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Neben dieser Technik sehen Bitcoins alt aus

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Dirk Walbrühl

Neben dieser Technik sehen Bitcoins alt aus

8. Januar 2018

Sie verbraucht mehr Energie als Irland und verändert gerade die Welt: Nimm dir endlich Zeit, die Blockchain zu verstehen.

Der US-Amerikaner Erik Finman kaufte im Jahr 2011 Bitcoins Bitcoins entstanden Ende 2008. Damals veröffentlichte jemand unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto in der »Cryptography Mailing List« ein Paper, in dem er das Konzept einer elektronischen Währung vorstellte, die auf einem kryptographischen Beweis beruht. Bis heute ist Satoshi Nakamoto ein Unbekannter. Einen Monat später, Anfang 2009, veröffentlichte Nakamoto die Software. Nakamoto besitzt 980.000 Bitcoins, was ihn heute durch den Wertanstieg zu einer der reichsten Personen der Welt macht. (englisch) – damals für 12 Dollar pro Stück, Erik Finmans Geschichte bei CNBC (englisch, 2017) heute ist er Millionär. Mittlerweile ist jeder einzelne Bitcoin über 12.000 Euro wert Allein im vergangenen Jahr stieg der Kurs um 500% und mehr an. Da ist es kein Wunder, dass Bitcoins heute auch Hedgefonds interessieren, die den Kurs durch Millionen-Investitionen in die Höhe treiben. Kurz nach dem Start der Bitcoin-Futures kratzte die Kryptowährung sogar an der 20.000-Dollar-Marke, fiel dann aber wieder stark ab. Generell ist der Wert von Bitcoins starken Schwankungen unterworfen. und die digitale Währung wird sogar Bitcoin-Handel gibt es bisher erst an wenigen Börsen, etwa an der Chicago Mercantile Exchange (CME), per Future – einem standardisierten Terminkontrakt. Ein Vertragspartner verpflichtet sich dadurch, eine Menge eines Finanztitels zu einem festen Preis zu einem bestimmten Zeitpunkt zu liefern. Die Abnahme ist dabei ebenfalls vertraglich festgelegt. Futures werden an eigenen Terminbörsen gehandelt. Der Start des Future-Handels für Bitcoins auf der Börse CME im Dezember (2017) an der Börse gehandelt.

Heute gibt es Ein Überblick über die gängigsten Bitcoin-Handelsplattformen beim Krypto-Magazin (2017) Marktplätze, Online-Casinos, Bitcoin-Casinos lassen die Spieler mit Bitcoins bezahlen und sind häufig auf mobiles Spielen unterwegs ausgelegt. Magazine, Foren, Das Bitcoin-Handbuch von Felix Mago (2016) Ratgeber und Starterpakete Starterpakete versprechen den schnellen Einstieg in die Bitcoin-Thematik. Dazu gibt es meist Erklärvideos, Zugang zu Ressourcen sowie E-Books und eine App für das Smartphone, um Bitcoins leicht zu kaufen und zu verkaufen. für das Thema Bitcoins. Ihren ursprünglichen Sinn als Zahlungsmittel haben Bitcoins aber weitgehend verloren. Dennoch ermöglichen viele große Firmen mittlerweile, dass man bei ihnen mit Bitcoins einkauft; darunter Amazon, Edeka oder Starbucks. Sie sind zum beliebten Spekulationsobjekt geworden – jeder will der nächste Erik Finman sein. Doch Finanzexperten warnen immer eindringlicher vor der Eine Analyse der Bitcoin-Blase auf börse.ard.de (2017) Spekulationsblase. Viele Händler, die die Währung akzeptiert hatten, sind mittlerweile genervt von den heftigen Kursschwankungen und springen ab. Darunter etwa der Online-Spieledienst Steam (englisch) oder Computerriese Dell (englisch). Denn durch die heftigen Schwankungen der Währung müssen die Händler die Preise ständig anpassen. Dazu kommen steigende Transaktionsgebühren, eine hohe Transaktionszeit von teilweise über 4 Stunden und geringe Nachfrage als Zahlungsmittel. Die Tage von Bitcoins scheinen gezählt. Das ist jedenfalls die Meinung der meisten Experten. Tatsächlich sind Bitcoins auch technisch gezählt: Regelmäßig schafft das Bitcoin-Netzwerk durch sogenannte »Miner« neue Bitcoins – eine Arbeit, die vor allem viel Rechenpower benötigt. Etwa alle 4 Jahre halbiert sich aber rechnerisch die Anzahl an neuen Bitcoins, die ins System kommen. Der unbekannte Entwickler der Bitcoins, der unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto bekannt ist, legte dies parallel zur Schürfrate von Gold fest. Die Zahl an Bitcoins ist insgesamt auch auf 21 Millionen limitiert. Der letzte Bitcoin wird vermutlich um das Jahr 2140 herum gehoben werden. (englisch)

Doch schon lange vorher dürfte die Technologie an ihre Grenzen stoßen. Der Grund liegt darin, dass jeder beteiligte Rechner die gesamte Blockchain speichern muss. Die Bitcoin-Chain ist aktuell etwas über 100 Gigabyte groß und wächst immer schneller – zwar noch langsamer als die Speicherkapazität moderner Computer. Brechen aber die beteiligten Rechner weg, kann Bitcoin nicht mehr aufrechterhalten werden.

Die Technologie hinter Bitcoins aber – die »Blockchain« – hat das Potenzial, die Welt zu verändern.

So funktioniert die Blockchain, Harry

Die Technologie hinter der Blockchain wirkt leicht wie Magie. Deshalb holen wir uns zum Verständnis Harry Potter Harry Potter von J.K. Rowling ist längst keine Jugendbuch-Reihe mehr, sondern ein Kulturphänomen. Die Kurzfassung: Der Waisenjunge Harry Potter lernt an der Magier-Schule Hogwarts die Zauberei, seine Freunde Ron und Hermine sowie seinen Rivalen Draco Malfoy kennen. Die ständige Bedrohung der Buchreihe ist der finstere Magier Voldemort, der ein faschistisches Regime errichtete und Harrys Eltern ermordete. zur Hilfe. Stell dir vor:

Harry braucht dringend einen neuen Zauberstab, hat aber kein Geld dabei und die Kobold-Bank hat gerade geschlossen. Doch in der Welt von Harry Potter ist eine Bank gar nicht mehr notwendig. Harry und der Zauberstab-Händler holen ihre magischen Bücher Harry wäre in diesem Beispiel ein »Node«, also ein Nutzer des Blockchain-Netzwerks. Sein magisches Buch wäre eine Blockchain-Datei auf einem Rechner (»ledger«) und Teil eines »peer-to-peer«-Netzwerks. aus der Tasche und schreiben darin auf, dass Harry ihm 7 Galeonen schuldet. Den neuen Zauberstab darf er dafür direkt mitnehmen. Alle magischen Bücher sind miteinander verbunden, in jedem steht immer dasselbe. Identische Kopien liegen auch bei Hermine und Ron – die beide darin Harrys Schulden nachlesen können.

Später will Harry seine Schulden loswerden; er hebt Geld ab, bringt es zum Zauberstab-Händler und beide notieren das in ihren Büchern. Hermine und Ron sehen nun, dass die Schulden beglichen sind und bestätigen das. Das Bestätigen nennt man »Proof of Work«-Prinzip. Dazu müssen die Teilnehmenden die Informationen wie die Identität von Harry oder den Gegenstand der Transaktion (den Zauberstab) nicht einmal kennen – sie müssen nur bestätigen, dass die Regeln des Systems eingehalten wurden. Damit haben alle 4 Beteiligten einen Konsens darüber, was passiert ist. Harry ist seine Schulden los und die Bücher dokumentieren den Ablauf. Hätte Harry einfach versucht, zu schummeln und alleine seine Schulden zu löschen, hätte das der Zauberstab-Händler gesehen und seine Zustimmung nicht gegeben.

In einem zentralen Netzwerk verbinden sich alle einzelnen Teilnehmer mit einem Server, etwa dem einer Bank. In einer Blockchain verbinden sich alle einzelnen Teilnehmer untereinander. Ein einzelner Server ist nicht mehr notwendig. –

Das ist natürlich nur eine grobe Analogie, die aber das Prinzip hinter Blockchain erklärt: das Verteilen von gesicherten Informationen und deren Absicherung durch Dritte. Das magische Buch ist in Wirklichkeit eine Datenbank – die als Teil eines Computer-Netzwerks ständig über das Internet aktualisiert wird. Die Kopien liegen dabei nicht in der Hand von wenigen, sondern Tausenden anderer Nutzer und sind mit kryptographischen Signaturen Diese Verschlüsselung schützt die Daten effektiv vor Mitlesern. Dabei handelt es sich um eine sogenannte »Asymmetrische Verschlüsselung« – die Daten werden mit einem mathematischen Schlüssel verschlüsselt (der kann sich aber nicht entschlüsseln) und mit dem anderen entschlüsselt (der kann aber nicht verschlüsseln). Das ganze Blockchain-System hängt von der Sicherheit dieser Verschlüsselung ab. Die kryptographischen Signaturen erlauben damit schnelle und eindeutige Verifikation der gesamten Historie. Hier findest du einen tieferen Einstieg in die dahinterstehende Mathematik. versehen gespeichert. Die Datenbank enthält alle bisherigen Transaktionen. Regelmäßig wird sie von aktiven Teilnehmern – sogenannten »Minern« – unveränderlich gespeichert Um einen solchen Speichervorgang durchzuführen und einen Datenblock zu erzeugen, muss der Rechner des Teilnehmers ein mathematisches Rätsel lösen – das immer schwieriger wird, je länger die Blockchain ist. Ist der Speichervorgang erfolgreich, schickt der »Miner« den Block an alle Empfänger der Blockchain. Als Belohnung erhält er sogenannte »Coins« der jeweiligen Blockchain, die ganz allgemein als Währung dienen können. Bei Bitcoin ist diese Währung der Hauptzweck und die Blockchain dient ihrer Aufrechterhaltung und Verwaltung.

Haben 2 Miner gleichzeitig Erfolg, kommt es selten zu einer kurzfristigen Teilung der Blockchain – einem sogenannten »Fork«. Die Kette wird an beiden Blöcken solange fortgeführt, bis ein Zweig länger ist als der andere. Die Blöcke im kürzeren Zweig werden dann gelöscht und die darin gebundenen Transaktionen wieder dem Pool der unbestätigten Transaktionen hinzugefügt.
und ein neuer Datenblock beginnt. Die Größe eines durchschnittlichen Datenblocks liegt etwa bei der Bitcoin-Chain bei 1,07 Megabyte. Jeder Datenblock enthält eine Auflistung aller kürzlich erfolgten Datenveränderungen (zum Beispiel Transaktionen) und eine eindeutige Referenz zum vorherigen Block als Prüfsumme. Neue Datenblöcke werden von sogenannten »Minern« erstellt, also Teilnehmern im Netzwerk, die aktiv mitarbeiten und ihre Rechenleistung zum Aufrechterhalten der Blockchain zur Verfügung stellen. Ihre Rechner lösen dazu eine mathematische Aufgabe, deren Antwort in jedem Block unterschiedlich ist. Neue Blöcke werden vom Netzwerk nur akzeptiert, wenn sie die richtige Antwort enthalten. Damit entsteht allerdings auch ein Wettbewerb zwischen Minern, denn wer die Aufgabe zuerst löst und an das Netzwerk schickt, wird akzeptiert. Die erfolgreichen Miner erhalten dafür eine Belohnung, etwa im Fall der Bitcoin-Chain eben eine Anzahl der Kryptowährung Bitcoin.

Sie erschaffen quasi das nächste Kapitel des »magischen Buchs« für alle. Die vorherigen Kapitel werden abgeschlossen und niemand kann mehr in ihnen schreiben.

So entsteht mit der Zeit eine Kette von aneinander anschließenden Datenblöcken – die »Blockchain«.

Die Blockchain reiht Datenblöcke aneinander. Einmal gespeichert, lassen sie sich nicht mehr verändern. – Illustration: Lennart Leibold

Aus diesen 5 Gründen gehört der Blockchain die Zukunft

Blockchain, da sind sich die meisten Nerds einig, ist für die Digitalwelt eine mindestens genauso bedeutende Erfindung wie Harry Potter für den Kosmos der Jugendliteratur. Diese 5 Eigenschaften machen die neue Technologie gemeinsam einzigartig.

  1. Dezentralität: Das Blockchain-Protokoll ist online und dezentral, das heißt, es braucht keine Institutionen als Mittelsmann, um zu funktionieren. Natürlich müssen sie erst einmal programmiert werden, weshalb aktuell so viele Blockchain-Start-ups aufgebaut werden. Jeder möchte derjenige sein, der die Anwendung schafft, die demnächst einen Standard definiert. Es gibt keine Firma oder Regierung, die eine Anwendung der Blockchain wartet und kontrolliert. Das schützt vor Korruption und dem Einfluss von politischen Interessen. Fällt ein Teil des Netzwerks aus, kann der Rest der Blockchain weiterarbeiten.

  2. Allerdings kann der Staat auch nicht eingreifen, um demokratisch ausgehandelte Standards durchzusetzen. Er hat keine zentrale Adresse, an die er sich wenden oder die er bestrafen kann. Gewinne einer Blockchain-Anwendung umgehen außerdem Steuern und Abgaben. Updates der Regeln einer Blockchain können auch nicht zentral aufgespielt werden, sondern müssen Die Alternative ist eine Teil-Abspaltung wie bei Bitcoin Cash im August 2017. Die Meldung dazu bei der österreichischen Innovationsplattform »der Brutkasten« von der Mehrheit mitgetragen werden.

  3. Sicherheit: Durch die dezentrale Aufteilung der Daten ist es praktisch unmöglich, eine Blockchain zu manipulieren. Theoretisch wäre es denkbar, das System zu manipulieren, wenn sich über 51% der aktiven Miner zusammenschließen. Wenn 2 Blöcke gleichzeitig entstehen, entscheidet nämlich die Mehrheit der Teilnehmer darüber, welcher Block die Kette fortführt. Er könnte so einen vorher erstellten Blockchain-Teil anfügen, der ihn begünstigt. Doch das ist unwahrscheinlich, da es einen sehr hohen logistischen Aufwand benötigt. Blockchain-Programmierer nennen diesen theoretischen Fall die »51-Percent-Attack«. Bei Bitcoins ist die Gefahr dadurch höher, dass ein Großteil der »Miner« sich in großen Pools zusammenschließen und dazu noch alle in demselben Land – China – sitzen. Ein Hacker müsste nicht nur einen Rechner manipulieren, sondern Tausende gleichzeitig. Dazu existieren einzelne Blöcke in einer festen Reihenfolge, verbunden durch ihre Prüfsumme. Je tiefer ein Datenblock in der Blockchain sitzt, desto unwahrscheinlicher ist es, dass ein möglicher Hacker es schafft, diese Blockchain bis zum Datenblock zurück zu entschlüsseln. Die Daten bleiben so lange archiviert, wie die Blockchain existiert. So können auch Jahre später noch Aktionen überprüft und nachvollzogen werden – aber nur von demjenigen, der im Besitz des richtigen kryptographischen Schlüssels ist. Damit wird der größte Schwachpunkt eines jeden traditionellen Computersystems obsolet gemacht: der Mensch in Form des Administrators, der am Ende des Tags Systeme durch Social Engineering angreifbar macht.

  4. Allerdings erfordert die dezentrale Aufteilung auf viele Rechner auch enorm viel Rechenpower und damit Strom. Allein die »Miner« der Bitcoins verbrauchen heute in etwa so viel Strom wie das Land Der Bitcoin Energy Consumption Index bei Digiconimist.net Bulgarien. Nicht umsonst sitzen die meisten ihrer Rechner dort, wo der Strom besonders billig (und wenig umweltfreundlich) ist: Die HuffPost erklärt hier, warum Bitcoins auch noch in China beliebt sind und die chinesische Regierung dagegen vorgeht (2017) in China. Der Strom Wenn nur 10% der Weltbevölkerung eine Blockchain-Technologie nutzen, würden dafür rund 1/4 der weltweiten Stromproduktion in Anspruch genommen. Mit der aktuellen Blockchain-Technologie ist also derzeit keine Flächendeckung möglich. wird dabei dafür verbraucht, dass alle »Miner« ständig dasselbe tun – eigentlich das Gegenteil von Effizienz.

  5. Datenschutz: Was ein Nutzer tut, wird zwar in den Daten der Blockchain genau protokolliert, aber nur seine Anwendungs-Adresse Bei Bitcoins »Digital Wallet« genannt. Das ist eine einfache App auf einem Heimrechner oder Smartphone, die mit der jeweiligen IP-Adresse versehen ist. Moderne Blockchains erstellen für jede Transaktion eine neue Anwendungs-Adresse und sind damit sogar noch sicherer. wird gespeichert. Damit kann Blockchain für Anwendungen auch ohne persönliche Daten funktionieren – In diesem Text erkläre ich dir, warum Daten viel wert sind und die Krake nicht alles wissen muss die Firmen sonst nur allzu gerne abgreifen.

  6. Allerdings begünstigt dies auch illegale Transaktionen. So sind etwa Bitcoins das beliebteste Zahlungsmittel im sogenannten Diese Studie untersuchte die Warenwege im Darknet (englisch, 2017) »Darknet«, um Waffen oder Drogen zu kaufen oder um Ewald Nowotny, Präsident der Österreichischen Notenbank, findet, dass Bitcoins auch Kriminellen helfen (2018) Geld zu waschen. Betrüger können Trojaner verwenden, um Coins von Nutzern zu stehlen – wie etwa im Der Trojaner CryptoShuffler stiehlt Bitcoins im Wert von 140.000 Dollar; die Meldung von Kaspersky-Labs (2017) November 2017 geschehen.

  7. Hohe Verfügbarkeit: Blockchain-Anwendungen sind nicht an Öffnungszeiten oder Feiertage gebunden. Und da die Anwendung ohne große Hürden jederzeit heruntergeladen werden kann, kann auch kein Mittelsmann beschränken, wer daran teilnehmen darf. So können auch Menschen zum Beispiel Bankgeschäfte tätigen, die vorher keinen Zugang hatten – etwa Geflüchtete.

  8. Allerdings hat die Blockchain Nachteile gegenüber herkömmlicher zentral verwalteter Software. So sind einmal getätigte Handlungen mit dem nächsten Block festgeschrieben verbunden und können nicht mehr rückgängig gemacht werden. Außerdem können zentral gesteuerte Dienste ein höheres Teilnehmeraufkommen bislang besser handhaben: Das Bitcoin-Netzwerk etwa kann aktuell nur 3–7 Transaktionen pro Sekunde verarbeiten. Zum Vergleich: VISA verarbeitet über Ein Vergleich der Transaktionen pro Sekunde von Blockchains, PayPal und VISA (2017) 1.500 Transaktionen pro Sekunde. Forscher der Universität Sydney haben eine Blockchain entwickelt, die 7-mal schneller als VISA ist (englisch, 2017) Moderne Blockchains arbeiten aber bereits an dem Problem.

  9. Open Source: Der Programmcode für viele Blockchain-Anwendungen steht frei im Internet zur Verfügung. Damit kann jeder An aktuellen Blockchain-Lösungen arbeitet derzeit eine Gemeinschaft von Start-ups, einzelnen Programmierern und Stiftungen weltweit in einer sogenannten »Open-Source-Environment«. Der Programmcode ist dabei von allen einsehbar. Die Lizenzen erlauben es, Codestücke von anderen wiederzuverwenden – über Unternehmensgrenzen hinweg. an neuen Projekten mitarbeiten und seinen Beitrag leisten. Damit ist Blockchain auch ein Jobmotor in der Tech-Szene. Es herrscht Aufbruchsstimmung.

  10. Bei Weitem nicht alle Blockchain-Projekte liefern Ergebnisse. Viele zehren nur die Ressourcen der Programmierer auf. Von über 28.000 Start-ups auf Github Eine Plattform für die Entwicklung von Open-Source-Anwendungen, an der jeder teilhaben kann. überlebten im Jahr 2017 nur knapp Viele Blockchain-Projekte scheiterten – die Meldung auf CNBC (englisch, 2017) 8%. Trotzdem kochen viele Blockchain-Entwickler ein eigenes Süppchen. So gibt es mittlerweile über 1.000 digitale Währungen, Eine Übersicht über die aktuellen Kryptowährungen und ihren Kurs bei CoinGecko. Natürlich entspricht das der »Fail-better«-Mentalität von Start-ups und durch das Open-Source-Prinzip können Projekte Lösungen von anderen Projekten verwenden. Damit wächst die Blockchain-Technologie insgesamt auch mit Fehlschlägen. Verwirrend ist dies nur für die Endnutzer. die Bitcoins beerben wollen.

Moment mal, wo waren die Haken – gibt es etwa keine? Gibt es doch. Klicke hier und lass dir die Nachteile der Blockchain anzeigen.

Moment mal, wo waren die Haken – gibt es etwa keine? Gibt es doch. Lies im letzten Abschnitt die Nachteile jetzt in Kursivschrift nach. Oder klicke hier und blende sie wieder aus.

Das Bitcoin-Logo – Quelle: Wikimedia Commons / Bitboy CC0

Zusammen genommen sind diese 5 Aspekte eine bahnbrechende Innovation: Diese ermöglicht es, statt einer einzelnen Institution (und damit Menschen) zu vertrauen, ein dezentrales, datensicheres, ausfallsicheres und transparentes Netzwerk zu nutzen. Korruption und Manipulation, ob vorsätzlich oder nicht, sind damit quasi ausgeschlossen.

Bitcoins waren nur die erste Anwendung, die diese Vorteile nutzte und damit Erfolg hatte. Doch das ist nur der Anfang: Moderne Blockchain-Software wie Ethereum Im Gegensatz zur Bitcoin-Chain kann Ethereum über vollzogene Transaktionen mit der Blockchain statistische Informationen hinzufügen, interaktive Objekte oder intelligente Kontakte – die alle vorher programmierten Regeln entsprechen müssen. Außerdem sind die Ether-Coins nicht fest auf eine Zahl limitiert, wie etwa Bitcoins, sondern werden stattdessen mit einem jährlichen Maximum erzeugt. Beliebt ist Ethereum vor allem bei Start-ups, die sich damit mit Kapital versorgen und die strengen Prozesse bei der Kapitalvergabe von Banken umgehen. kann viel mehr und ist dabei enorm flexibel. Sie bietet einen technischen Rahmen und dient für viele moderne Blockchain-Projekte als Basis.

Die Blockchain-Technologie bietet neue Möglichkeiten, die vorher noch nicht da waren. Aber sie ist auch noch in einer frühen Phase, in der vor allem viele Ideen und Konzepte entwickelt werden, während nur wenige die Technologie bereits praktisch austesten. Blockchain Bundesverband Der deutsche Blockchainverband besteht aus Vertretern von Unternehmen, die im Bereich Blockchain arbeiten. Dazu kommen Vertreter von allen großen Parteien der letzten Legislaturperiode plus der FDP. Das Ziel des Verbandes ist es, für Deutschland Rechtssicherheit im Bereich Blockchain zu schaffen und den Standort für Entwicklungen in dem Bereich zu verbessern.

Du willst Beispiele? An den folgenden 3 Anwendungen wird aktuell gearbeitet – und du hast wahrscheinlich nicht an sie gedacht!

1. Die transparente Produktion für jede Pille

Jutta Steiner ist die Geschäftsführerin von Parity Technologies, einer Software-Schmiede in London und Berlin für Blockchain-Anwendungen, die zwischen Beteiligten Vertrauen und Transparenz stiften. Das Ziel ist »Polkadot«, eine Meta-Blockchain Die Meta-Blockchain könnte damit Anwendungen erlauben, die selbst mit heutigen Blockchains schwer umgesetzt werden können. die es unterschiedlichen Blockchains erlaubt, zusammenzuarbeiten.

Über Jahrhunderte haben wir in unserer Gesellschaft Institutionen geschaffen, die es uns erlaubt haben, in großem Umfang zusammenzuarbeiten. Das Blockchain-Protokoll erlaubt nun, digitale Güter und Rechte ohne solche zwischengeschalteten Institutionen zu verwalten. Das ist nicht weniger als Digitalisierung von Autorität und eine Innovation, die man nicht hoch genug einschätzen kann. – Jutta Steiner, Geschäftsführerin von Parity Technologies

Konkret könnten so E-Books oder Musikdateien dezentral verwaltet werden. Statt bei Händlern wie Amazon liegen die Original-Dateien dann auf dem eigenen Heimrechner und die Blockchain führt Buch darüber, wem sie kopiert oder verkauft werden – eine neue Vertriebsmöglichkeit für Künstler, ohne Konzerne.

Eine andere Anwendung könnte Produktionsketten transparenter gestalten. Jutta Steiner verfolgt dieses Ziel als Mitgründerin des Londoner Start-ups Project Provenance Ltd. Produktionsketten sind dabei technisch sogenannte »Mehrstufentransaktionen«. Alle einzelnen Verträge und Transaktionen einer Produktion – etwa von Medikamenten – werden dann in der Blockchain abgespeichert. Diese Blockchain liegt im Unterschied zu einer normalen Excel-Tabelle bei jedem Zulieferer. Kein Einzelner kann also einfach Daten manipulieren und jeder mit Berechtigung kann die Produktionswege überprüfen.

Geht am Ende beim Patienten etwas schief, lässt sich der Vorfall dann vollständig nachvollziehen. Aktuell ist das nahezu unmöglich. Es existiert einfach keine lückenlose Informationskette. – Jutta Steiner, Geschäftsführerin von Parity Technologies

Durch die gegenseitige Kontrolle können Fehler oder Versäumnisse aber schon im Vorfeld vermieden werden. Betrug wird erschwert und offene Zusammenarbeit erleichtert. Außerdem spart eine solche Art der Dokumentation auch einen Haufen Papierkram.

Der Bundesverband Blockchain entstand am 29. Juli 2017. Er besteht aus Vertretern von Unternehmen, die im Bereich Blockchain arbeiten, sowie Politikern und setzt sich dafür ein, Deutschland zu einem Blockchain-Standort zu machen. – Quelle: Blockchain Bundesverband copyright

2. Die eigene digitale Identität besitzen

Kai Wagner Außerdem ist er Mitglied bei Perspective Daily! arbeitet für die Berliner Softwarefirma Jolocom an einer Anwendung der Blockchain für eine neue, digitale Identität.

Mich interessiert an Blockchain vor allem das gesellschaftliche Potenzial, also eine demokratieverträglichere Digitalisierung zu ermöglichen, in der Monopole aufgelöst werden. – Kai Wagner von Jolocom

Eine Maßnahme gegen solche Monopole könnte es sein, die persönlichen Daten aus den Händen von Internet-Unternehmen zu befreien. Statt auf den Servern von Datenkraken wie Facebook, Google oder Amazon liegen dann alle Informationen der Identität gebündelt auf dem eigenen Smartphone. Wird das Smartphone verloren oder gestohlen, ist das kein Beinbruch. Der darauf abgespeicherte »Datentresor« kann beliebig als Backup gespeichert werden. Wird das Passwort vergessen, können nahe Freunde und Mitglieder der Familie benannt werden, die dann die Identität bestätigen und ermöglichen, den Passwortschlüssel neu zu generieren. Welche Informationen und Berechtigungen jeder Nutzer (durch die Blockchain) herausgibt, an wen, wann und wie lange, entscheidet er dann ausschließlich selbst. Aktuell begibt sich der Nutzer für seine digitale Identität noch ganz in die Hände von solchen Tech-Unternehmen. Diese nutzen dann die gesammelten Daten zur Analyse des Nutzerverhaltens und zur Optimierung von Werbung. Außerdem behalten sich die Unternehmen stets per AGB vor, das Nutzer-Konto »ohne Angabe von Gründen« jederzeit zu löschen.

Auch dritte Unternehmen, mit denen der Nutzer dann interagiert und bei denen er sich per »Google«-Login anmeldet, begeben sich in die Hände der Tech-Unternehmen und müssen nach deren Spielregeln spielen. Das Geschäftsmodell der Tech-Riesen ist auch für diese Firmen zum Nachteil. Damit würde außerdem mehr Transparenz über alle eigenen Datenspuren im Netz entstehen. Als Bonus bräuchte man dann nur noch ein einziges Passwort für alles, statt sich immer neu registrieren zu müssen. Mit dieser gesicherten Identität wären sogar theoretisch David Ehl erklärt, wie die Blockchain eine sichere und geheime Wahl gestalten kann Wahlen möglich.

Doch Kai Wagner sieht auch Hürden, wenn Blockchain langfristig Erfolg haben soll:

Eine Baustelle ist aktuell noch das Proof-of-Work-Konzept, also dass viele Miner quasi dasselbe tun. Hier muss für die Zukunft eine andere Lösung gefunden werden, die weniger Energie verbraucht und trotzdem die Kette gut absichert. – Kai Wagner von Jolocom

Blockchaines können sich aufspalten (Fork) und parallel weitergeführt werden. Damit können sie eigene Regeln definieren und sich anders weiterentwickeln. – Illustration: Lennart Leibold

3. Die Blockchainisierung der Welt

Fabian Vogelsteller arbeitet am Herzen von Ethereum, dem aktuell vielversprechendsten Protokoll Die bekannteste Anwendung von Ethereum ist Ether, eine Kryptowährung. Sie könnte Bitcoins beerben. für Blockchain-Anwendungen. Er hat 2 der wichtigeren Anwendungen für Ethereum bisher programmiert, Link zum Ethereum-Wallet und dem Mist-Browser (englisch) mit denen jeder die Ethereum-Blockchain nutzen kann.

Wer der Erste ist und mitmacht, wird natürlich Vorteile haben. Das verstehen auch viele heutzutage. Damals beim Internet haben noch alle gelacht, dann hat es alles verändert. Blockchain fühlt sich jetzt ähnlich an und niemand will am Ende der Dumme sein. – Fabian Vogelsteller, Entwickler bei Ethereum

Fabian baut an einer Welt, in der klassisches Vertrauen zu Unternehmen nicht mehr nötig ist, da alles transparent über das Ethereum-Protokoll abgewickelt wird. Das kann in Zukunft zu einer ganz neuen Infrastruktur führen – zu welcher genau, ist auch für viele Blockchain-Profis noch nicht ganz klar.

Das Potenzial ist einfach so groß, dass wir heute noch nicht absehen können, was es alles verändern wird. – Fabian Vogelsteller, Entwickler bei Ethereum

Aktuell arbeiten Fabian und seine Kollegen daran, einzelne Anwendungen und ganze Blockchains miteinander zu einem gemeinsamen Ökosystem zu verschränken. Je mehr Bereiche unseres Lebens wir ins Digitale verlagern, desto mehr praktische Anwendungen von Blockchain sind denkbar – als virtueller Gläubiger bei Vertragsschlüssen, als sicherer Speicher für sensible Daten, zum Nachprüfen von Produktionswegen oder doch am Ende als digitale Währung über Ländergrenzen und Bankinteressen hinweg.

In einem sind sich aber alle einig, die heute am Thema Blockchain arbeiten: Die Technologie wird der nächste Meilenstein der Digitalisierung sein. Vieles spricht dafür, wenn Programmierer Wege finden, die Nachteile der Technologie auszubügeln.

Und dabei besteht die Chance, die Fehlentwicklungen des Internets auszugleichen und zurück zu einer dezentralen, demokratischeren Struktur zu finden. Da heute Tech-Giganten wie Google oder Facebook Das Ranking der weltweit größten Medien bei Zenith (englisch, 2017) große Teile der digitalen Welt unter sich aufgeteilt haben, wäre dezentrale Konkurrenz sicher nicht verkehrt.

Mit Illustrationen von Lennart Leibold für Perspective Daily Titelbild:

 

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