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So isst du endlich gesund, lecker und günstig!

2. Mai 2018
Themen:

Alles, was du dafür brauchst, hast du schon. Doch auch zu viel, was ablenkt. Welche Leichen liegen in deiner Küche?



Vielleicht wusstest du es nicht, aber: Auch du hast sehr wahrscheinlich eine Profi-Küche zu Hause. Alle Werkzeuge, mit denen die Spitzenköche ihre Kreationen zaubern, liegen in deinen Küchenschränken.

Warum du das noch nicht gemerkt hast? Wahrscheinlich, weil du sie zugestellt hast mit Dingen, die dich ablenken, statt dich zu beflügeln. Gerätschaften, die dir die Sicht aufs Wesentliche verschränken und dir deine Freiheit nehmen.

Auch du hast eine Profi-Küche zu Hause. Fragt Das sagt zum Beispiel Andreas Schweiger (2017) man Profi-Köche, was man unbedingt braucht, um richtig gutes Essen zuzubereiten, ist das nicht viel: ein scharfes Messer, ein schweres Brett und 2 oder 3 stabile Pfannen und Töpfe.

Öffnet man hingegen die Küchenschränke der meisten Hobbyköche, lacht einen ein bunter großer Mix aus Küchengeräten an: Eierkocher, Reisgarer und Fritteuse. Mikrowelle, Einbau-Dampfgarer und Wärmeschublade. Apfelschäler, Strunk-Entferner und – Achtung, Wortunfall! – Eierschalensollbruchstellenverursacher.

Dem Ziel, günstig, gesund und lecker zu essen, bringt dich das Gerümpel wahrscheinlich kein bisschen näher. Das Gegenteil ist der Fall. Diese 3 Gründe sprechen dafür, sich von unnötigen Küchengeräten zu trennen.

1. Du hast Geld für gute Lebensmittel!

Es fängt bei der Knoblauchpresse für 6,99 Euro an, geht weiter mit dem Thermomix für 1.200 Euro und endet bei der Luxusküche für 20.000 Euro. Laut Branchenbericht sinken die Verkäufe im untersten Preissegment, die teureren Küchen legen dagegen ordentlich zu, berichtet die WeLT (2015) Seit Jahren geben die Deutschen immer mehr Geld für Küchen und teure Gerätschaften aus. Vertreter der Küchenbranche sprechen davon, dass sich die Küche längst zum neuen Statussymbol entwickelt hat.

Küche und Esszimmer verschmelzen und sind dazu noch ans offene Wohnzimmer angegliedert. (…) Also muss die Küche von heute nicht nur praktikabel und funktional sein, sondern auch schön und ansehnlich. – AMK-Geschäftsführer Kirk Mangels

Aber egal wie viel Geld du für deine Küchen-Ausstattung auf den Tisch legst: Wenn die teuren Einkäufe die Aufgaben nicht deutlich besser erledigen als die simple Grundausstattung, kannst du dir die Euros auch sparen. Knoblauch mit dem Messer zu schneiden oder zu zerdrücken, funktioniert seit Jahrhunderten, und das Frühstücksei gelingt auch prima im Wassertopf.

Alles, was du brauchst, um zu kochen wie ein Profi: Messer, Brett und Pfanne. So bleibt mehr Geld für Zutaten! – Quelle: Katie Smith

Das Gesparte kannst du endlich für Wichtigeres ausgeben: Jeder dritte Deutsche klagt darüber, dass das Geld nicht für eine gesunde Ernährung ausreicht, und hält gleichzeitig bessere Bedingungen in der Produktion der Zutaten für nötig, die in der Küche landen.

Lebensmittel mit Was Biolebensmittel wirklich bringen, habe ich hier aufgeschrieben (2017) Bio- und Warum Schokolade ohne Siegel ein Tabu sein sollte, erklärt Maren Urner hier (2017) Fairtrade-Siegeln sind im Schnitt zwar etwas teurer, garantieren aber genau das.

2. Du hast mehr Zeit zum Kochen!

Deutschland kocht gern: 77% der Menschen im Land behaupten das von sich. Und trotzdem: Hier geht es zur Pressemitteilung des Meinungsforschungs-Instituts GfK (2015) Im internationalen Vergleich gehört Deutschland zu den Ländern, in denen die Menschen im Durchschnitt am wenigsten Zeit mit der Zubereitung frischer Mahlzeiten verbringen. Die Gründe, die die meisten dafür angeben, sind zu wenig Zeit, Ruhe und Geduld.

Für gesündere Ernährung fehlt vor allem Zeit!

Diese Gründe geben Menschen dafür an, sich nicht gesünder ernähren zu können (% aller Befragten)

Quelle: "Iss was, Deutschland", Techniker Krankenkasse

Auswählen, einkaufen, ausprobieren, reinigen, instandhalten: Ein neues Gerät gut in die Küche zu integrieren, dauert. In derselben Zeit hättest du längst nicht nur ein neues Rezept ausprobiert, sondern mehr als einmal mit Messer, Brett und Topf frische und gesunde Mahlzeiten zubereitet.

3. Du lernst dein Essen kennen!

»Mir fehlt es an Wissen und Können, um mich besser zu ernähren!« – immerhin rund jeder vierte Deutsche stimmt dieser Aussage zu. Kein Wunder, wenn die Gedanken um den richtigen Gebrauch und die optimale Funktion des Thermomix kreisen und jede zweite Tätigkeit mit einem neuen Gerät ausgeführt wird.

Bis das Fingerspitzengefühl bis in die Messerspitze reicht. Der echte Kochlehrling dagegen legt das Küchenmesser so selten aus der Hand, dass das Fingerspitzengefühl schon bald bis in die Messerspitze reicht. Ob Schälen, Hacken oder Schneiden, mit den richtigen Fertigkeiten werden die einfachen Werkzeuge zu Allzweckwaffen.

Dasselbe gilt für die Lebensmittel: Kneten, Mischen und Waschen setzen dich in Berührung mit deinem Essen, du lernst seine Konsistenz und seinen Geruch kennen. Und so weißt du auch, wann es in Topf oder Pfanne an dem Punkt ist, an dem du es haben möchtest. Dieses Gefühl für dein Essen kann kein Knopf ersetzen.

Auch bei der Umwelt brennt weniger an

Mit dem Blick frei für das Wesentliche in der Küche hast du nicht nur keine Ausrede mehr, dich nicht gesund, lecker und günstig zu ernähren – du tust auch noch dem Planeten einen Gefallen:

  • Unnötiger Ressourcenverbrauch: Mit Kupfer, Kobalt und Co. stecken in jedem elektrischen Küchenhelfer eine Menge wertvoller Rohstoffe, die zum Teil unter Bedingungen gefördert werden, die den Menschen und der Umwelt vor Ort zusetzen. Einige dieser Rohstoffe könnten auch irgendwann knapp werden – wenn wir sie in unseren Küchenschränken einlagern, fehlen sie anderen irgendwann für wirklich wichtige Anwendungen, vielleicht in der Medizin oder Kommunikation.
  • Unnötiger Energieverbrauch: Manche Geräte können dabei helfen, die Stromkosten zu senken. Wo genau die Grenze liegt, hat der Bayrische Rundfunk erkundet (2016) Ein Wasserkocher etwa braucht in der Regel weniger Strom, um eine Tasse Tee zu kochen, als ein Elektroherd. Bis aber die Energie eingespart ist, die zur Herstellung des Geräts nötig ist, können Monate und Jahre intensiver Nutzung vergehen. Oft übernehmen Küchengeräte aber auch Arbeiten, die wir ebenso von Hand erledigen können. Teig kneten, Brot schneiden oder Kräuter hacken: Das geht völlig problemlos auch ohne Kabel und Stecker.

Natürlich muss deine Küche nicht aussehen wie aus einem Bildband über japanischen Minimalismus. Wenn du deine Popcornmaschine liebst und sie für die besten Momente beim Filmabend sorgt – behalte sie! Wenn du bei Familie und Nachbarschaft für deine leckeren Kuchen bekannt bist, muss dein Ruf nicht leiden, nur weil du überambitioniert den Knethaken entsorgt hast.

Aber der ganze Rest hält dich vor allem davon ab, dich gut sowie gesund zu ernähren und gehört am besten erst gar nicht angeschafft. Das macht den Blick frei für gutes Essen.

Dieser Text ist Teil unserer Reihe zum Thema Dinge, die die Welt nicht braucht.

Weitere Informationen zu dieser Förderung findest du hier!

Titelbild: Adrian Szymanski - copyright

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