)

Quelle: Lass dich nieder! Wie viele Ärzte braucht das Land?

Wie kann das sein?

Titelbild: Nick Savchenko - CC BY-SA

von Chris Vielhaus 

Die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit hat wenig Reibungspotenzial: Wer würde schon ernsthaft behaupten, für weniger Gerechtigkeit zu sein? Chris zeigt, wie das konkreter geht. Dafür hat er erst Politik und Geschichte studiert und dann als Berater gearbeitet. Er macht die Bremsklötze ausfindig, die bei der Gesundheitsversorgung, Chancengleichheit und Bildung im Weg liegen – und räumt sie aus dem Weg!

Themen:  Gerechtigkeit   Deutschland   Gesundheit  

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