Warum ich fürchte, dass Deutschland die Stabilität Europas gefährdet

Pleite-Griechen, Chaos-Italiener, Flüchtlingsverweigerer – die anderen machen alles falsch. Aber machen wir alles richtig?

Kommentar - 18. Juni 2018  7 Minuten

Alle paar Monate schlägt das europäische Establishment, das von den deutschen Medien und Berliner Politikern gesteuert wird, Alarm, dass ein weiteres Land sich ›aufzulehnen‹ beginnt: die Griechen, weil sie nicht sofort ihren gesamten Besitz verschleudern wollten; die Ungarn, weil sie von einer Demokratie ohne das Adjektiv ›liberal‹ geträumt haben; die Polen, weil sie auf Kaczyński gesetzt haben; die Österreicher, weil sie falsch gewählt haben; die Italiener, weil sie die Linke abgelehnt haben. Mit jedem Monat wird die Frage drängender, wie es möglich ist, dass nur Deutschland sich in der EU wohlfühlt. Der Kommentar von Karnowski im Wortlaut (polnisch) Michał Karnowski, Herausgeber des polnischen Internetportals Wpolityce.pl

Über diesen Kommentar eines polnischen Journalisten kann man sich wunderbar ärgern. Man kann anzweifeln, dass »die« Ungarn von einem Regierungschef träumen, der Hass sät. Dass die Mehrheit der jungen Polinnen ihre Zukunft zwischen Kirche, Kindern und Herd sieht. Die Wahlentscheidung der Italiener hat wohl mehr mit dem Versagen linker Parteien zu tun als mit der Ablehnung linker Ideen.

Aber in einem Punkt hat der Mann recht. Egal was in der Union los ist, aus deutscher Sicht sieht es so aus: Fehler machen nur die anderen. Griechenland ist überschuldet? Dann sollen die Pleite-Griechen den Gürtel mal schön enger schnallen. Der abwertende Begriff »Pleite-Griechen« wurde von der Berichterstattung der BILD zur Griechenland-Krise geprägt. Hier arbeitet der BILDblog die Kampagne auf.

Titelbild: Slon Dot Pics -

von Katharina Wiegmann 

Katharina interessiert sich dafür, was Gesellschaften bewegt. Sie hat da ein paar Fragen: Wer bestimmt die Regeln? Welche Ideen stehen im Wettstreit miteinander? Wie werden aus Konflikten Kompromisse? Einer Sache ist sie sich allerdings sicher: Nichts muss bleiben, wie es ist. Bei Perspective Daily schreibt sie über Menschen und Ideen, die den Status quo herausfordern. Katharina hat Politikwissenschaft und Philosophie in München und Prag studiert, inklusive kurzer Ausflüge in die Soziologie und Geschichtswissenschaft.

Themen:  Europa   EU-Politik   Deutschland  

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