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Neues Fach auf dem Stundenplan: »Besser Leben«

Die School of Life ist eine Selbsthilfe-Schule für jedermann. Pop-Philosoph Alain de Botton möchte uns dort beibringen, ein »sinnvolles Leben« zu gestalten. Ein Kurzbesuch.

10. August 2016  4 Minuten
Charisma und neue Perspektiven – Alain de Botton ist ein moderner Philosoph – Quelle: Vincent Starr copyright

Dieser Text ist Teil unserer Sommerreihe und daher kürzere und leichtere Kost als unsere normalen Beiträge.

Ich finde das Gebäude in der Marchmont Street neben einem Handyladen und einer Buchhandlung. »Good Ideas for Everyday Life« Übersetzt: Gute Ideen für den Alltag steht in gelben Buchstaben über dem Eingang. Durch das Schaufenster erkenne ich einen schmalen Raum mit vielen Büchern, einem Tisch, einem Sofa und angeleuchteten Birkenstämmen. Als ich ein Foto machen will, lächelt mich eine Frau von innen einladend an. Jeder ist hier willkommen.

So präsentiert sich die School of Life in London dem Besucher. Ich selbst war im Sommer 2014 vor Ort in London. Wer die Tür öffnet, betritt die Welt von Alain de Botton, einem britisch-schweizerischen Bestseller-Autoren, Fernsehproduzenten und Philosophen. Hier verbreitet er seine Ideen. Auf den Tischen liegen Bücher mit Titeln wie School of Life: Wie wir Identität über unser Leben erschaffen »Wer bin ich eigentlich?« und Hefter mit Texten von Nietzsche und Kierkegaard. Auch Auszüge aus de Bottons Büchern sind darunter – das ist sicher gut gemeint, aber natürlich auch gezielte Vermarktung.

Wie tickt der Pop-Philosoph?

Während ich durch die ausliegenden Werke blättere, kommt mir die Einschätzung seines härtesten Kritikers in den Sinn (der streitbare Kolumnist Charlie Brooker), der Botton einmal einen »rotlippigen Pop-Philosophen, der eine lukrative Karriere daraus geschmiedet hat, das Offensichtliche darzulegen« Im Guardian 2005 nannte.