Vom Versuch, Prostituierte besser vor Ausbeutung zu schützen

Allerorts sprießen Bordelle aus dem Boden, seit es nicht mehr strafbar ist, sie zu betreiben. Auch Großbetriebe und Flatrate-Angebote machen sich breit. Umstrittene neue Regeln sollen die Prostituierten nun vor Ausbeutung schützen. Wie sinnvoll sind sie und was würde wirklich helfen?

5. August 2016  8 Minuten

Abends um halb neun in der PD-Redaktion, der Blick schweift aus dem Fenster. Über Industrie-Schornsteine, die in der Abendsonne leuchten, zu einer Bushaltestelle an der Straße. Dort steht eine Frau. Sie trägt einen roten Minirock und geschnürte Strümpfe. Federnden Schrittes läuft sie hin und her, winkt den vorbeikommenden Autofahrern zu.

Werbefahnen flattern im Wind: Mietwagen, Autohäuser, Spielhalle. 200 Meter weiter noch eine Frau. Sie trägt schwarz von oben bis unten, geht in Stilettos auf und ab. Ein Lieferwagen hält an, Frau und Fahrer sprechen miteinander. Dann wendet er und fährt weg. Anscheinend sind sie sich nicht einig geworden.

Die Frauen verkaufen Sex. Ihre Arbeit ist in den vergangenen Monaten und Jahren Gegenstand heftiger Debatten Dabei geht es zu einem großen Teil um ideologische Auseinandersetzungen. Sollte es überhaupt Prostitution geben? Ist sie entwürdigend oder Ausdruck einer selbstbestimmten Berufswahl? Wenn es Prostitution geben soll, welche Regeln braucht sie und was hilft gegen Stigmatisierung? Wenn es keine Prostitution geben soll, wie wird man sie los? Bringt es etwas, sie zu verbieten? Kann es freiwillige Prostitution geben oder nicht? Einen kurzen Überblick gibt es hier . gewesen. Dabei ging es zuletzt um die Frage, wie man die Prostituierten möglichst wirksam vor Ausbeutung schützen kann. Denn seitdem die »Förderung der Prostitution« 2002 als Straftatbestand gestrichen wurde, sind

Titelbild: Robin Schüttert - CC BY-SA

von Nikola Schmidt 

Nikola beschäftigt sich mit den Grundregeln des menschlichen Zusammenlebens. Mit Schwerpunkt im Internationalen und Europäischen Recht hat sie in Berlin und Istanbul Jura studiert. Sie fragt: Wie kann man Recht so gestalten, dass alle möglichst selbstbestimmt und frei leben können?

Nikola war bis Dezember 2016 Stammautorin bei Perspective Daily und ist seitdem Gastautorin.

Themen:  Gerechtigkeit   Arbeit  

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