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Wie wir mit mehr CO2 das Klima (und das Eis) retten

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Wie wir mit mehr CO2 das Klima (und das Eis) retten

5. März 2018
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Für das Ozonloch sind Kühlschränke längst keine Bedrohung mehr. Für das Klima könnten sie aber verheerend werden. Helfen könnte ausgerechnet das »böse« CO2.



Herzlich willkommen in einer Utopie für den ganzen Planeten: Eine Gruppe bedeutender Staatschefs einigt sich auf ein Abkommen, das den Verbrauch von Gasen, die in der Erdatmosphäre großen Schaden anrichten, drastisch reduzieren soll. Das Besondere ist aber, dass den Versprechen tatsächlich auch Taten folgen: Die Staatsoberhäupter halten sich an die festen Quoten des Abkommens und erreichen ihr ambitioniertes Ziel.

Klingt zu schön, um wahr zu sein? Keineswegs: Das beschriebene Abkommen hat 2017 sein 30-jähriges Jubiläum gefeiert, die Rede ist vom Das Umweltbundesamt zum 30-jährigen Jubiläum des Montreal-Protokolls Montreal-Protokoll. Damit hat die Staatengemeinschaft Genau genommen wurde das Montreal-Protokoll 197-mal ratifiziert: von den 193 Mitgliedstaaten der UN, der EU, den Cookinseln, dem Heiligen Stuhl (Vatikanstadt) und Niue. die Ozonschicht gerettet und gezeigt, Studie zum heilenden Ozonloch (englisch, 2018, Paywall) dass die Menschheit auch großen drohenden Umweltkatastrophen begegnen kann. Die Gase, nennen wir sie Montreal-Gase, Die Montreal-Gase sind FCKW (Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe) und H-FCKW. Neben der Kühlung wurden sie auch in Isolationsschäumen, Aerosolsprays und als Lösungsmittel verwendet. die vor allem zum Betrieb von Kühlschränken, Klimaanlagen und anderen Kühlgeräten verwendet werden, sind weitestgehend abgeschafft.

Ozonretter – und verkannter Klimaschützer

Obwohl der Beschluss vor allem auf den Schutz der Ozonschicht abzielte, erweist er sich heute ganz nebenbei als die mit Abstand effektivste Maßnahme im Klimaschutz, die die Menschheit bisher hervorgebracht hat – und stellt den Schutz des Regenwaldes und die Energiewende in den Schatten. Denn die verbannten Montreal-Gase fressen nicht nur ein Loch in die Ozonschicht, sondern sind auch hochpotente Treibhausgase. Nicht alle Treibhausgase sind genau gleich gefährlich für das Weltklima. Um sie zu vergleichen, benutzt man das »Treibhauspotenzial«. CO2 dient hier als Referenz mit dem Wert 1. Das für die Erderwärmung relevanteste Montreal-Gas, FCKW-12, wirkt sich 11.547-mal stärker auf das Klima aus als CO2, hat also ein Treibhauspotenzial von 11.547.

Das Montreal-Protokoll ist die effektivste Maßnahme gegen den Klimawandel

Der Economist verglich 2014 verschiedene Maßnahmen gegen die globale Erwärmung anhand der eingesparten jährlichen Emissionen. Hier findest du eine Auswahl (Plätze 1, 2, 4, 5 und 7). Die angegebenen Werte sind Mittelwerte über verschiedene Zeiträume: Montreal-Protokoll (1989–2013), Wasserkraft weltweit (2010), 1-Kind-Politik China (2005), Andere Erneuerbare weltweit (2010), Schutz des Regenwaldes Brasilien (2005–2013).

Quelle: Economist (englisch, 2014)

Heute, 30 Jahre nach Unterzeichnung des Protokolls, wird das Problem mit den Kühlschrank-Gasen wieder aktuell. Denn die neuen Kältemittel, die die alten Montreal-Gase ersetzt haben, Im Montreal-Protokoll wurden die Montreal-Gase oder Kältemittel erster (FCKW) und zweiter Generation (H-FCKW) verbannt – erlaubt blieb die neuere dritte Generation (HFKW), die keinen Schaden in der Ozonschicht anrichtet. fressen zwar kein Loch mehr in die Ozonschicht. Zum Problem werden sie aber, weil auch sie starke Treibhausgase sind. Das Montreal-Protokoll war ein Erfolg für den Klimaschutz, obwohl alte Treibhausgase durch neue Treibhausgase ersetzt wurden: Während das für die globale Erwärmung relevanteste alte Kältemittel 11.547-mal stärker ist als CO2, ist das wichtigste neue Kältemittel »nur« 1.549-mal stärker. Dazu kommt, dass für viele Anwendungen der Montreal-Gase, zum Beispiel Aerosolsprays, Alternativen ohne Treibhausgase gefunden wurden. Und weil mit dem weltweit steigenden Wohlstand auch die Lust der neuen Mittelschicht auf kühle Getränke und klimatisierte Autofahrten steigt, verbreiten sie sich rasant.

Ein neues Abkommen ist bereits in der Mache. Aber warum sollte nicht ein zweites Mal funktionieren, was sich schon vor 30 Jahren bewährt hat? Ein neues Abkommen, das den Erfolg aus Montreal sogar noch übertreffen könnte, ist bereits in der Mache. Möglich macht das ausgerechnet die Mutter aller Treibhausgase: CO2. Das Gas könnte in den Klimaanlagen von morgen die Erderwärmung ausbremsen – und uns im doppelten Sinne vor dem Hitzekollaps retten.

Titelbild: ian dooley - CC0

 

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