Beginnt hier der nächste afrikanische Aufbruch?

Der Senegal will ab dem Jahr 2035 kein Entwicklungsland mehr sein. Für die Regierung läuft vieles nach Plan – für die Bevölkerung auch?

Reportage - 12. April 2018  10 Minuten

Schon beim Landeanflug auf den Flughafen von Dakar, der Hauptstadt des Senegals, wird mir klar: Hier tut sich etwas! Als ich im Jahr 2014 zum letzten Mal hier war, landete ich noch auf dem alten Stadtflughafen. Jetzt schwebe ich auf den neuen Flughafen »Blaise Diagne« Blaise Diagne wurde im Jahr 1914 als erster Afrikaner in die französische Abgeordnetenkammer gewählt und war einer der einflussreichsten afrikanischen Politiker der Kolonialzeit. zu. Die für deutsche Verhältnisse in einer Rekordzeit von 10 Jahren gebaute Anlage glänzt noch wie neu. Das Projekt ist wichtiger Teil der Regierungsstrategie »Plan Sénégal Emergent«, »Plan für ein aufstrebendes Senegal« mit der der Senegal bis zum Jahr 2035 in »ein Schwellenland mit solidarischer Gesellschaft und Rechtsstaat« Eine allgemeingültige Definition für »Schwellenland« gibt es nicht. Auch die senegalesische Regierung nennt keine festen wirtschaftlichen Ziele. Stattdessen sieht das offizielle Strategiepapier eine »wirtschaftliche Transformation«, eine »deutliche Verbesserung der Lebensbedingungen« und eine »Konsolidierung des Rechtsstaats und des sozialen Friedens« vor. verwandelt werden soll.

Bei meinem letzten Besuch stand Die aktuelle Version des »Plan Sénégal Emergent« (französisch) dieser Plan noch ganz am Anfang. Heute, knapp 4 Jahre später, will ich eine erste Bilanz ziehen: Geht die Strategie der senegalesischen Regierung auf? Auf meinem Reiseplan stehen neben Dutzenden Interviews vor allem 3 Orte: Die Retortenstadt Diamniadiao, der Fischerstrand von Joal und ein Biobauer nahe Fatick.

Warum der Senegal wichtig ist

Der Senegal ist nicht das einzige afrikanische Entwicklungsland, das den Weg in die Wohlstandsgesellschaft sucht. Für mich ist es aber das vielleicht interessanteste, denn schaut man sich das Land und die Gesellschaft an, drängt sich die Frage auf: Wenn es hier nicht funktioniert, wo dann?

Titelbild: Peter Dörrie - copyright

von Peter Dörrie 

Es kann arrogant wirken, als Wohlstandskind die Frage zu stellen, warum es auf der Welt immer noch Krieg und Armut gibt. Zu einfach entsteht der Eindruck, man habe selbst alle Antworten parat. Als Entwicklungs-, Friedens- und Konfliktforscher findet Peter die Frage dennoch wichtig. Denn er geht immer davon aus, dass es mehr als eine Wahrheit gibt und die eigene am wenigsten zählt. Sein besonderes Interesse gilt Afrika. In 12 Ländern des Kontinents hat er bereits recherchiert.

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