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Diese 3 globalen Trends könnten die Erde retten

18. Mai 2018
Themen:

Ende des Jahrhunderts werden wir fast alle in Städten leben. Die Landflucht läutet ein völlig neues Zeitalter für die Menschheit ein – und eine große Chance für die Natur.



Die Nächte verliefen immer gleich: 2 Stunden, bevor die Gezeitentabelle für die Nacht Hochwasser vorhersagte, schnürte ich die Stiefel und machte mich auf, unter klarem Sternenhimmel den Strand an der mittelamerikanischen Pazifikküste entlang zu stapfen. In guten Nächten hatte ich 1- oder 2-mal Glück: Dann war ich der Erste, der eine der nistenden Meeresschildkröten bei der Eiablage entdeckte, ihre knapp 100 tischtennisballgroßen Eier direkt eintütete und in der nahegelegenen Aufzuchtstation wieder verbuddelte. Meinen Zivildienst habe ich bei der Wildschutzorganisation ARCAS in Guatemala geleistet. Im Schildkrötenprogramm sammeln die Helfer die Eier am Strand und bringen sie in sichere Aufzuchtstationen, bevor sie von Wilderern erbeutet werden. Für die Wilderer, die zumeist aus den lokalen Dörfern stammen, ist der Verkauf der Eier eine lukrative Einkommensquelle, auf die sie zum Teil angewiesen sind. Trotz des gegensätzlichen Interesses herrscht zwischen den Naturschützern und den Wilderern ein eher freundschaftliches Verhältnis.

Die meisten Eier nahmen jedoch einen anderen Weg: In den Taschen der Männer, die ich auf der nächtlichen Strandpatrouille noch freundlich gegrüßt hatte – man kannte sich –, gelangten sie in die Küchen wohlhabender Hauptstadtbewohner. Diese trinken die Eier bevorzugt mit Orangensaft als »potenzsteigerndes« Mittel – und verhindern so, dass sich die Schildkröten selbst fortpflanzen können.

Die Globalisierung stellt alles in den Schatten

Diese 10 Jahre alte Geschichte kommt mir in den Sinn, als Joe Walston, Vize-Präsident der New Yorker Hier geht’s zur Homepage der Wildlife Conservation Society (englisch) Wildlife Conservation Society, mir über Skype Folgendes sagt:

Wir Umweltschützer denken vor allem darüber nach, was wir tun, was unser Handeln bewirkt. Das ist alles großartig und hat einen hohen Wert, ich mache das ja selbst. Der Punkt ist aber: Die Kraft der globalen Veränderungen ist heute so enorm, dass sie alles, was wir tun, in den Schatten stellt.

Joe Walston denkt, dass die Natur gegen Ende des Jahrhunderts eine Renaissance erleben könnte. – Quelle: Julie Larsen Maher / WCS copyright

Auf jedes Ei, das ich damals rettete, kamen wohl 10 Eier, die die Dorfbewohner trotz besseren Wissens wilderten und verkauften. Es war genau das, was Walston mir jetzt beschreibt: Gegen die Kraft der Armut, die Millionen Menschen zu umweltschädlichem Handeln zwingt, können auch 1.000 wohlmeinende Gastautorin Isabell Ullrich hat Erfahrung mit Entwicklungshilfe auf Freiwilligenbasis. Sie weiß, worauf es ankommt, wenn man nicht zur Last werden will Zivildienstleistende wenig ausrichten.

Deshalb müssen wir zuerst anerkennen, dass diese Veränderungen existieren, und verstehen, wie sie funktionieren. Und das Zweite, was wir dann ganz konkret tun müssen: dafür sorgen, dass unsere Städte funktionieren!

Was haben Städte mit Schildkröten und Naturschutz zu tun? Sehr viel – so die Hauptaussage des Hier geht’s zum wissenschaftlichen Artikel »From Bottleneck to Breakthrough« (englisch, 2018) Aufsatzes, den Joe Walston und seine Kollegen gerade veröffentlicht haben und der unter Umweltschützern für Aufsehen sorgt.

Ihre These: Die großen 3 Kräfte, die Umweltschutz heute so schwierig und überhaupt erst nötig machen, die zum Artensterben und zur Rohstoffausbeutung führen, sind

Titelbild: James Zwadlo / Aurelien Designatic - CC0

 

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