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Was wir gewinnen, wenn mittelmäßige Männer den Mund halten

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12 Minuten

Was wir gewinnen, wenn mittelmäßige Männer den Mund halten

5. Februar 2018
Themen:

Von Männern, die mir ungefragt die Welt erklären, kann nicht nur ich ein Liedchen singen. Ohne sie hätten wir kompetentere Regierungen, stabilere Banken und fairere Gerichtsurteile.



Seit gut 2 Monaten kann ich meiner unsäglichen Wut im Bauch ganz spontan freien Lauf lassen, wann immer ich will. Seitdem hängt ein Boxsack neben meinem Schreibtisch, die Handschuhe liegen daneben im Regal. Die Idee, mir den grauen Sack zu schenken, hatte ein Mann.

Ich habe mich noch nie als Feministin bezeichnet und finde den Begriff – wie viele andere auch – irgendwie anstrengend und ausgetreten, ein bisschen wie Nachhaltigkeit oder Innovation. In letzter Zeit komme ich aber ins Zweifeln.

Es ist zum Verzweifeln!

Angefangen hat es wohl mit der Podiumsdiskussion in der Stadtbücherei vor knapp 3 Jahren: Ich bin die einzige weibliche Teilnehmerin und mit Abstand die Jüngste in der Runde. Das genügt dem gestandenen Journalisten 2 Stühle weiter offenbar, mich zu duzen – nur mich. Irgendwie sollte er es als Homosexueller besser wissen, schießt es mir ganz Das wird man wohl noch sagen dürfen! (Oder?) politisch unkorrekt durch den Kopf. Aber er legt noch einen drauf und spricht an mich adressiert von »Blümchenjournalismus«. Wo ist der Boxsack, wenn man ihn braucht?

»Mädchen, verrenn dich nicht!« – ehemaliger Deutschlandradio-Intendant bei einem gemeinsamen Seminar an der Universität Münster

Weiter geht es in den nächsten Monaten mit diversen mittelalten Chefredakteuren und Dozenten, die mir immer wieder erklären wollen, wie Journalismus funktioniert – ja, wie Menschen generell funktionieren. Und dabei in regelmäßigen Abständen unter Beweis stellen, dass sie gerade Hier erfährst du, was es mit dem »Ignoranz-Gipfel« auf sich hat die Aussicht vom »Ignoranz-Gipfel« genießen und Frauen gern ungefragt die Welt erklären (also Mansplaining Damit ist ein bestimmtes Kommunikationsverhalten von Männern gemeint, bei dem sie sich im Gespräch mit Frauen so verhalten, als ob sie eine besondere Expertise für ein Thema hätten, obwohl das nicht der Fall ist. Hinzu kommt, dass das weibliche Gegenüber, das möglicherweise tatsächlich eine Expertin für das Thema ist, nicht zu Wort kommt. Mansplaining könnte auf Deutsch mit »Herrklären« übersetzt werden. praktizieren). Wie beim Boxen hauen sie immer voll drauf – nur anscheinend mit verbundenen Augen 2 Beispiele gefällig? Hier stellt Heribert Prantl aus der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung unter Beweis, dass er keine Ahnung von Konstruktivem Journalismus hat, und hier findest du die Antwort von meinem Mitgründer Han Langeslag und mir auf seine Unterstellungen; hier lässt uns Kai W. Zimmermann, Schweizer Journalist, Publizist und Unternehmensberater, wissen, wie Recherche nicht geht (auch auf seinen Kommentar hat unser Autor Frederik v. Paepcke geantwortet). – und Hier werde ich in den Kommentaren als »Millionenerbin« beschimpft beschimpfen mich wahlweise als Millionenerbin oder eben Blumenmädchen. Dass fachfremde Männer mich (als promovierte Neurowissenschaftlerin) auch in meinem eigenen Fachbereich belehren wollen, scheint ihnen nicht aufzufallen.

Den Vogel abgeschossen hat dabei vielleicht der Leiter einer Journalistenschule. Website zu meinem Seminar im Rahmen des Reporter-Workshops 2016 In einem Seminar, das ich beim Reporter-Workshop in Hamburg gebe, geht es um die Frage, was der Journalismus von den Neurowissenschaften lernen kann. Auf meine Zusammenfassung einiger Studienergebnisse zum menschlichen Verhalten lautet seine Antwort: »Das glaube ich nicht!«

Also: Ich habe mich noch nie als Feministin bezeichnet. Aber die einzige Gemeinsamkeit, die ich zwischen den Urhebern der genannten Anschuldigungen, Unterstellungen, ungefragten Vorträge und Tiraden feststellen kann, ist, dass sie alle Männer waren. Und das lässt mich zweifeln.

Denk an den Menschen, der dir zuletzt etwas erklärt hat, was du besser wusstest. – War er männlich? Ganz wichtig, und damit ich es auf jeden Fall gesagt habe: Damit gilt nicht automatisch, dass alle Männer sich Frauen gegenüber immer beschissen verhalten! Ich würde behaupten, dass die meisten Frauen viele Männer kennen, die ganz wunderbare, empathische Menschen sind. Vielleicht leiden diese Männer sogar selbst unter überheblichen Männern, die sich selbst für den Mittelpunkt des Universums halten und für die meisten Übel dieser Welt verantwortlich sind.

Der Fluch mittelmäßiger Männer

Beginnen wir mit der Frage der Kompetenz – oder der Überlappung von Selbstüberschätzung und Ahnungslosigkeit.

Frauen, die in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen Die Fächergruppe aus Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik wird mit MINT abgekürzt. (Das englische Äquivalent ist »STEM« für »science, technology, engineering and mathematics«. Fachkräfte aus dem MINT-Bereich werden in Forschung und Wirtschaft besonders gesucht. 40% (S. 339) der deutschen Studienanfänger entschieden sich 2015 für eines der MINT-Fächer, davon waren nur 28% weiblich. arbeiten, Zusammenfassgung der Ergebnisse zu Diskriminierung am Arbeitsplatz vom Pew Research Center (englisch, 2018) fühlen sich besonders häufig diskriminiert. Jede Zweite gibt an, in ihrem Berufsalltag aufgrund ihres Geschlechts diskriminiert zu werden. In Nicht-MINT-Berufen sind es 41%. Am häufigsten klagen sie über ungleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit im Vergleich zu männlichen Kollegen und über herablassendes Verhalten. So gibt jede dritte Mathematikerin, Physikerin oder Ingenieurin an, dass sie darunter leide, dass Kollegen sie behandeln, als sei sie inkompetent.

Die Menschen gehen automatisch davon aus, dass ich die Sekretärin bin oder eine weniger technische Aufgabe habe, weil ich weiblich bin. Das erschwert es mir, ein fachliches Netzwerk aufzubauen, um meine Arbeit erledigen zu können. Nicht ich werde gefragt, sondern meine männlichen Kollegen. – Technical Consultant, 36 Jahre Dabei ist häufig das Gegenteil der Fall:

  • Parlamente mit Frauenquote sind kompetenter: Zusammenfassung der Studie zu den Auswirkungen von Frauenquoten in Parlamenten von der London School of Economics (LSE) (englisch, 2017) Eine der wenigen Studien zur Wirkung von Frauenquoten auf die parlamentarische Kompetenz Die Wissenschaftler der Studie haben Kompetenz anhand von Einkommensvergleichen zwischen Menschen mit gleicher Ausbildung, Profession, Alter und Wohnort ermittelt. Sie argumentieren, dass ein »kompetenter Politiker« mehr verdient als der Median mit ähnlichen Charakteristiken. Der so ermittelte Kompetenzwert korreliert stark mit den Ergebnissen von Intelligenztests und Führungskompetenzen von ehemaligen Wehrdienstleistenden; auch politischer Erfolg und die Qualität der Leistungen korrelieren mit dem Wert. zeigt, dass eine Quote zu einem kompetenteren Parlament führt. Das liegt daran, dass die weniger kompetenten Parlamentarier ihren Platz für kompetentere Parlamentarierinnen räumen müssen.
  • Frauenvorstände sorgen für stabilere Banken: Working Paper des IMF zu Frauen und Bankvorständen (englisch, 2017) Sitzen im Bankvorstand mehr Frauen, ist die Bank stabiler – der Kapitalpuffer Sehr vereinfacht gesagt, ist dies zusätzliches Geld in der Kasse, das einer Bank bei Geldknappheit zur Sicherheit dient. Bei Banken handelt es sich beim grundlegendsten Kapitalpuffer um das Geld von Investoren und Teilhabern sowie von der Bank (durch Zinsen) erwirtschaftete Gewinne. ist größer, was wiederum andere relevante Stabilitätsfaktoren positiv beeinflusst. Die Gründe dafür sind noch nicht genau erforscht. Mögliche Kandidaten sind Risikoaversität, höhere Qualifikation aufgrund höheren Selektionsdrucks bei den Frauen und das Einbringen von verschiedenen Perspektiven durch Frauen. Wie mehr Frauen im Team Ergebnisse von Gruppen positiv beeinflussen, habe ich hier mit Han Langeslag beleuchtet.
  • Frauen fördern eine bessere Wirtschaft: Würden in den USA prozentual genauso viele Frauen arbeiten wie in Norwegen – also 76% statt 67% –, würde das ein jährliches Plus beim Warum das BIP ausgedient hat, schreibt Han Langeslag hier Bruttosozialprodukt Ergebnisse der Kredit-Ratingagentur Standard & Poor’s (englisch, 2017) von knapp 1,3 Billionen Euro bedeuten. Mehr Hände sorgen aber nicht nur für mehr Einkommen der weiblichen Bevölkerung, sondern auch für mehr nachhaltige Investitionen, weil Frauen ihr Geld zum Beispiel öfter in langfristige Anlagen für die eigene und die Bildung der Kinder stecken. Mal ganz abgesehen davon, dass Studie zur Frage, wie (un-)männlich umweltfreundliches Verhalten ist (englisch, 2016) männliche Wesen sich durchschnittlich weniger umweltfreundlich verhalten als die weiblichen Vertreter – weil es unmännlich ist.
  • Mädchen kooperieren besser: Egal wo auf der Welt: Mädchen kooperieren besser als Jungs und erreichen eine höhere Punktzahl im sogenannten »kollaborativen Problemlösen«. Im Vergleich zur Fähigkeit eines Individuums, Probleme allein zu lösen, wird beim sogenannten »Collaborative problem solving« (CPS) untersucht, wie gut Individuen in der Lage sind, gemeinsam Probleme zu lösen, bei denen es keine offensichtliche Lösung gibt. Dabei wird beispielsweise gemessen, inwieweit die Teilnehmer Teilaufgaben verteilen und unterschiedliches Wissen sowie Lösungsvorschläge der Beteiligten berücksichtigen. Deutsche Übersetzung der OECD-Studie zum kollaborativen Problemlösen von Kindern weltweit (2015) Das äußert sich zum Beispiel darin, dass sie sich stärker für die Meinung anderer interessieren und für den Erfolg anderer einsetzen.

Und trotzdem sind Quoten in allen Länern hat die Gender Quotas Database (englisch) noch immer nur 23% aller Parlamentarier weltweit Frauen (in Deutschland sind es 36%), noch immer sind Warum Frauenquoten in den Chefetagen wichtig sind, erklärt Elke Benning-Rohnke in diesem Interview Frauen in den Chefetagen, Studie zu den Geschlechterdarstellungen in Film und Fernsehen in Deutschland (2017) Serien, Talkshows und bei Tageszeitungen dieser Welt unterrepräsentiert, eingelullt von männlicher Mittelmäßigkeit.

Woran liegt das? Haben die männlichen Kollegen dieser Welt – egal ob Chefredakteur oder Mathematiker – einfach das größere Selbstbewusstsein? Drückt sich das dadurch aus, dass sie – egal ob begründet oder nicht – Warum wir (zu) häufig denken, dass wir recht haben Dinge auch dann sagen, wenn sie wenig bis keine Ahnung haben? Und welche Rolle spielt dabei die Angst, den eigenen Platz zu verlieren – nicht nur den im Parlament, sondern überall in der Gesellschaft?

Männliche Gewalt ist der längste Krieg auf Erden.

Meine Handschuhe hämmern drauflos und der graublaue Boxsack an der silbernen Stahlkette schwenkt so weit aus, wie es geht. Denke ich. Bis ein Mann draufhaut. Ich bin wütend und komme über eine Frage nicht hinweg: Haben Männer in allen gesellschaftlichen Bereichen im Jahr 2018 noch immer die Oberhand, weil sie körperlich stärker sind?

Gewalt löst alle Probleme

Natürlich gibt es gewalttätige, aggressive Frauen, Gefängnisinsassinnen, weibliche Vergewaltiger und Kriegerinnen. Aber wenn uns die Geschichte und Gegenwart eines zeigt, ist es Folgendes:

Gewalt hat keine Rasse, keine Klasse, keine Religion oder Nationalität, aber sie hat ein Geschlecht. Der Geschlechter-Unterschied bei Aggression ist eines der robustesten und ältesten Ergebnisse in der Psychologie. – Rebecca Solnit, Autorin von »Men Explain Things to Me«

Die amerikanische Autorin Rebecca Solnit, der häufig fälschlicherweise die Erfindung des Begriffs #mansplaining zugeschrieben wird, Nach ihrem Aufsatz »Men Explain Things to Me« (englisch) wurde der Hashtag online von begeisterten Leserinnen genutzt und erreichte schnell internationale Popularität. beschreibt die männliche Gewalt als den »längsten Krieg« überhaupt. Zugleich beklagt sie, dass er nicht offen diskutiert wird, obwohl die Fakten auf dem Tisch liegen:

Wir haben in diesem Land [den USA] und auf dieser Erde so viele Vergewaltigungen und Gewalt gegen Frauen. Dennoch wird dies fast nie als eine zivilrechtliche oder menschenrechtliche Angelegenheit behandelt, oder als eine Krise, oder wenigstens ein Muster. […] Niemand erklärt dieser Art des Terrors den Krieg. – Rebecca Solnit, Autorin von »Men Explain Things to Me«

Und tatsächlich offenbart ein Blick auf ein paar Statistiken in fast erschreckender Deutlichkeit, wie männlich Gewalt ist:

Auch hier gilt nicht die Verallgemeinerung, dass alle Männer gewalttätig sind. Es geht auch nicht darum, sich genüsslich zurückzulehnen und Wie schnell uns die Anderen egal sind, habe ich hier mit Han Langeslag beschrieben mit dem Finger auf andere – in diesem Fall die Männer dieser Welt – zu zeigen. Wenn wir aber anerkennen, dass der Großteil der Gewalt von Männern ausgeht, können wir im nächsten und übernächsten Schritt fragen, wo diese Gewalt herkommt und wie wir sie vielleicht sogar verhindern können, auch im Interesse der Männer selbst. Denn auch wenn sie selbst Opfer von Gewalt werden, geht diese meistens von anderen Männern aus.

Sind Männer die schlechteren Menschen?

Mein rechtes Knie blutet, der linke Ellenbogen ist aufgekratzt – nicht vom Boxen, sondern vom Fußballspielen. Ich beiße die Zähne zusammen und spiele weiter. Schon in der Grundschule habe ich als einziges Mädchen mit den Jungs auf dem Schulhof und der Straße Fußball gespielt, später dann viele Jahre im Verein gegen andere Mädchen und Frauen. Wenn ich beim Cowboy- und Indianerspiel einmal an den Kirschbaum gebunden wurde, wollte ich viel lieber mit auf die Jagd gehen – nicht nur wegen der (Stock-)Pferde.

Ich selbst habe schon als Kind viele Geschlechterrollen spielerisch ignoriert. Doch sicher haben meine Eltern mich anders behandelt als meinen Bruder, auch aufgrund unserer Von einem, der auszog, um ihr Geschlecht zu leben, schreibt Gastautorin Jolinde Hüchtker hier unterschiedlichen Geschlechter.

Wollen wir verstehen, wo die männliche Gewalt herkommt, kommen wir um die wichtigste aller Fragen in der biologischen Psychologie nicht herum: Gene oder Erziehung?

Jetzt eine Abhandlung über Testosteron und den Einfluss von anderen Hormonen aufs menschliche Verhalten zu schreiben, bringt uns bei der Suche nach einer Antwort aber nicht weiter. Es sei denn, wir wollen Männer »verbieten«. Schauen wir also, was die Erziehung uns über die Ursachen verrät: Ein Teil dessen, was für uns erfolgreiche Männlichkeit ausmacht und wie wir diese weitergeben, scheint die Selbstüberschätzung und das herablassende Verhalten gegenüber Frauen zu fördern. Notfalls muss »Mann« sich die Frau eben mit Gewalt untertänig machen und sie bestrafen, wenn sie fordert, gehört zu werden, gesellschaftlich teilzunehmen oder gar Wie Macht zum Schurken macht, schreibe ich hier Macht zu übernehmen. Von Entwicklungspsychologen wissen wir, Das äußert sich später darin, dass Männer vor allem bei »männlichen« Aufgaben an Selbstüberschätzung leiden (englisch, 1997, Paywall) dass Jungs eher zu großer Selbstsicherheit tendieren und Mädchen zu Unsicherheit neigen – der perfekte Nährboden für #mansplaining also. Wir wissen aber auch:

Freundlichkeit und Güte hatten noch nie ein Geschlecht, ebenso wenig Empathie. – Rebecca Solnit, Autorin von »Men Explain Things to Me«

Wie kommen wir also dahin, dass Frauen für Jungs und Männer jederzeit und überall als ebenbürtig gelten? Keine fertigen Antworten, aber doch Hinweise geben diese Ergebnisse:

  • Töchter machen Richter zu Feministen: Männliche Richter, die eine Tochter bekommen, werden dadurch feministischer. Sie urteilen bei Geschlechterfragen häufiger zugunsten von Frauenrechten als Richter, die nur Söhne haben. Das ist Hier geht es zur Richter-Studie (englisch, 2015) das Ergebnis einer Studie mit amerikanischen Richtern, die empirisch zeigt: Auch Richter urteilen nicht unvoreingenommen, sondern lassen sich von ihren Gefühlen beeinflussen. Die Autoren der Studie nehmen für sich Anspruch, die erste empirische Studie veröffentlicht zu haben, die den Einfluss von Empathie auf Richterurteile belegt. Interessanterweise geht das positive Ergebnis vor allem auf die Veränderung von Richtern zurück, die Republikaner sind (im Vergleich zu Demokraten). Dass das Thema Empathie bei der Rechtsprechung an Relevanz gewinnt, zeigt zum Beispiel der Kurs »Die Rolle der Empathie für rechtliche Entscheidungsprozesse« der New York County Lawyers Association (englisch).
  • Töchter machen Chefs zu Feministen: Studie zur »Gender Paygap«, wenn Chefs eine Tochter bekommen (englisch, 2014) Als Wissenschaftler das Einkommen von mehr als 700.000 Dänen aus mehr als 6.000 Unternehmen verglichen, entdeckten sie ein Muster, das an die Ergebnisse der amerikanischen Richter erinnert. Kurz nach der Geburt einer Tochter Den größten Anstieg beobachteten die Wissenschaftler nach der Geburt einer Tochter, die gleichzeitig das erste Kind des Chefs war. Außerdem war der Effekt in kleineren Unternehmen mit bis zu 50 Angestellten am größten, vermutlich weil der Chef dort direkter mit seinen Mitarbeitern in Kontakt steht als in größeren Betrieben. tendierten männliche Geschäftsführer dazu, die Geschlechter-Einkommenslücke zu verringern – also Frauen besser und damit annähernd so zu bezahlen wie Männer.

Die Ergebnisse lassen vermuten, dass die Unterschiede – egal ob es um allgemeine Rechte oder Lohngefälle geht – weniger mit unserer Biologie und mehr mit sozialpsychologischen Faktoren zu tun haben. Studienergebnisse sind das eine, Beispiele aus dem Leben das andere. Was alle gemeinsam haben: Sie zeigen, wie wichtig es ist, dass Richter, Chefs, Männer und Menschen auf der ganzen Welt Über Bilder in unseren Köpfen schreibt Juliane Metzker hier Stereotype brechen und die eigene Perspektive (zum Beispiel durch die Geburt einer Tochter) und damit Hier kannst du mit deinem sprachlichen Rollenverständnis spielen ihr Rollenverständnis von Mann und Frau erweitern. Und weil es so viele inspirierende Beispiele aus dem echten Leben gibt, hier nur 3 aktuelle vom internationalen politischen Parkett:

»Ich bin schwanger, nicht arbeitsunfähig.« – Jacinda Ardern, neuseeländische Premierministerin
  • Die neuseeländische Premierministern Jacinda Ardern ist einen Monat länger im Amt als ihre isländische Kollegin. Nachdem sie kurz zuvor als frische Parteivorsitzende der Arbeiterpartei eine nationale Debatte zur Frage ausgelöst hatte, ob Frauen bei Einstellungsgesprächen nach ihrem Kinderwunsch befragt werden dürften, setzte sie im Januar 2018 noch einen drauf. Nach der pakistanischen Premierministerin Benazir Bhutto ist sie Artikel im Telegraph zu Jacinda Arderns Schwangerschaft (englisch, 2018) weltweit die zweite Regierungschefin, die während ihrer Amtszeit ein Kind bekommt. Sie ist die erste Regierungschefin, die schwanger eingeschworen wird, und die dritte im Amt, die ein Kind bekommt. Gemeinsam mit ihrem Partner Clarke Gayford feierte sie die Bekanntgabe der Schwangerschaft mit Hamburgern und Blumen vom »Laden um die Ecke«. Ihre Aussage, dass sie nur 6 Wochen Auszeit nehmen wolle, führte international zu Debatten. Weil Zeitungen auf der ganzen Welt darüber berichteten, sorgte sie so für eine regelrechte The Guardian berichtet über Jacinda Arderns Bekanntgabe ihrer Schwangerschaft (englisch, 2018) »Babymanie«.
  • Tammy Duckworths Geschichte ist der Stoff für Filme: Die 49-jährige US-Senatorin ist nicht nur die erste körperlich behinderte Senatorin – im Irakkrieg verlor sie bei einem Angriff auf ihren Helikopter beide Beine –, sondern Bericht über Tammy Duckworths Bekanntgabe ihrer Schwangerschaft in der Chicago Tribune (englisch, 2018) gehört auch zu den ersten asiatisch-amerikanischen Frauen im Kongress. Im Januar 2018 verkündete auch sie ihre Schwangerschaft und ihr zweites Kind wird das erste sein, das von einer Senatorin im Amt geboren wird.

Ich bin keine Senatorin, Premierministerin oder Kanzlerin. Und du wahrscheinlich auch nicht. Doch ein Zeichen setzen kann jeder, nicht nur weil es sich gut anfühlt, sondern weil es die Welt wirklich verändern kann. Überall gehen seit Donald Trumps Wahl Frauen und Männer für Frauen in »Women’s Marches« auf die Straße und haben damit vielleicht einen Einfluss auf unser Wahlverhalten. Nachdem die amerikanische Teaparty 2009 in Scharen durch die Städte zog, The Economist darüber, wie Proteste Wähler mobilisieren können (englisch, 2018) mobilisierte das 2,7–5,5 Millionen zusätzliche Wählerstimmen im Jahr 2010. Die Aufmärsche der Teaparty waren kleiner als die »Women’s Marches«.

Die Befreiung der Frauen wird oft als eine Bewegung skizziert, die beabsichtigt, in die Rechte von Männern einzugreifen oder ihnen die Macht zu nehmen, so als ob […] immer nur ein Geschlecht zu einem bestimmten Zeitpunkt frei und mächtig sein kann. Aber wir sind zusammen frei oder wir sind zusammen Sklaven. […] Wie viel mehr Zeit und Energie wir doch für andere wichtige Dinge hätten, wenn wir uns nicht so sehr ums Überleben kümmern müssten. – Rebecca Solnit, Autorin von »Men Explain Things to Me«

Wer noch nie auf so einen graublauen Sack eingeschlagen hat, weiß nicht, wie anstrengend das ist. Nach ein paar Punches schlägt das Herz schneller und die Wangen gewinnen an Farbe. In Wahrheit stammt die Idee für den Sack natürlich von mir. Besorgt hat ihn ein Mann, der mir aufmerksam zugehört hat.

Mit Illustrationen von Michael Szyszka für Perspective Daily

 

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