12 Links

Hat Deutschland riesige Angst?

Gerade ist Deutschland sich nicht sicher, ob es fürchterliche Angst haben sollte. Die ungewisse Stimmung in der Gesellschaft hat viele Gründe – an jedem einzelnen können wir arbeiten.

12. August 2016  11 Minuten

Am Horizont stand ein Riese von so ungeheurer Größe, dass selbst das himmelhohe Gebirge »Die Krone der Welt« neben ihm wie ein Haufen Streichholzschachteln gewirkt hätte. Offenbar war er ein sehr alter Riese, denn er hatte einen langen weißen Bart, der ihm bis auf die Knie herabhing und merkwürdigerweise zu einem dicken Zopf geflochten war.

So beschreibt Michael Ende in seinem Jugendroman Michael Ende: »Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer«, Thienemann-Esslinger Verlag »Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer« den Scheinriesen im Sechzehnten Kapitel, in dem Jim Knopf eine wesentliche Erfahrung macht. Als der Held des Romans den Riesen erblickt, ist seine erste Reaktion: »Schnell fort, Lukas! Vielleicht hat er uns noch nicht gesehen!«

Jim Knopf hat Angst. In ihrer ursprünglichen Form ist Angst ein durchaus gesunder Schutzmechanismus, Warum es gefährlich ist, keine Angst zu haben, beschreibt Maren im zweiten Teil dieser Themenreihe. der uns vor Gefahren, wie Raubtieren oder eben einem womöglich menschenfressenden Riesen am Horizont, schützen soll. Nur gibt es in Deutschland keine Riesen, neben denen die Alpen oder der Harz wie Streichholzschachteln wirken.

Trotzdem gaben im Dezember 55% In den Vorjahren hatte der Anteil der Ängstlichen bei 28 bzw. 31% gelegen. Für 2016 erwarteten 79% der Befragten eine Rezession und ein weiteres Auseinanderdriften der europäischen Länder. Für die repräsentative Umfrage sprach das Hamburger Institut für Zukunftsfragen mit 2.000 Deutschen ab 14 Jahren. Das Institut wird vom Tabakkonzern British American Tobacco finanziert. der Befragten bei einer Repräsentative Umfrage vom Institut für Zukunftsfragen repräsentativen Umfrage an, mit Angst ins neue Jahr 2016 zu starten. Die Angst vor Terror stieg in den vergangenen Monaten konstant, laut ARD Deutschlandtrend August 2016 ARD Deutschlandtrend erreichte sie im August mit 76% Nach den Attentaten von Würzburg und Ansbach wuchs die Angst vor weiteren Anschlägen auf 76%. Im April (nach Brüssel) hatte sie bei 67% gelegen, im Dezember 2015 (nach Paris) bei 61%. Infratest Dimap hatte im Auftrag der ARD am 1. und 2. August insgesamt 1003 zufällig ausgesuchte Deutsche befragt. einen vorläufigen neuen Höchststand. Das hängt direkt mit den Ereignissen von Nizza, Würzburg, München, Reutlingen, Ansbach und Saint-Étienne-du-Rouvray 14. Juli, Nizza: Ein 31-jähriger Attentäter steuert einen Lkw die Mittelmeer-Promenade entlang und tötet dabei 85 Menschen. Der selbst ernannte IS reklamiert die Tat für sich, die Ermittler haben dazu bislang keine Hinweise. (Bericht der Deutschen Welle zu Todesopfern)

18. Juli, Würzburg: Ein 17-jähriger Geflüchteter attackiert Passagiere in einem Regionalzug mit einer Axt. Mehrere Menschen werden zum Teil schwer verletzt, der Attentäter wird auf der Flucht erschossen. (Hintergrund der Tagesschau zu Ermittlungen)

22. Juli, München: Ein 18-Jähriger tötet bei einem Amoklauf bei einem Münchner Einkaufszentrum 9 vornehmlich junge Menschen und danach sich selbst. (Hintergrund der tz zum Amoklauf)

24. Juli, Reutlingen: Ein 21-Jähriger tötet mit einem Dönermesser seine 45-jährige Kollegin. Nach aktuellem Ermittlungsstand liegt ein persönliches Motiv nahe. (Bericht der F.A.Z. zum Verhältnis von Täter und Opfer)

24. Juli, Ansbach: Ein 27-jähriger Geflüchteter zündet eine Bombe in seinem Rucksack vor einem Lokal, nachdem ihm der Zugang zu einem Festival verweigert worden war. Mehrere Menschen werden verletzt, der Attentäter stirbt. (Bericht des Tagesspiegel zu saudischen Hintermännern)

26. Juli, Saint-Étienne-du-Rouvray: Zwei 19-Jährige stürmen eine Kirche in der nordfranzösischen Kleinstadt, töten einen Priester und nehmen kurzzeitig Geiseln. Eine Verbindung zum IS gilt als wahrscheinlich. (Meldung der Tagesschau zu Festnahmen)
zusammen. Bei so einer Serie von Bluttaten kann es einem angst und bange werden. Wann ist das endgültig vorbei? Und warum nehmen wir unzusammenhängende Einzel-Ereignisse überhaupt als Serie wahr? Über das so genannte »Framing« Die Kommunikationswissenschaft spricht von »Framing«, wenn wir einen Sachverhalt in einen bestimmten Erklärungs-Rahmen einordnen: Innerhalb des Rahmens entsteht ein kohärentes Bild, Aspekte außerhalb werden weniger wichtig. der Ereignisse, ihre Auswirkung auf die Stimmung im Land, aber vor allem über Methoden zur kollektiven Angstbewältigung habe ich mit der promovierten Sozialpsychologin Beate Küpper gesprochen. Sie hat in Mönchengladbach an der Hochschule Niederrhein eine Professur für »Soziale Arbeit in Gruppen- und Konfliktsituationen« inne.