Bin ich schuld, wenn mein selbstfahrendes Auto einen Unfall baut?

Wer muss zahlen, wenn es kracht und ich meine Hände nicht am Steuer habe: der Programmierer, der Hersteller oder ich als Passagier?

29. Juni 2018  9 Minuten

Das Auto vor dir bremst plötzlich ab und dann kracht es. Das hat dir gerade noch gefehlt. Blechschaden! Vor diesem Auto eilt eine Radfahrerin davon, die vom Fahrer wohl fast übersehen wurde. Du selbst hattest keine Chance zu reagieren, denn deine Hände waren gar nicht am Lenkrad …

Denn du sitzt – im Gegensatz zum Fahrer vor dir – im Jahr 2020 in einem brandneuen Elektromobil mit semi-autonomem System. Ein semi-autonomes Fahrzeug kann in einzelnen Situationen die Kontrolle übernehmen, beispielsweise auf der Autobahn. Solche Autos werden bereits verkauft, allerdings müssen nach aktueller Rechtslage die Hände des Fahrers stets am Lenkrad sein. Statt selbst zu steuern, übernimmt das der Autopilot für dich. Der hält normalerweise nicht nur den richtigen Abstand und die ordnungsgemäße Geschwindigkeit ein, sondern lässt dein Fahrzeug auch in der richtigen Spur fahren. Und auch wenn selbstfahrende Autos in Deutschland aktuell noch nicht im Autohaus zum Verkauf stehen, gibt es keinen Autohersteller, der nicht aktiv genau daran forscht. Insgesamt funktionieren die autonomen Gefährte auch schon ziemlich gut.

Trotzdem verursachte im März 2018 ein selbstfahrendes Auto den ersten tödlichen Unfall. Im US-amerikanischen Bundesstaat Arizona überfuhr ein autonomes Fahrzeug der Firma Uber Uber ist ein US-amerikanisches Unternehmen, das nach eigenen Angaben Taxen obsolet machen will. An ihre Stelle treten private Fahrer, die der Kunde via Smartphone rufen kann. In den letzten Jahren und Monaten war das Unternehmen immer wieder durch negative Schlagzeilen aufgefallen. Beispielsweise endete ein Rechtsstreit im März 2018 damit, dass Uber 10 Millionen US-Dollar zahlte, nachdem Frauen und farbige Angestellte das Unternehmen wegen Diskriminierung verklagt hatten (englisch). Uber forscht intensiv an autonomen Fahrzeugen, um die menschlichen Fahrer durch eine autonome Flotte zu ersetzen.

Titelbild: pixabay -

von Maximilian Doré & Wartan Hofsepjan 

Maximilian Doré hat sich nach seinem Informatik-Studium in die Abgründe der Philosophie gewagt und beschäftigt sich jetzt vor allem mit Logik und Erkenntnistheorie. Er interessiert sich für neue Technologien und wie diese unser Zusammenleben verändern.

Wartan Hofsepjan studiert Jura und Philosophie an der Universität Mainz und arbeitet am Institut für Politikwissenschaft.

Themen:  Mobilität   Gerechtigkeit   Technik  

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