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Mit Tofu und Stinkefinger durch den Wahlkampf?

Freie Medien sind in einer Demokratie unerlässlich, insbesondere wenn Wahlen anstehen. Doch Sparzwänge in den Redaktionen, der allgegenwärtige Blick auf die Verkaufszahlen sowie der Einfluss von PR auf den Journalismus erschweren freie Berichterstattung. Wie kommen wir da wieder raus?

23. August 2016  8 Minuten

Erinnert sich noch jemand zufällig an den letzten Bundestagswahlkampf? Da ging es um die ganz großen Themen, die die Republik beschäftigten: Die »Pkw-Maut« Formal zwar vom Bundestag verabschiedet, ist zu bezweifeln, ob diese jemals kommen wird. Die EU-Kommission hat gegen Deutschland ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet, da die Gesetzgebung wohl gegen Europarecht verstößt. und der »Veggie-Day« Das Konzept brachten die Grünen im Wahlkampf ein. Es wurde binnen kurzer Zeit zur politischen Lachnummer in den Medien. Die politische Analyse der Grünen, wie von Winfried Kretschmann in Der ZEIT, ging sogar so weit, darin einen Grund für das schlechte Wahlergebnis der Grünen zu sehen: »Nehmen wir den Veggie-Day. Da wird eine Bevormundung auch noch mit einem Anglizismus ausgedrückt und zugleich infantilisiert. Mit so etwas geht man den Leuten auf die Nerven.« dominierten die Berichterstattung mindestens ebenso stark wie der SZ-Interview aus der Reihe »Sagen sie jetzt nichts« mit Peer Steinbrück Stinkefinger des glücklosen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück.

Nicht, dass es 2013 keine anderen Themen gegeben hätte. Allerdings sind NSU-Morde, NSA-Überwachung, soziale Gerechtigkeit oder die Frage, wohin Europa driftet, im Zweifelsfall komplexer und schwerer verdaulich, als die Frage, ob es mittwochs in der Kantine Schweinebraten geben sollte – hier kann auch der »unpolitische« Bürger problemlos andocken und sich echauffieren.