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Wenn wir »Danke« nicht nur sagen, sondern fühlen, sind wir zufriedener. 3 Zutaten für echte Dankbarkeit.

21. März 2018  11 Minuten

»Hast du nicht was vergessen?« Eine Frage, mit der wohl so ziemlich jede Mutter ihren Nachwuchs schon einmal gemaßregelt hat. Und so ruft die Tochter noch schnell »Daaanke!«, bevor sie sich genüsslich den Schokoladenkeks in den Mund stopft.

Schon als Kind wird uns das »Dankesagen« eingetrichtert. Es gehört zum guten Ton wie das Zauberwort »bitte« oder »Entschuldigung«. Schnell wird es zum Reflex im alltäglichen Geben und Nehmen, zu einer höflichen Selbstverständlichkeit, die vor allem dann auffällt, wenn sie fehlt. Doch im Nebenbei und Zwischendrin des Alltags kommt das echte Gefühl der Dankbarkeit oft zu kurz.

Dabei ist authentische, tiefe Dankbarkeit nicht nur ein Signal an unser Gegenüber. Vielmehr könnte sie – ganz egoistisch gesehen – der vielversprechendste Weg sein, um selbst zufriedener zu werden.

Mit Dankbarkeit zu mehr Zufriedenheit

Ein wichtiges Ziel für viele Menschen ist es, ihr persönliches Glück zu finden – oder es noch zu steigern. Doch obwohl immer neue Produkte, bunte Magazine und wissenschaftliche Ratgeber das zusätzliche Quäntchen Glück versprechen, scheint das Gefühl nach wie vor launisch und kurzlebig zu sein – wie wir selbst immer wieder im Alltagstrott bemerken.

Woher bekommen wir das zusätzliche Quäntchen Glück?

Dabei ist es eine irrige Vorstellung, dass Glück sich festhalten lässt. Glück meint kurzfristige, positive, wenn auch oft intensive Gefühlszustände. Glück ist im Kern flüchtig. Der Psychoanalytiker Hans-Otto Thomashoff erläutert im Interview den Unterschied zwischen Glück und Zufriedenheit (2014) Zufriedenheit hingegen ist eine Art positive Grundstimmung, von welcher aus wir guten wie schlechten Dingen begegnen können, die uns widerfahren.

Wie stark wir uns an neue Umstände – auch an die positiven – gewöhnen, erklärt die Forschung mit dem Prinzip der hedonistischen Adaption, »Hedonistisch« bezeichnet etwas, das mit Spaß, Lust oder Vergnügen zu tun hat. »Adaption« bedeutet Anpassung. das treffenderweise auch hedonistische Tretmühle genannt wird. Diese Studie vergleicht die Zufriedenheit von Lotteriegewinnern mit der von gelähmten Unfallopfern (englisch, 1978) Studien konnten zeigen, dass Menschen nach einschneidenden Erlebnissen, wie zum Beispiel einem großen Lottogewinn oder einer Wirbelsäulenverletzung, Dieses TED-Ed-Video illustriert die hedonistische Adaption (englisch, 2017) bereits nach einigen Monaten wieder ihr vorheriges Zufriedenheits-Level erreicht hatten.

Die Glücksforscherin Sonja Lyubomirsky hat herausgefunden, dass unser individuelles »Glückslevel« ca. zur Hälfte von vornherein genetisch festgelegt ist. Diese Studie erläutert die Zusammensetzung von Glück und wie Veränderung möglich ist (englisch, 2005) Die äußeren Umstände beeinflussen schätzungsweise gerade einmal 10%, während unsere Gedanken und unser Verhalten immerhin 40% beeinflussen sollen.

Beinahe die Hälfte unserer Zufriedenheit ist »hausgemacht«.

Wissenschaftler sprechen hier von einem Happiness Set Point, also einem Fixpunkt, um den unsere Zufriedenheit schwankt, von dem sie sich aber nicht allzu weit entfernt. Das klingt erst mal erschreckend. Wir können nicht an unseren Genen rütteln und oftmals nur bedingt unsere Umwelt ändern. Was ist, wenn unser genetischer Fixpunkt eher niedrig angelegt ist?

Dabei übersehen wir die gute Nachricht: Beinahe die Hälfte unserer Zufriedenheit ist »hausgemacht«, wir nehmen durch unser Verhalten und unsere Maren Urner erklärt hier, wie wir mit schlechten Gewohnheiten brechen Denkgewohnheiten Einfluss auf unsere Gefühlswelt. Und genau hier kommt Dankbarkeit ins Spiel …

So setzt sich Zufriedenheit zusammen

Das Diagramm zeigt, welchen Anteil unsere Gene, unsere Umwelt und unser Verhalten an unserer Zufriedenheit haben.

Quelle: Studie »Pursuing Happiness: The Architecture of Sustainable Change«

Die Frage ist also: Können wir unseren individuellen Happiness Set Point tatsächlich mit Dankbarkeit verschieben und so der hedonistischen Tretmühle entkommen?

Titelbild: Caroline Hernandez - CC0

von Katharina Ehmann 

Was macht dich krank, was hält dich gesund? Wie können wir uns selbst besser verstehen und welchen Einfluss hat jeder Einzelne – auf sich selbst, aber auch seine Umwelt? Diesen Fragen geht Katharina als Psychologin auf den Grund.

Themen:  Psychologie   Gesundheit   Gesellschaft  

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