Macht endlich Schluss! Warum sich Kirche und Staat trennen sollten

In Bayern sollen Kreuze in alle Amtsstuben. Dabei sind Kirche und Staat schon jetzt ein unheilvolles Paar.

Kommentar - 4. Mai 2018  8 Minuten

Ich schwöre, das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und alle in der Bundesrepublik geltenden Gesetze zu wahren und meine Amtspflichten gewissenhaft zu erfüllen, so wahr mir die Vernunft helfe.

So könnte der Amtseid für Beamte im Deutschland der Zukunft lauten.

In der Realität des Jahres 2018 gibt das Bundesbeamtengesetz allerdings noch einen anderen Standard für die Schlussformel vor. Angehende Lehrer, Polizistinnen oder Ärzte beschwören nicht die Kraft der Vernunft – sondern die Hilfe von Gott. Der Eid kann auch ohne diese Worte geleistet werden. Der im Bundesbeamtengesetz festgehaltene Standard kommt aber mit Gottesbezug. Wie kann das sein in einem Staat, der sich als weltanschaulich neutral begreift?

Aber ein solcher Staat ist Deutschland auch gar nicht. Zumindest kam es mir nicht so vor, als ich aufgewachsen bin. »Bist du evangelisch oder katholisch?«, war in der Grundschule eine gängige Frage, um Zugehörigkeiten zu klären.

Kinderbibeln und Kirchenkalender gibt es an jeder deutschen Grundschule. – Quelle: Carolin Kaiser copyright

Dass ich weder in die eine noch in die andere Schublade passte und als Antwort trotzig »Ich bin nichts!« murmelte, passte nicht in die sorgfältig sortierte Welt dieses Landkreises. »Dann bist du Heidin!«, schallte es mehr als einmal zurück. Anfang der 1990er-Jahre war ich das einzige Kind an meiner baden-württembergischen Grundschule, das nicht am Religionsunterricht teilnahm – und wahrscheinlich auch das einzige Kind, das nicht getauft war. Mir war die Extrawurst unangenehm.

In den kommenden Jahren versuchte ich immer mal wieder, mich anzupassen. Ich wollte in die Jungschar, besuchte ein Jahr lang den evangelischen Religionsunterricht und überlegte sogar, ob der mit einer Konfirmation einhergehende Geldsegen und die »Konfi-Freizeiten« nicht eine Taufe wert wären. Die unheimlichen Bilder in der Kinderbibel, die Kirche, die wie eine strenge Autorität auf einem Hügel im Dorf thronte, das Kreuz, die Rituale – das Christentum hat mich nie angesprochen, schon als Kind nicht. Aber ich wollte dazugehören. In diesem inneren Kampf spielte die Kirche eine Rolle. Sie erschien wie der omnipräsente Club, in dem alle Mitglied waren, nur ich nicht.

Titelbild: Federica Galli / Unplash - CC0

von Katharina Wiegmann 

Katharina interessiert sich dafür, was Gesellschaften bewegt. Sie hat da ein paar Fragen: Wer bestimmt die Regeln? Welche Ideen stehen im Wettstreit miteinander? Wie werden aus Konflikten Kompromisse? Einer Sache ist sie sich allerdings sicher: Nichts muss bleiben, wie es ist. Bei Perspective Daily schreibt sie über Menschen und Ideen, die den Status quo herausfordern. Katharina hat Politikwissenschaft und Philosophie in München und Prag studiert, inklusive kurzer Ausflüge in die Soziologie und Geschichtswissenschaft.

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