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So viel riskieren Journalisten für deine Nachrichten

Immer häufiger machen Terroristen, Mafiosi und manchmal auch Regierungen Jagd auf Journalisten. So versuchen Reporter, sich zu schützen.

20. März 2018  9 Minuten

Das Adrenalin steigt. Niemand auf der Ladefläche des Pick-ups sagt ein Wort, als der Kampfjet durch die Wolken bricht. Jetzt ist alles möglich. Die Fahrgäste ziehen die Köpfe ein. Sie wissen, dass die Luftwaffe des syrischen Machthabers Baschar Al-Assad diese Straße immer wieder bombardiert. In dem Fahrzeug sitzen junge Syrer mit Kalaschnikows, die einige Monate zuvor noch Ingenieurwesen oder Literatur studiert haben. Doch jetzt wollen sie kämpfen, gegen die eigene Regierung, in der nordsyrischen Stadt Aleppo.

»Was zur Hölle mache ich hier?«, fragt sich die US-amerikanische Journalistin Anna Therese Day, als sie sich mit den anderen auf dem Truck wegduckt. In diesem Moment verflucht sie ihre Entscheidung, aus den umkämpften Stadtteilen Aleppos berichten zu wollen. Sie ist 23 Jahre alt, nicht viel älter als die anderen Mitfahrer, und es ist ihr erster Einsatz als Kriegsreporterin in Syrien. Die Sekunden quälen. Als keine Bombe fällt, springen die Syrer um Day auf. Ihre Erleichterung bekommt eine Melodie und sie besingen aus voller Kehle ihr Überleben.

Ein Kampfflugzeug der syrischen Luftwaffe lässt am 17. November 2012 eine 227-Kilogramm-Freifallbombe über der Stadt Maraat al-Numan fallen. – Quelle: Freedom House CC BY-SA

Das war im Sommer 2012. Dass diese »Kids«, wie Anna Therese Day die jungen Syrer in ihrer Erzählung nennt, heute alle noch am Leben sind, ist unwahrscheinlich. Genauso unvorstellbar war für die junge Amerikanerin zu dem Zeitpunkt, dass sie weitere 6 Jahre lang über Die Netflix-Dokumentation »Die Weißhelme« zeigt, wie Krieg in Syrien aussieht (2016) den blutigen Krieg in Syrien berichten würde.

Heute ist Anna Therese Day mit ihren nur 29 Jahren bereits eine erfahrene Kriegsjournalistin. Noch vor dem Einsatz in Syrien berichtete sie 2011 aus dem libyschen Bürgerkrieg Im Zuge der Proteste des sogenannten Arabischen Frühlings begannen insbesondere junge Libyer am 17. Februar 2011 mit den Demonstrationen gegen den autoritären Machthaber Muammar Al-Gaddafi. Sie forderten zunächst eine neue Verfassung, Presse- und Meinungsfreiheit sowie eine generelle Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse. Als Gaddafi jedoch keinerlei Zugeständnisse machte, eskalierten die Proteste bis hin zu einem Bürgerkrieg, wobei sich Teile der politischen und militärischen Führung des Landes der Opposition anschlossen und im Osten des Landes einen nationalen Übergangsrat gründeten. Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete 2011 die Resolution 1973, welche einen internationalen Militäreinsatz in Libyen legitimierte. Die Intervention wurde von vielen Seiten als Regime-Change kritisiert, weil im Rahmen des eigentlichen Auftrags – Zivilisten zu schützen und Gewalt einzudämmen – aktiv den libyschen Rebellen der Sieg über das Gaddafi-Regime ermöglicht wurde. Nachdem Gaddafi am 20. Oktober unter immer noch ungeklärten Umständen getötet wurde, erklärte der Übergangsrat das Land am 23. Oktober für vollständig befreit. Bis heute gibt es in Libyen jedoch keine einheitliche Regierung; stattdessen herrschen in weiten Teilen des Landes unterschiedliche Gruppierungen, wobei nur die »Regierung der nationalen Einheit« unter Fayiz As-Sarradsch international anerkannt wird. und Anna Therese Days Bericht über die Verabredung zum Abendessen mit den Gotteskriegern an der syrisch-türkischen Grenze (englisch, 2013) aß mit Anhängern des sogenannten Islamischen Staats zu Abend, noch bevor Der libanesische Psychiater Joseph El-Khoury will den IS besser verstehen, um seine Ideologie zu schwächen (2017) die Terrormiliz ihre Schreckensherrschaft im Irak und in Syrien begann. Wegen ihrer Beiträge, die unter anderem auf dem arabischen Sender Al Jazeera ausgestrahlt wurden, landete Day 2017 auf der Hier geht es zu Anna Therese Days Eintrag auf der Forbes-Liste (englisch, 2017) »Die erfolgreichsten 30 unter 30«-Liste des amerikanischen Wirtschaftsmagazins Forbes.

Titelbild: wikicommons / Mstyslav Chernov - CC BY-SA

von Juliane Metzker 

Juliane schlägt den journalistischen Bogen zu Südwestasien und Nordafrika. Sie studierte Islamwissenschaften und arbeitete als freie Journalistin im Libanon. Durch die Konfrontation mit außereuropäischen Perspektiven ist ihr zurück in Deutschland klar geworden: Zwischen Münster und Beirut liegen gerade einmal 4.000 Kilometer. Das ist weniger Distanz als gedacht.

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