Ist Deutschland schon eine Steueroase?

Gestern Abend wurde das neue Ranking zur weltweiten Schattenfinanzierung veröffentlicht. Deutschland hat sich einen neuen Spitzenplatz ergattert. Während die EU mit dem Finger auf kleine, sehr arme Länder zeigt, liegen die wirklichen Probleme woanders.

31. Januar 2018  5 Minuten

Jetzt können alle Superreichen im Land erst mal aufatmen: Im aktuellen Bericht des Netzwerks Steuergerechtigkeit ist die Bundesrepublik beim Der Schattenfinanzindex 2017 (englisch) internationalen Schattenfinanzindex um einen Platz nach oben geklettert und liegt jetzt an siebter Stelle. Damit sitzt sie satt und bequem mitten im Netz der sogenannten Schattenwirtschaft und lädt ein zu Steuertricks, Steuerhinterziehung und fraglichem wirtschaftlichen Verhalten seiner Eliten. Und das ganz ohne tropische Strände, die Schweizer Flagge oder Behörden aus Delaware. Der US-Bundesstaat Delaware ist »Briefkastenfirmen-Weltmeister« und gilt für die meisten Steueroasen der Welt als Vorbild für eine »erfolgreiche Steueroase«. Der Bundesstaat selbst ist laut eigener Angabe Hauptsitz für über eine Million Unternehmen. Wer sich fragt, wie die alle in den kleinen Staat passen, erhält zum Beispiel in einem kleinen Bürogebäude in der »1209 North Orange Street« Antwort: Dort sitzen über 285.000 (Briefkasten-)Firmen.

In den »Top 10« ist Deutschland in bester Gesellschaft bekannter Steueroasen wie den Kaimaninseln, Luxemburg und der kleinen Insel Guernsey im Ärmelkanal. Angeführt wird die Liste nach wie vor vom unangefochtenen »Rekordmeister« der Schattenfinanzen, der neutralen Schweiz. Den zweiten Platz belegt dieses Mal die wohl mächtigste Steueroase der Welt, die USA. Beim letzten Bericht vor 2 Jahren ging die Silbermedaille an Hong Kong.

Titelbild: Unsplash / Victor Smits - CC0

von Han Langeslag 

Han geht es um Verantwortung, denn unser Handeln hat heute mehr Einfluss auf das globale Geschehen als je zuvor. Sind wir darauf vorbereitet? Wie können wir überhaupt noch eine Übersicht über die komplexen Zusammenhänge bekommen? Fachlich reicht seine Perspektive als Wirtschaftswissenschaftler, Psychologe und Neurowissenschaftler vom Individuum bis hin zum globalen Handelssystem.

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