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Zusammen sind wir dümmer (– das muss nicht sein)

Gruppen verstärken deine Denkfehler und machen dich blind für neue Ideen. Mit diesen 8 Maßnahmen änderst du das.

28. November 2017  7 Minuten

Was tust du, wenn du eine schwierige Entscheidung treffen musst? Wahrscheinlich trommelst du – je nach Situation – Familie, Freunde oder Kollegen zusammen, um gemeinsam zu überlegen, was die beste Wahl ist. Unser Glaube an Gruppenentscheidungen bestimmt den modernen Büro-Arbeitsalltag so sehr, dass manchmal kaum noch Zeit »zum Arbeiten« übrigbleibt.

Ich warf einen Blick auf meinen Kalender und fragte mich: Wie verbringe ich meine Zeit? Der Kalender war voll mit Meetings. Meetings, die andere in meinen Kalender gesetzt hatten […], Meetings, die ich in den Kalender anderer gesetzt hatte […], Status-Meetings, Check-In-Meetings und Meetings, um über andere Meetings zu sprechen. Im Prinzip war mein Kalender ein Hindernislauf. Um überhaupt irgendwas zu schaffen, musste ich das in den kleinen Lücken hinbekommen. – Jake Knapp, Autor und Fachmensch für Lösungsentwicklung in Gruppen

Egal ob Team-Meeting, Familienversammlung oder Parteiendebatte – Gruppen bestimmen unser Leben, weil sie die besseren Entscheidungen treffen. Oder? Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte zeigen genau das Gegenteil: Egal wie clever wir sind, in Gruppen treffen wir häufig dumme Entscheidungen. Schuld daran ist ein universelles Phänomen, von dem sich niemand freisprechen kann: Groupthink. Geprägt wurde der Begriff durch den Sozialpsychologen Irving L. Janis, der ihn 1972 einführte (englisch), als er politische Fiaskos mit fehlerhaften Gruppenprozessen erklärte. Der Kerngedanke ist, dass potenzielle Vorteile von Gruppen, Entscheidungen zu treffen, oft aufgrund gruppenspezifischer psychologischer Spannungen verloren gehen. Irving verwies dabei vor allem auf 3 Zutaten: enge Zusammenarbeit, geteilte Werte und Stress aufgrund einer drohenden Krise. Mittlerweile wissen wir, dass diese Zutaten nicht nötig sind, um Groupthink zu beobachten, und das Phänomen viel omnipräsenter ist (englisch), als Irving zunächst annahm.

Mit Illustrationen von Robin Schüttert für Perspective Daily

von Maren Urner 

Maren hat in Neurowissenschaften promoviert, weil sie unser Denkapparat so fasziniert. Die schlechte Nachricht: Wir sind weit davon entfernt, unser Gehirn zu verstehen. Die gute Nachricht: Unser Gehirn ist veränderbar, und zwar ein Leben lang. Wahrnehmungen, Gewohnheiten und Entscheidungen sind also offen für unsere (Lern)-Erfahrungen. Und damit auch für die Erkenntnis: Ich habe mich getäuscht!


von Han Langeslag 

Han geht es um Verantwortung, denn unser Handeln hat heute mehr Einfluss auf das globale Geschehen als je zuvor. Sind wir darauf vorbereitet? Wie können wir überhaupt noch eine Übersicht über die komplexen Zusammenhänge bekommen? Fachlich reicht seine Perspektive als Wirtschaftswissenschaftler, Psychologe und Neurowissenschaftler vom Individuum bis hin zum globalen Handelssystem.

Themen:  Arbeit   Psychologie   Gesellschaft  

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