Warum verweigern wir Organspendern ihren letzten Willen?

Jeden Tag sterben in Deutschland 3 Menschen, weil viele Organspender durchs Raster fallen. In Spanien funktioniert das besser: Dort wird 5-mal so häufig gespendet. Was können wir daraus lernen?

28. März 2018  9 Minuten

797. Gerade einmal so viele Menschen haben in Deutschland im Jahr 2017 Es ist Zeit, über den Tod zu reden, sagt Juliane Metzker hier nach ihrem Tod ihre Organe an Schwerkranke weitergegeben. Für ein Land mit mehr als 82 Millionen Einwohnern keine rühmliche Statistik. Pro Million Einwohner gab es weniger als 10 Spender, womit die internationale Voraussetzung für ein funktionierendes Organspendesystem nach jahrelangem Abwärtstrend erstmals unterschritten wurde.

Klare Sache also: Es gibt zu wenig Spendenwillige – oder?

Über 80% der Deutschen stehen einer Organspende generell positiv gegenüber, aber nur 1/3 hat einen Organspendeausweis.

So kann man es auch wieder nicht sagen. Denn trotz des Skandals um manipulierte Organvergabe 2012 Im Rahmen des 2012 bekannt gewordenen Organspendeskandals hatten Ärzte verschiedener Transplantationszentren die Unterlagen für Lebertransplantationen so manipuliert, dass Patienten des eigenen Zentrums bevorzugt wurden. Als Reaktion auf den Skandal wurde das Transplantationsgesetz transparenter gemacht und ein bundesweites Transplantationsregister eingeführt, sodass bewusste und systematische Falschangaben in Zukunft unterbunden bzw. härter geahndet werden können. stehen über 80% der Deutschen einer Organspende Representativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (2016) generell positiv gegenüber. Aber nur 1/3 der Deutschen hat einen Organspendeausweis. Demnach müsste es also entweder mit Desinteresse oder Bequemlichkeit zusammenhängen, dass die übrigen 2/3 nicht per Ausweis ihre Entscheidung für oder gegen eine Spende festhalten.

Nachdem diese desaströsen Zahlen Anfang 2018 öffentlich wurden, rückte eine vermeintlich einfache Lösung in den Fokus der Diskussion: Man müsse weg von der »Zustimmungslösung« und die Regelung bloß umdrehen. In der neuen »Widerspruchlösung« wäre dann jeder Spender, der sich nicht aktiv dagegen ausspricht. Bei der Widerspruchslösung wird jeder Bürger angeschrieben und nach seiner Entscheidung für oder gegen die Organspende gefragt. Wer nicht antwortet, gilt als Organspender. In Spanien, Italien, Norwegen, Schweden, Luxemburg oder Österreich gilt dieses Prinzip schon seit Längerem, Frankreich hat es 2017 eingeführt – und die Niederlande arbeiten zurzeit daran. Wie in Spanien etwa, wo man mit fast 47 Spendern pro Million Einwohner der weltweite Spitzenreiter bei Organspenden ist. Doch ist es wirklich so einfach? Schaut man genauer hin, zeigt sich, dass das Geheimnis des spanischen Organspendesystems eigentlich ganz woanders liegt.

Titelbild: TaylorHerring - CC BY-SA

von Chris Vielhaus 

Die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit hat wenig Reibungspotenzial: Wer würde schon ernsthaft behaupten, für weniger Gerechtigkeit zu sein? Chris zeigt, wie das konkreter geht. Dafür hat er erst Politik und Geschichte studiert und dann als Berater gearbeitet. Er macht die Bremsklötze ausfindig, die bei der Gesundheitsversorgung, Chancengleichheit und Bildung im Weg liegen – und räumt sie aus dem Weg!

Themen:  Gesundheit   Gesellschaft   Deutschland  

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