So sehen Revolutionssieger aus

Armeniens Bürger haben klargestellt, wer im Land das Sagen hat. Mit Flashmobs, viel Liebe für die Polizei – und einer gesunden Portion Populismus.

Reportage - 24. Mai 2018  10 Minuten

Feuerwerkskörper explodieren und weißes Konfetti rieselt vom Himmel, als das Ergebnis verkündet wird. Eine Gruppe Trommler schlängelt sich durch das Meer aus rot-blau-orangen Fahnen, die die Menschen vor einer riesigen Leinwand schwenken. Szenen, wie man sie sonst von gewonnenen Fußball-Weltmeisterschaften oder dem Eurovision Song Contest kennt. Im Zentrum dieser Feier aber steht ein Mann, der noch vor 2 Wochen Bericht über Nikol Pashinjans Verhaftung (englisch (2018)) im Gefängnis saß – und gerade mit 59 zu 42 Stimmen vom armenischen Parlament zum neuen Premierminister gewählt wurde.

Wir befinden uns auf dem Platz der Republik in der armenischen Hauptstadt Jerewan, der gefeierte Held heißt Nikol Pashinjan. Der kleine Staat im südlichen Kaukasus hat in den letzten Wochen eine erstaunliche politische Kehrtwende vollzogen. Nach 11 Tagen ausnahmslos friedlicher Massenproteste, Streiks und Straßenblockaden legte der bisherige Regierungschef, Sersch Sargsjan, nur 6 Tage nach seiner Wahl das Amt nieder. Seine Worte:

Ich lag falsch. Nikol Pashinjan hatte Recht. Die Proteste richten sich gegen mich, deshalb werde ich zurücktreten. – Sersch Sargsjan

Was war geschehen?

Titelbild: Sam Morgan - copyright

von Felix Franz 

Felix Franz arbeitet als freier Journalist in Berlin für internationale Fernsehsender wie die BBC und schreibt Reportagen, wenn er unterwegs ist. Manchmal filmt er auch mit seinem Gimbal und kombiniert die unterschiedlichen Formate. Er interessiert sich für Demokratie, Gesellschaft und Umwelt.

Themen:  Osteuropa   Demokratie   Aktivismus  

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