6 Links

Vom Versuch, Prostituierte besser vor Ausbeutung zu schützen

Allerorts sprießen Bordelle aus dem Boden, seit es nicht mehr strafbar ist, sie zu betreiben. Auch Großbetriebe und Flatrate-Angebote machen sich breit. Umstrittene neue Regeln sollen die Prostituierten nun vor Ausbeutung schützen. Wie sinnvoll sind sie und was würde wirklich helfen?

5. August 2016  8 Minuten

Abends um halb neun in der PD-Redaktion, der Blick schweift aus dem Fenster. Über Industrie-Schornsteine, die in der Abendsonne leuchten, zu einer Bushaltestelle an der Straße. Dort steht eine Frau. Sie trägt einen roten Minirock und geschnürte Strümpfe. Federnden Schrittes läuft sie hin und her, winkt den vorbeikommenden Autofahrern zu.

Werbefahnen flattern im Wind: Mietwagen, Autohäuser, Spielhalle. 200 Meter weiter noch eine Frau. Sie trägt schwarz von oben bis unten, geht in Stilettos auf und ab. Ein Lieferwagen hält an, Frau und Fahrer sprechen miteinander. Dann wendet er und fährt weg. Anscheinend sind sie sich nicht einig geworden.

Die Frauen verkaufen Sex. Ihre Arbeit ist in den vergangenen Monaten und Jahren Gegenstand heftiger Debatten Dabei geht es zu einem großen Teil um ideologische Auseinandersetzungen. Sollte es überhaupt Prostitution geben? Ist sie entwürdigend oder Ausdruck einer selbstbestimmten Berufswahl? Wenn es Prostitution geben soll, welche Regeln braucht sie und was hilft gegen Stigmatisierung? Wenn es keine Prostitution geben soll, wie wird man sie los? Bringt es etwas, sie zu verbieten? Kann es freiwillige Prostitution geben oder nicht? Einen kurzen Überblick gibt es hier. gewesen. Dabei ging es zuletzt um die Frage, wie man die Prostituierten möglichst wirksam vor Ausbeutung schützen kann. Denn seitdem die »Förderung der Prostitution« 2002 als Straftatbestand gestrichen wurde, sind ARD-Dokumentation »Sex – Made in Germany« diverse neue Betriebe mit zum Teil fragwürdigen Geschäftsmodellen entstanden. Der Sextourismus in Deutschland floriert. Kurz vor der Sommerpause hat der Bundestag darum das sogenannte Beschlussprotokoll (Tagesordnungspunkt 18) Prostituiertenschutzgesetz beschlossen, Damit ist zwar das Gesetzgebungs-Verfahren noch nicht vollständig abgeschlossen, die politische Entscheidung aber getroffen. Da die Bundesländer für die Ausführung zuständig sind, wird es noch einige Monate dauern, bis sie die dafür nötigen Regelungen erlassen haben. das im Sommer 2017 in Kraft treten soll.