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Danke, liebe Eltern – das habt ihr aus unserer Jugend gemacht

18. Januar 2018
Themen:

Dass immer weniger Jugendliche auf die schiefe Bahn geraten, hat einen einfachen Grund.



Jugendgefängnisse gibt es in Deutschland mehr als genug: In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel steht jede dritte Zelle leer, Die 5 nordrhein-westfälischen Jugendgefängnisse haben Platz für insgesamt 1.981 Häftlinge. Zum 3. Januar 2018 saßen laut Mitteilung des Justizministeriums aber nur 1.399 ein. Die NRW-Strafverfolgungsstatistik weist 51,1% weniger Jugend-Urteile aus (2015) weil 2015 nur noch halb so viele Jugendliche verurteilt wurden wie 2004. Die leeren Gefängniszellen sind nur die Spitze eines ziemlich positiven Eisbergs: Die Jugendkriminalität in Deutschland geht seit Jahren zurück, und zwar massiv.

Wenn man sich die Jugend von heute anschaut, die statt Dummheiten lieber Praktika, Petitionen und Isabell Ulrich über mehr oder weniger altruistische Freiwilligen-Projekte im Ausland Freiwilligenarbeit macht, Im Dezember 2017 haben allein im staatlichen Programm, dem Bundes-Freiwilligendienst, mehr als 32.000 Menschen unter 27 Jahren gearbeitet. Diese Tabelle des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben schlüsselt die Daten genauer auf. stellt man sich die Frage: Gedeiht in den Jugendzimmern der Republik gerade die beste Generation, die es je gab?

Man soll vorsichtig sein mit Superlativen, aber es gibt zumindest einige Indizien, die dafürsprechen. Eine neue Studie beleuchtet den wichtigsten Grund, weshalb die Jugend von heute so gut wegkommt: Ihre Eltern bringen ihnen so viel Liebe – und so wenig Haue – entgegen wie nie zuvor.

Streicheln statt schlagen

Studie von Christian Pfeiffer, Dirk Baier und Sören Kliem an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften: Zur Entwicklung der Gewalt in Deutschland (2018) Die vom Familienministerium finanzierte Studie, um die es in diesem Text geht, birgt 2 zentrale Erkenntnisse:

  1. Die Jugendgewalt liegt auf historisch niedrigem Niveau.
  2. Geflüchtete ohne Bleibeperspektive in Deutschland werden überproportional oft straffällig.

Der erste Punkt ist die wissenschaftliche Bestätigung für eine positive Entwicklung, die sich seit den 1970er-Jahren in Deutschland Bahn schlägt. Trotzdem hat nur der zweite Punkt Google-News-Storysammlung zur Berichterstattung über die Studie das große Medienecho auf die Studie ausgelöst. Von 20 TV-Interviews, die er zu seiner Studie gegeben habe, seien 19 zu kriminellen Geflüchteten gewesen, erzählte mir Kriminologe Christian Pfeiffer.

Harte Fakten: Studie belegt Zusammenhang zwischen Flüchtlingen und Kriminalität – Überschrift eines Video von Welt.de: Harte Fakten: Studie belegt Zusammenhang zwischen Flüchtlingen und Kriminalität (2018) Videos von Welt.de

Das ist ein wichtiges Thema, das differenzierte Berichterstattung dringend nötig hat, Die Studie erklärt (im Gegensatz zu vielen Berichten darüber) die Fehlerhaftigkeit der Zahlen: Geflüchtete finden frühestens im Jahr nach ihrer Ankunft Eingang in die Bevölkerungsstatistik. Die wird jedoch gebraucht, um die Häufigkeitsziffer korrekt zu berechnen, also die Anzahl der Delikte pro 100.000 Einwohner. Weil mehr Straftaten registriert wurden, aber die gewachsene Bevölkerung darin nicht berücksichtigt wurde, scheint die Häufigkeitsziffer stärker zu steigen, als sie es tatsächlich tat.

Und Christian Pfeiffer nennt einen zweiten Faktor, der die Aussagekraft der Zahlen einschränkt: Häufig habe es sich um Delikte unter Geflüchteten gehandelt, die es so nur in großen Flüchtlingsunterkünften geben konnte: »Wir hatten ja am Anfang eine sehr kritische Unterbringung, in überfüllten Turnhallen, wo dann auch Feinde aufeinandertrafen: Sunniten und Schiiten, Angehörige verfeindeter Staaten und so weiter. Da hatten wir viele Körperverletzungen und auch Tötungsdelikte. Inzwischen haben wir gelernt, dass man die Gruppen unter sich unterbringt und kleinere Wohneinheiten wählt.«
damit die Zusammenhänge erklärt statt verzerrt werden Wie im vorherigen Klapper erwähnt: Die Studie zeigt einige methodische Einschränkungen auf, die in der Berichterstattung oft nicht mehr vorkommen. Beschrieben wurde vorwiegend der große Unterschied nach Herkunftsländern: Geflüchtete, in deren Heimat Krieg herrscht und die gute Chancen auf Asyl haben, bleiben häufiger gesetzestreu. Asylbewerber, die damit rechnen müssen, in ihre Heimat abgeschoben zu werden, sind hingegen überproportional häufig delinquent geworden.

Dass einige Schlagzeilen solche Differenzierungen schuldig geblieben sind, ist ein Indiz für die Diskursverschiebung, die der Populismus seit Beginn der sogenannten »Flüchtlingskrise« in Deutschland bewirkt hat. Wenn du dazu mehr lesen willst, empfehle ich dir 2 ältere Texte von Perspective Daily: Einen Erklärtext über populistische Methoden und 5 Irrtümer über die vermeintliche »Flüchtlingskrise«.
– in diesem Text soll es aber um den bislang so wenig aufgegriffenen Rückgang der Jugendgewalt gehen. Der Haupt-Autor, Christian Pfeiffer, ist

Titelbild: Moritz Piehler - CC BY

 

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