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Wir haben unsere Meinung geändert!

Stur sein kann jeder. Dazulernen ist die Kunst! 7 Fälle, in denen uns das gelungen ist.

4. Juni 2018  10 Minuten

»Ich habe mich geirrt und meine Meinung geändert!« Wie viel Überwindung ein solcher Satz manchmal kosten kann, hat sicher jeder schon mal erfahren. Menschen halten lieber eisern an ihrer Meinung fest und glauben nicht immer an das, was richtig ist, sondern am liebsten an das, was mit dem eigenen Weltbild übereinstimmt.

Wie sähe eine Welt aus, in der sich nicht diejenigen durchsetzen, die auf Biegen und Brechen an ihrer Position festhalten? In ihr würde die größte Anerkennung denen zukommen, die offen sagen: »Ich habe etwas dazugelernt, mich weiterentwickelt – und nun eine neue Position!«

Um den Anfang zu machen, haben wir uns selbst gefragt: In welchem Bereich haben wir einen alten und festen Standpunkt verlassen? Und haben dabei vor allem eins gelernt: Die Gründe könnten unterschiedlicher kaum sein!

Illustration: Ronja Overländer copyright

Geschlechter sind mir (nicht mehr) egal

von Maren Urner

Ich war immer diejenige, die mit den Augen rollte, wenn es um die Rolle von Frau und Mann, Feminismus oder gar Gendern ging. Gerade in Berlin schreckten meine weiblichen Gegenüber auch mal zusammen, wenn ich von mir als »Neurowissenschaftler« ohne die Endung »-in« sprach. Mir war das irgendwie immer zu anstrengend, ich wollte lieber über Menschen nachdenken als über Was, wenn sich Mann oder Frau im falschen Körper fühlt?Geschlechter.

Aus dem Thema kommst du nicht mehr raus! In meiner Rolle als Gründerin von Perspective Daily begann ich dann, bei Veranstaltungen selbst darüber zu witzeln, mal wieder die »Quotenfrau« zu sein. Ich lernte, was es bedeutet, als Gründerin in einer männlich dominierten Start-up- und Chefredakteurs-Welt unterwegs zu sein. Als ich diese Erfahrungen auch in meinem Artikel Mein Artikel zum »Mansplaining« sorgte für einen Diskussionsrekord bei Perspective Daily»Was wir gewinnen, wenn mittelmäßige Männer den Mund halten« beschrieb, wurde mir durch die Reaktionen klar: Aus dem Thema kommst du nicht mehr raus!

Als Mensch, der immer für alles nach einer Datengrundlage sucht, arbeitete ich mich tiefer in das Thema ein. Mir wurde klar: Geschlechter(un)gleichheit ist nicht nur ein gesellschaftliches Mega-Problem, sondern auch eine Mega-Chance: Nichts entscheidet stärker darüber, ob ein Land sicher und friedlich ist, als die Rolle der Frau – je besser Frauen behandelt werden, desto sicherer das Land. Stärker noch: Demokratien mit hoher Gewalt gegen Frauen sind instabiler als nicht-demokratische Länder und je größer die Unterschiede zwischen Mann und Frau, desto wahrscheinlicher, dass das Land in inner- und zwischenstaatliche Konflikte involviert ist.

Egal ob es um die Volksgesundheit, das wirtschaftliche Wachstum, Korruption oder das Sozialwohl in einem Land geht – all diese Dinge werden am stärksten durch die Situation von Frauen vorhergesagt.Im Buch »Sex and World Peace« beschreiben die Autoren den Einfluss der Rolle der Frauen auf den Zustand eines Landes (englisch, 2014)Sex and World Peace

Aus experimentellen Das verrät uns die Wissenschaft über das perfekte TeamStudien wissen wir außerdem, dass Teams mit mehreren Frauen die besseren, langfristigeren Entscheidungen treffen. Experimentelle Studien zeigen, dass Einigungen nach Konflikten schneller auseinanderbrechen, wenn keine Frauen an den Verhandlungen beteiligt sind. Außerdem treffen Gruppen, die nur aus Männern bestehen, riskantere, aggressivere und weniger empathische Entscheidungen als gemischte Gruppen. Das sind 2 Phänomene, die auch bei interstaatlichen Konflikten eine wichtige Rolle spielen könnten. Ergebnisse der Kredit-Ratingagentur Standard & Poor’s (englisch, 2017)Sie geben Geld häufiger für Bildung und die Familie aus als Männer. Und Männer sehen umweltfreundliches Verhalten als »wenig männlich« (englisch, 2017)umweltfreundlicher sind sie auch noch. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

Das alles macht mich nicht zur »Männerhasserin« oder zur »Feministin« – sondern zu einem Menschen, der sich der Rolle des Geschlechts in der Gesellschaft mehr und mehr bewusst wird.

Illustration: Ronja Overländer copyright

Völlige Anarchie des Internets war einmal

von Dirk Walbrühl

Alles ist kostenlos, du kannst jederzeit alles haben: Bücher, Filme, Serien, digitale Spiele, ja sogar tausende Euro teure Programme für Profis – kein Problem. Geld spielt keine Rolle mehr und Wissen kennt keine Grenzen. Klingt das nicht zu schön, Warum wir keine Angst vor Utopien haben solltenum wahr zu sein?

Das ist jedenfalls die Idee hinter der Website Genau genommen handelt es sich bei ThePirateBay um einen BitTorrent-Tracker, also einen Server, der kollaboratives Teilen von Dateien über eine BitTorrent-Software möglich macht. Die Dateien liegen nicht auf dem ThePirateBay-Server, sondern verteilt auf Privatrechnern, von wo aus sie über die Software heruntergeladen werden können. Deshalb ist die dazugehörige Download-Software gleichzeitig auch mit der Upload-Funktion versehen. Hier geht es zur Website ThePirateBay (englisch)ThePirateBay, dem digitalen Flaggschiff für ein Internet ohne Regeln. Nach ihr hat sich auch die deutsche Piratenpartei benannt. Die PIRATEN sehen sich in Verwandtschaft mit einem internationalen Netzwerk von Piraten-Parteien. Dieses geht auf die schwedische Anti-Copyright-Organisation Piratbyrån (Piratenbüro) zurück, welche sich bereits im Jahr 2003 für Filesharing und gegen Copyright einsetzte und Demonstrationen veranstaltete. Mitglieder der Piratbyrån gründeten im November 2003 ThePirateBay. Dahinter steht der idealistische Kampf gegen die Macht der großen Medienkonzerne, die immer mehr Bereiche des Internets kontrollieren. In den Augen der Macher von ThePirateBay gängeln diese die Nutzer des World Wide Web, beschränken sein wahres Potenzial. Sie wünschen sich ein absolut freies Internet, ganz ohne Regeln und Regulierung.

Aber wäre die digitale Anarchie wirklich gut?

Wäre ThePirateBay legal Tatsächlich ist ThePirateBay in vielen Ländern mittlerweile mit IP-Sperren versehen, darunter Belgien, China und Österreich. und könnte jeder alles immer aufrufen und kopieren, wäre das eine Katastrophe für die Menschen, die die Inhalte erstellen. Wer würde etwa für Perspective Daily bezahlen? Oder für digitale Spiele? Eine Gratis-Kultur verleitet Anbieter nur dazu, auf fragwürdige Methoden zu setzen, um Geld zu verdienen – von aggressiver Werbung über den Verkauf der Nutzerdaten bis hin zu Glücksspiel-Mechaniken. Früher hätte ich das in Kauf genommen: »Die verdienen ja auch so schon genug.« Heute arbeite ich selbst für ein digitales Medienunternehmen und verstehe, wie schwierig es sein kann, sich in der digitalen Welt zu David Ehl schreibt hier, wie sich Online-Medien in Zukunft finanzierenfinanzieren. Natürlich bleibt es wichtig, Wie Behörden und Unternehmen eine 2-Klassen-Gesellschaft im Netz schaffendie Macht großer Internetkonzerne zu beschränken, doch ist es komplizierter als nur »böse Medienkonzerne gegen gute Verbraucher«.

Dazu verlagern sich immer größere Teile unserer Welt ins Digitale und benötigen Han Langeslag fragt hier: Bist du bereit, für ein wenig mehr Sicherheit ein wenig Freiheit aufzugeben?damit Regeln, Braucht Berlin ein Internetministerium? Dies wären die Vorteile und so könnte es aussehenSicherheit und Aufsicht – etwa beim Online-Banking oder für soziale Medien. Das Internet ist einfach zu zentral für zu viele Aspekte des Lebens geworden. Obwohl ich dem Traum einer totalen digitalen Freiheit nachtrauere, hat er sich für mich ausgeträumt.

Atomkraft? Wenn es sein muss!

von Felix Austen

»Atomkraft? Nein Danke!« Lange entsprach der alte Öko-Schlachtruf genau meiner Meinung: »Atomkraft ist schlecht, falsch und gehört deshalb sofort abgeschafft!« Noch in der Schulzeit schrieb ich meinem Großvater Briefe, wie er eine solch unverantwortliche Technik unterstützen und das Leben meiner Generation riskieren könne.

Noch in der Schulzeit schrieb ich meinem Großvater Briefe, wie er das Leben meiner Generation riskieren könne. Fakt ist: Atomkraft ist und bleibt eine unglaublich teure und gefährliche Energiequelle, die ohne Ich habe auch schon darüber geschrieben, wie der Staat den Klimawandel subventioniertmilliardenschwere Subventionen aus öffentlicher Hand überhaupt keine Rolle in unserem heutigen Energiesystem spielen würde. Das Umweltbundesamt rechnet vor, dass allein in die Erforschung der Kernenergie in Deutschland über 80 Milliarden Euro geflossen sind, in die Erforschung So könnte die Welt mit Energiewende schon in 10 Jahren aussehenErneuerbarer Energien hingegen nur 6 Milliarden Euro. Zusätzlich müssen Betreiber von Atomkraftwerken nicht für mögliche Schäden haften. Da diese im Falle eines Reaktorunfalls schnell in den nicht versicherbaren Bereich von Billionen Euro steigen könnten, wäre der Betrieb von Atomkraftwerken nicht möglich, wenn das Risiko nicht auf die Allgemeinheit übertragen würde. Spätestens der Unfall von Fukushima hat dem Großteil der deutschen Bevölkerung und der Bundesregierung klargemacht: Diese Technik ist nicht vollständig beherrschbar. Aber vielleicht ist Atomkraft doch das kleinere Übel.

Der entscheidende Punkt, der mich zum Beim Klimawandel kann sich jetzt keiner mehr rausreden, schreiben Maren Urner und Han LangeslagUmdenken gebracht hat, ist der Klimawandel. Ja, die CO2-Bilanz der Kernkraft ist Zu diesem Ergebnis kommt zum Beispiel der Wissenschaftliche Dienst des Bundestagesschlechter als bei Erneuerbaren Energien – vor allem wegen der aufwendigen Förderung und Aufbereitung des notwendigen Urans. Doch Atomstrom ist fürs Klima immer noch wesentlich besser als Kohlestrom.

Ich habe erkannt, dass die Menschheit mit dem Klimawandel vor einem Problem steht, das alles andere in den Schatten stellt.

Natürlich wäre ein Reaktorunfall eine Katastrophe für Millionen Menschen. Doch selbst das ist gegen eine Erderwärmung von 4 Grad Celsius oder 6 Grad Celsius nur das kleinere Übel. Milliarden Menschen würden an Krankheiten sterben, hungern oder in Fluten versinken. Wissenschaflter rechnen damit, dass sich das Klima um durchschnittlich bis zu 18 Grad Celsius erwärmen könnte, wenn wir alle fossilen Rohstoffe verbrennen, schreibt The Guardian (englisch, 2017)Und sie tun es schon heute.

Nicht falsch verstehen: Mit Erneuerbaren Energien stehen Alternativen bereit, die auch die Atomkraft schon sehr bald überflüssig machen. Um den Klimawandel zu bändigen, müssen wir allerdings nach jedem Strohhalm greifen, auch wenn es eine fragwürdige Technologie wie die Kernkraft ist. Also: »Atomkraft? Wenn es denn unbedingt sein muss!«

Illustration: Ronja Overländer copyright

Der ewige Konfliktstoff: Kopftuchverbot ja oder nein?

von Katharina Wiegmann

Das Kopftuch ist ein Symbol der Unterdrückung der Frau.

Diesen Satz hätte ich viele Jahre lang unterschrieben – und die Forderung nach einem Kopftuchverbot in Schulen, Gerichten und Ämtern wahrscheinlich gleich mit. Alice Schwarzer war die erste Feministin in meinem Bücherregal.

Heute halte ich nicht mehr viel von Symbolpolitik. Frauen, die sich für ein Kopftuch entscheiden, sind kein Symbol. Sie sind Individuen, deren Freiheit, Unversehrtheit und Schutz vor Diskriminierung genauso geachtet und verteidigt werden muss wie die einer jeden anderen Bürgerin. Und zwar in jede Richtung.

Frauen, die ein Kopftuch tragen sind kein Symbol. Sie sind Individuen. Symbolpolitik entmenschlicht. Es gibt einen Unterschied zwischen dem staatlich verordneten Kruzifix an der Wand einer bayerischen Grundschule und Lehrerinnen, die Kopftuch tragen (egal ob als Teil einer Nonnentracht oder des islamischen Hijabs). Die Lehrerinnen dienen dem Staat, aber sie sind nicht der Staat. Sie bleiben Menschen. Die Sorge, dass sie ihren Einfluss auf Kinder über Gebühr nutzen könnten, hat erst mal nichts mit ihrer Kopfbedeckung zu tun. Kein Lehrer kommt »neutral« in eine Klasse: Von Alt-68ern mit Zottelmähne und sorgfältig gescheitelten Wirtschaftsliberalen geht ebenso viel oder wenig Gefahr der Beeinflussung aus wie von Frauen mit Kopftuch.

Dass ich das lange Zeit nicht richtig begriffen habe, hat vielleicht auch damit zu tun, dass ich mich früher wenig Insbesondere diese Reise in den Iran hat mein Verhältnis zum Kopftuch verändertmit unterschiedlichen Kulturen, Glaubensrichtungen oder Lebensstilen auseinandersetzen musste. Warum meine Meinung sich geändert hat, weiß ich aber ganz genau: Mein Ideal ist eine freie, plurale Gesellschaft, in der jede sich so einbringen kann, wie sie ist. Dass darin jede Menge Konfliktstoff steckt, ist mir klar. Er sollte sich aber nicht auf den Köpfen von Frauen entzünden.

Illustration: Ronja Overländer copyright

Sympathie für Menschen mit extremen Weltbildern

von Dirk Walbrühl

Deutschland ist kein Staat und deshalb brauche ich auch keinen Führerschein.

Ein verrückter Satz, vor allem, wenn er ernst gemeint ist – wie etwa in der Hier liest du, wie es unter Reichsbürgern wirklich zugehtVerschwörungs-Szene der Reichsbürger. In dieser Wie Echokammern funktionieren und was du tun kannst, um aus ihnen auszubrechenEchokammer am rechtsextremen Rand unserer Gesellschaft tummeln sich abstruse Ansichten. Von der Sehnsucht nach einem deutschen Bürgerkrieg bis zur Hier erklären Maren Urner und Han Langeslag, warum Bullshit gefährlicher ist als jede LügeHolocaust-Leugnung ist alles dabei. Ich gebe zu: Lange habe ich auf Menschen mit solchen Weltbildern herabgesehen. Warum sich alternative Fakten so gut im Gedächtnis festsetzen, erfährst du hier von Maren Urner und Han LangeslagWas für Spinner! Ich weiß es einfach besser, habe in Geschichte aufgepasst und oft genug die Erfahrung gemacht, Der Fall eines Reichsbürgers, der bei einer Razzia 4 Polizisten verletzte, bei »Spiegel Online«dass Gewalt nur Verlierer kennt.

Uns vereint menschlich viel mehr, als uns ideologisch trennt. Dann kam Markus, ein Bekannter von mir, der in diese »Szene« abrutschte – und ich beschäftigte mich näher mit den Personen hinter den extremen Ideologien. Dabei musste ich einsehen: Uns vereint menschlich viel mehr, als uns ideologisch trennt. Auch verschwörungsgläubige Reichsbürger haben Hoffnungen und Ängste, die Wie Angst uns anspornen kann, beschreiben Maren Urner und Vito Avantario hierpsychologisch nachvollziehbar sind. Sie sind Mütter, die ihre Kinder lieben, und Familienväter, die am Wochenende am See grillen und Tretboot fahren.

Es ist sehr leicht, ganze Gesellschaftsgruppen aufzugeben, weil ihr Weltbild dem eigenen so fremd erscheint. Auch wenn ich Markus nicht aus seiner Reichsbürger-Echokammer befreien konnte, war der Versuch für mich sehr aufschlussreich. Seitdem bemühe ich mich mehr, die Menschen hinter den Ideologien zu erkennen – auch wenn es anstrengend ist. Denn wer das Weltbild einer Person mit ihr gleichsetzt und nur noch im Schema Wie wenig es braucht, damit uns »die Anderen« egal sind, zeigen uns Maren Urner und Han Langeslag hier»wir gegen die« denkt, befindet sich ebenfalls auf moralischem Glatteis – und bald in seiner eigenen Echokammer.

Fakten allein bringen nichts

von Han Langeslag

Wie schön wäre doch eine Gesellschaft, in der nur rationale Menschen leben. Sie treffen ihre Entscheidungen rein rational auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Und Warum es objektiven Journalismus nicht geben kannein »objektiver Journalismus« vermittelt ihnen dazu die Fakten.

Lange habe ich daran geglaubt, dass die Gesellschaft eines Tages so funktionieren könnte. Aber irgendwas stimmte nicht, denn viele Fakten – etwa über die Erderwärmung – Eine Metastudie zum wissenschaftlichen Konsens über den menschengemachten Klimawandel (englisch, 2016)sind ja theoretisch für jeden verfügbar. Und doch Ja, warum denken wir eigentlich häufig, dass wir Recht hätten?glauben manche Menschen nicht daran. Die zunehmende politische Polarisierung in Europa und den USA über irrationale Gefühle und Fake News ließ meinen Glauben an eine rein rationale Welt ganz schwinden.

Nicht die reinen Informationen sind entscheidend; es sind die Menschen und Geschichten, die die Informationen vermitteln. Ich musste einsehen: Aufklärung durch Fakten führt nicht immer dazu, Zusammen mit Maren Urner schreibe ich hier, warum uns unser Ego im Wege steht, um Wissen aufzunehmendie Fehler im eigenen Denken zu durchschauen. Nicht die reinen Informationen sind entscheidend; es sind die Menschen und Geschichten, die die Informationen vermitteln. Denn Informationen müssen irgendwie an ein bestehendes Weltbild andocken, damit sie auch in den Köpfen hängen bleiben. Warum »Rationalität« ein leerer Begriff istMenschen sind eben keine rein rationalen Wesen.

Das heißt aber nicht, dass Informationen unwichtig sind. Durch Journalisten gut kommuniziert und in Geschichten eingeordnet, kommen sie an – und tragen so verpackt dazu bei, Meinungen und Positionen zu überdenken.

Illustration: Ronja Overländer copyright

Menschen können sich doch ändern

von Niklas Bub

Menschen ändern sich nicht!

Davon war ich lange Zeit überzeugt. Das meiste steckt doch sowieso in unseren Genen, und sobald wir die 25 überschreiten, ist auch unsere Gehirn- und Hier kannst du die 5 grundlegenden Dimensionen deiner Persönlichkeit testenPersönlichkeitsentwicklung vorbei.

Zugegeben, ich war nicht immer zufrieden mit meiner Persönlichkeit. Am meisten störten mich meine Ängste und Sorgen über Kleinigkeiten, die es immer wieder schafften, mir den Tag zu vermiesen. Ich wollte etwas ändern, hatte aber wenig Hoffnung auf Erfolg.

Inspiriert von Hermann Hesses »Siddhartha« kannst du hier oder beim Buchhändler deines Vertrauens kaufenRoman über das Leben von Buddha Buddha bedeutet wörtlich übersetzt »der Erwachte« und ist zugleich der Ehrenname des indischen Religionsstifters Siddhartha Gautama, dessen Lehre die Weltreligion des Buddhismus begründete. Das erklärte Ziel jedes Buddhisten ist es, seinen eigenen Geist vollkommen zu entfalten und sich von allem Begehren loszusagen. Durch langjährige Meditation kann dieses Ziel erreicht werden, was dann als »Erwachen« bezeichnet wird. In der westlichen Welt wird das Meditieren jedoch eher wegen seiner beruhigenden, angstlösenden und konzentrationsfördernden Wirkung eingesetzt. begann ich mit dem Meditieren und merkte schnell, dass ich auf etwas gestoßen war, das das Potenzial hatte, meine Ängste und Sorgen maßgeblich zu reduzieren.

Während ich meditierte, gelang es mir, mein Denken und Fühlen wie aus der Vogelperspektive zu betrachten. Durch das Meditieren gelang es mir erstmals, meine Gedanken und Gefühle nüchterner zu reflektieren. Kamen früher Ängste in mir hoch, schnürte sich sofort meine Kehle zu und mein Herz fing wie wild an zu pochen. Also schnell die Ängste verdrängen, um sich nicht weiter mit ihnen beschäftigen zu müssen. Während ich meditierte, gelang es mir, mein Denken und Fühlen wie aus der Vogelperspektive zu betrachten – und dadurch auch zu ändern. Psychotherapie-Sitzungen funktionieren ganz ähnlich. Durch die neue Perspektive, die man mithilfe des Therapeuten gewinnt, wird es möglich, sich von den eigenen Emotionen zu distanzieren. Dann wird aus vormaliger Verdrängung oft Einsicht und der Veränderungsprozess kann beginnen.

Als Nächstes hieß es, mit meinen alten Gewohnheiten zu brechen und neue Maren Urner erklärt dir hier, wie du erfolgreich mit schlechten Gewohnheiten brechen kannstzu etablieren. Der wohl schwerste, aber auch wichtigste Schritt auf dem Weg zu Veränderung. Für mich hieß das ab sofort jeden Morgen mit einer Meditation in den Tag zu starten, um so meine Ängste und Sorgen endgültig loszuwerden.

Nein, nicht jeder muss nun mit dem Meditieren beginnen, aber jeder kann sich ändern! Denn unser Verhalten prägt uns mehr, als wir bisher angenommen haben. Dieser Auszug bespricht die in der Hirnforschung immer wichtiger werdende Rolle des Verhaltens (englisch, 2016)Die Ergebnisse zahlreicher Studien zeigen: Das menschliche Gehirn verändert sich Dass sich das Gehirn auch noch im Erwachsenenalter umstrukturieren lässt, zeigt diese Studie (englisch, 2004, Paywall)auch im höheren Alter noch und unser tägliches Verhalten hat darauf Wie unser Verhalten die Plastizität unseres Gehirns beeinflusst, zeigt diese Studie (englisch, 2011)einen großen Einfluss.

Mit Illustrationen von Ronja Overländer für Perspective Daily - copyright

von PD Team 
Uns ist wichtig, in der Redaktion gemeinsam zu arbeiten: In der Regel wird jeder Artikel während seiner Entstehung mit 3–4 Autorinnen und Autoren aus dem Team besprochen. Es gibt aber auch Texte, die in einer noch engeren Zusammenarbeit entstehen oder womit wir uns als Redaktion geschlossen positionieren wollen. Diese Texte stehen dann für das ganze Team von Perspective Daily.
Themen:  Psychologie   Gesellschaft  

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