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Sein Land steht auf dem Spiel und du zockst mit

Hast du die Karten für eine friedliche Lösung in Somalia auf der Hand?

29. Januar 2018  8 Minuten

Wenn in einem weit entfernten Land wie Somalia seit mehr als 30 Jahren Krieg herrscht, ist es für dich dann noch wichtig zu wissen, wie alles angefangen hat? Ja, denn du wirst gleich den Platz der Vereinten Nationen im Spiel um die Zukunft Somalias einnehmen. Deine einzige Chance, konstruktiv zur Lösung des Konfliktes beizutragen: ein Verständnis der Vergangenheit.

Stelle dir vor, du kommst in einen Raum, in dem einige Menschen mit Spielkarten in der Hand um einen Tisch sitzen. Wir schreiben das Jahr 1986 und das aktuelle Spiel um die Zukunft Somalias läuft schon eine ganze Weile. Einer der Spieler, Siad Barre, ist seit 1969 Präsident Somalias. Mit am Tisch sitzen alle, die in Somalia gern mitspielen wollen: Clanführer Im Gegensatz zu anderen afrikanischen Ländern ist Somalia ein sehr homogenes Land: praktisch alle Einwohner sind ethnische Somali, teilen die somalische Kultur und sprechen Somalisch. Die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Clan und Sub-Clan, also einer gemeinsamen Abstammungslinie, ist für viele Somalier die wichtigste soziale Identität. Clan-Älteste oder -Führer sind politisch sehr einflussreiche Personen. Ein komplexes Netz von Allianzen und Abneigungen verbindet die Clans. und Generäle, Geschäftsleute und die Vertreter der Nachbarländer, der USA sowie der Sowjetunion.

Die Spielregeln sind einfach: Durch das Ablegen von Karten spielen die Teilnehmer politische oder militärische Aktionen aus. Wer klug spielt, der bekommt politische Legitimität. Und politische Legitimität kann für neue Karten genutzt werden. Unfair ist, dass nicht alle mit demselben Einsatz und demselben Ziel spielen. Für die USA und die UDSSR ist Somalia kaum mehr als ein Nebenschauplatz im Kalten Krieg. Für die somalischen Mitspieler ist es ein Spiel um Leben und Tod. Und du selbst? Für den Moment beobachtest du nur, denn der große Auftritt der internationalen Gemeinschaft kommt erst noch!

Zum Zeitpunkt, als du anfängst, den Spielern in die Karten zu schauen,

Titelbild: AMISOM Public Information - CC0

von Peter Dörrie 

Es kann arrogant wirken, als Wohlstandskind die Frage zu stellen, warum es auf der Welt immer noch Krieg und Armut gibt. Zu einfach entsteht der Eindruck, man habe selbst alle Antworten parat. Als Entwicklungs-, Friedens- und Konfliktforscher findet Peter die Frage dennoch wichtig. Denn er geht immer davon aus, dass es mehr als eine Wahrheit gibt und die eigene am wenigsten zählt. Sein besonderes Interesse gilt Afrika. In 12 Ländern des Kontinents hat er bereits recherchiert.

Themen:  Frieden & Krieg   Afrika  

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