Inhalt

Wie lange noch sind wir intelligenter als Maschinen?

Links zum Artikel

Gastautor: David Hofmann

Wie lange noch sind wir intelligenter als Maschinen?

22. Januar 2018

Das kann künstliche Intelligenz wirklich.

Ich: Hallo Cleverbot.

Cleverbot: Wie geht es dir?

Ich: Ich brauche einen Rat. Kannst du mir helfen?

Cleverbot: Was ist deine Frage?

Ich: Wie würden Sie einen Artikel über künstliche Intelligenz beginnen?

Cleverbot: Kann eine KI wie ein Mensch denken?

Ich: Gar nicht schlecht.

Das ist meine Unterhaltung mit Hier kannst auch du mit Cleverbot plaudern (englisch) Cleverbot, einem webbasierten Chatbot, Der Begriff »Bot« kommt von Roboter. Aber im Internet haben solche Bots weder Zahnräder noch Batterien: Es handelt sich um Programme, die selbstständig handeln. Die wissenschaftliche Definition lautet: Bots sind teilautonom agierende digitale Agenten, die mit Menschen in Onlinemedien über die Schnittstelle Kommunikation sozial interagieren. Davon abzugrenzen sind digitale Assistenten wie Microsofts Cortana. die ich danach von Google Translate ins Deutsche übersetzen lassen habe. Google Translate hat automatisch zur Höflichkeits-Form »Sie« übersetzt, die es im Englischen nicht gibt. Meine Absicht war es, den Chatbot zu duzen. Hier das englische Original-Gespräch:

Me: Hi Cleverbot.

Cleverbot: How are you?

Me: I need some advice. Can you help me?

Cleverbot: What’s your question?

Me: How would you start an article about artificial intelligence?

Cleverbot: Can an AI think like a human?
Mit Cleverbot kann sich jeder unterhalten, und der Hier schreibt Dirk Walbrühl über (Social) Bots Chatbot lernt durch seine Gespräche, menschliche Unterhaltungen nachzuahmen. Das macht er so gut, dass der Eindruck entsteht, er könne wie ein Mensch denken.

Die Antwort auf seine eigene Frage »Kann eine künstliche Intelligenz wie ein Mensch denken?« lautet aber trotzdem: Nein!

Bist du jetzt erleichtert? Oder eher enttäuscht?

»Künstliche Intelligenz ist einer der heißesten, am wenigsten verstandenen und meist diskutierten technologischen Durchbrüche unserer Zeit.« – Lili Cheng, Vizepräsidentin von Microsoft AI & Research

Manche aktuelle Berichterstattung zum Thema künstliche Intelligenz lässt vermuten, dass die Prophezeiungen von Futuristen wie Hier spricht Ray Kurzweil im TED-Vortrag über seine Vision der Zukunft von KI (englisch, 2014) Ray Kurzweil oder Jürgen Schmidhuber Jürgen Schmidhuber ist der führende deutsche Forscher für künstliche Intelligenz. Lange verkannt, erhält er nun viel Medienaufmerksamkeit. So bezeichnete ihn vor 2 Jahren die New York Times (englisch) gar als »Papa der KI«. 2006 kam ich selbst in den Genuss seiner Vorlesung, die damals von nur 6 Zuhörern besucht war; ich war der einzige Physiker. Zu dem Zeitpunkt war mir die Tragweite seiner Forschung nicht klar; heute arbeite ich selbst mit dem von ihm und seinem ehemaligen Studenten, Sepp Hochreiter, in den späten 1990er-Jahren entwickelten Algorithmus, dem LSTM (Long Short-Term Memory). schon zum Greifen nahe seien; der Zeitpunkt der Entwicklung einer künstlichen Intelligenz, die so intelligent oder gar intelligenter ist als der Mensch, stehe kurz bevor, werde aber spätestens in der nächsten Dekade passieren. Dazu passt der fragwürdige PR-Gag von Hanson Robotics und Saudi-Arabien im Oktober 2017: Der Golfstaat erteilte der Androidin Hier ist der Android Sophia im Interview mit Tech Insider (englisch, 2017) Sophia Artikel zur Staatsbürgerschaft von Sophia in der F.A.Z. (2017) die Staatsbürgerschaft. Auch der Sieg einer künstlichen Intelligenz im chinesischen Brettspiel Go tat das Seine, Futuristen zum Träumen zu veranlassen – und Willst du einen Roboter als Freund?, fragt Dirk Walbrühl hier bescherte Zukunftsskeptikern neue Alpträume.

Als Physiker, der vor 9 Jahren ins Lager der Neurowissenschaften gewechselt ist, versuche ich hier eine realistische Einordnung: Wo stehen wir wirklich? Und warum »denkt« eine künstliche Intelligenz anders als wir?

Die Grundlagen: Was ist künstliche Intelligenz wirklich?

Wenn wir über künstliche Intelligenz sprechen, sind viele Assoziationen im Spiel – von Wall-E bis zum Terminator. Eins haben sie dabei alle gemeinsam: Sie sind wenig hilfreich. Was also ist eine künstliche Intelligenz – oder KI – eigentlich?

In erster Linie nichts weiter als ein Computerprogramm, also eine Abfolge von logischen Befehlen, die wir auch als Algorithmus Ein Algorithmus ist ein Begriff aus der Informatik für ein programmiertes Lösungsschema. Dahinter verbirgt sich eine Folge von Anweisungen, mit denen ein bestimmtes Problem gelöst werden soll – vergleichbar mit einem Kuchenrezept, bei dem nacheinander bestimmte Dinge getan werden müssen, damit der Kuchen gelingt. Es gibt sehr komplexe Algorithmen, die wir täglich nutzen, etwa den PageRank-Algorithmus von Google oder Algorithmen von Navigationsgeräten. bezeichnen. Das Ziel dieser Programme ist es, menschliches Verhalten und menschliche Fertigkeiten nachzuahmen. Bevor uns jetzt aber wieder Hollywood und Bilder von weinenden Robotern vereinnahmen, sollten wir Traum und Wirklichkeit scharf voneinander trennen. Dabei hilft die Einteilung in schwache und starke KI:

\liste

  • Schwache KI ist für das Lösen einer spezifischen Aufgabe konstruiert. Sie simuliert dabei eine menschliche kognitive Fähigkeit und erweckt daher den »Eindruck von Intelligenz«, so wie der kommunizierende Cleverbot.
  • Starke KI kann mehr als eine Sache,

  • Mit Illustrationen von Xero Fernández für Perspective Daily

     

    Die Diskussionen sind leider nur für Mitglieder verfügbar.

    Werde jetzt Mitglied!

    Als Mitglied erhältst du deine tägliche Dosis neuer Perspektiven:
    Statt Nachrichtenflut ein Beitrag pro Tag - verständlich, zukunftsorientiert, werbefrei!



    Du bist bereits Mitglied? Dann melde dich hier an.

    Du willst mehr lesen?

    Jetzt Mitglied werden ›