Warum der Mindestlohn auch dir ans Portemonnaie geht

Egal wie viel du verdienst: Solange wir keinen fairen Mindestlohn haben, subventionierst auch du Menschen, die trotz Arbeit kaum über die Runden kommen.

26. Juni 2018  9 Minuten

Anna hat einen Job, der sie fordert und bei dem sie sich kreativ ausleben kann. Die 8 Stunden vergehen meist wie im Flug und sie radelt nach Feierabend meist mit einem Lächeln los, um ihre 3-jährige Tochter bei der Oma abzuholen. Für ein Auto reichen die monatlichen 1.219 Euro Nettolohn nicht. Wohnen in der Großstadt: Ein Privileg für Besserverdiener? Das macht in Münster – wo ohnehin jeder Zweite mit dem Rad fährt – nichts. Auch für eine Stadtmiete reichen die nicht, sodass Anna in einem der umliegenden Dörfer zur Miete wohnt. Mit Nebenkosten gehen auch da für die Mietspiegel für die Stadt Münster (2018) 50 Quadratmeter mit 750 Euro mehr als die Hälfte ihres Einkommens drauf. Auch wenn sie als Alleinerziehende die 195 Euro Kindergeld dazurechnet.

Klischee? Nein. Denn die fiktive Anna bezieht wie fast 2 Millionen Menschen in Deutschland den Mindestlohn von 8,84 Euro pro Stunde. Sie heißt Anna und nicht André, weil von den 2 Millionen Statistisches Bundesamt – Mindestlöhne (2018) 2/3 weiblich sind, und sie hat ein Kind, weil jede fünfte Familie in Deutschland eine Ein-Eltern-Familie ist. 1/5 aller Familien in Deutschland sind Ein-Eltern-Familien. Diese Familien haben besonders häufig mit Geldnot zu kämpfen: Fast die Hälfte der Kinder in Haushalten von Alleinerziehenden (45%) sind von relativer Armut betroffen – und ihre Eltern mit ihnen.

Anna ist arm. Hier ist von finanzieller, relativer Armut die Rede: In Deutschland sprechen wir von relativer Armut, wenn ein Haushalt weniger als 60% des Einkommens aller Haushalte zur Verfügung hat – wie unsere fiktive Protagonistin Anna und ihre Tochter. Unsere Gastautorin Katharina Lüth berichtet hier, wie es ist, mit wenig Geld und Kind zu leben Trotz Arbeit. Würden wir das ändern, würden wir alle davon profitieren.

Mit Illustrationen von Isabell Altmaier für Perspective Daily

von Chris Vielhaus 

Die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit hat wenig Reibungspotenzial: Wer würde schon ernsthaft behaupten, für weniger Gerechtigkeit zu sein? Chris zeigt, wie das konkreter geht. Dafür hat er erst Politik und Geschichte studiert und dann als Berater gearbeitet. Er macht die Bremsklötze ausfindig, die bei der Gesundheitsversorgung, Chancengleichheit und Bildung im Weg liegen – und räumt sie aus dem Weg!

Themen:  Gerechtigkeit   Deutschland   Arbeit  

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