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Machen Ballerspiele unsere Jugend aggressiv? Das ist die falsche Frage!

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Machen Ballerspiele unsere Jugend aggressiv? Das ist die falsche Frage!

20. Juni 2018
Themen:

Das müssen Eltern und Spieler über Gewalt am Bildschirm wissen – und du auch.



Das Blut spritzt, als die Kugel in den Kopf des feindlichen Soldaten einschlägt. Jetzt ist die Munition leer, Feinde sind aber noch genügend da. Vor der Spielekonsole auf dem Sofa sitzt ein Mädchen und wechselt gekonnt von der Pistole zum Kampfmesser – ihrer Lieblingswaffe. Neben ihrem digitalen Ich auf dem Bildschirm schlägt eine Granate ein. Die Szenerie sieht sehr realistisch aus. Da betritt der Vater das Wohnzimmer.

Ich habe dir doch gesagt, du sollst sowas nicht mehr spielen. Du bist 15! Dieses sinnlose Geballere macht dich nur aggressiv.

Ach, Papa. Computerspiele machen gar nicht aggressiv! Du versteht das nur nicht.

Dieser Streit ist alt. Wenn über digitale Spiele gesprochen wird, dann meist im Zusammenhang mit Gewalt. »Ballerspiele« »Ballerspiele« meinen im engeren Sinn sogenannte Ego-Shooter, in denen aus der Ich-Perspektive geschossen wird und die zentrale Handlung des Spiels der bewaffnete Kampf ist. Doch »Ballerspiel« ist in sich abwertend, denn der Begriff reduziert digitale Spiele auf einen Aspekt und ignoriert andere Elemente, die für Gamer reizvoll sind – von der Story im Singleplayer bis zum Teamspiel im Multiplayer-Modus. und »Killerspiele« »Killerspiele« sind kein Fachbegriff, weder in der Forschung noch unter Gamern. Der Begriff ist ein politisches Schlagwort, das vor allem während der Jahre 2005–2009 auftauchte, als das Wort im damaligen Koalitionsvertrag mit der Absicht eines Verbotes stand. Für Gamer ist »Killerspiele« seitdem ein direkter Angriff auf ihr Hobby und ein Ausweis des Nichtverständnisses seitens der Politik. Ein Verbot gibt es bis heute genauso wenig wie eine klare Definition. Erfunden wurde der Begriff wesentlich früher von Bayerns Innenminister Günther Beckstein im Jahr 1999. sind beliebte Schlagworte bei Ein Überblick der Instrumentalisierung von Gewaltspielen durch Politiker bei DerStandard.de (2018) Politikern, Journalisten und in der öffentlichen Debatte generell. Wenn wie nach dem Die Debatte nach dem Amoklauf in München bei der F.A.Z. (2016) Amoklauf in München im Jahr 2016 oder dem Donald Trump gibt Unterhaltungsmedien die Schuld am Amoklauf in Florida (2018) Anfang 2018 in Florida nach einem Schuldigen gesucht wird, werden auch Computer nach Gewaltspielen durchsucht. Das macht Erziehungsberechtigten natürlich Angst, während Spieler nur genervt mit den Augen rollen.

Titelbild: Dice - CC0

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