Den Wehrdienst will niemand zurückhaben. Trotzdem brauchen wir ein Pflichtjahr

Das ist ein krasser Eingriff in die Freiheit junger Menschen. Aber es gibt gute Gründe, die ihn rechtfertigen.

Kommentar - 8. August 2018  5 Minuten

Mein Zivildienst ist jetzt fast 10 Jahre her – und trotzdem denke ich noch häufig an die Zeit zurück. Das Wohnheim für Psychiatrie-Erfahrene Psychiatrie-Erfahrene sind Menschen, die in einer psychiatrischen Klinik in Behandlung waren. Häufig sind sie nach diesem Klinik-Aufenthalt weiter in Behandlung und auf Medikamente angewiesen, mit denen sie ein geregeltes Alltagsleben führen können. Je nach Grad der Erkrankung ist jedoch ihre Selbstständigkeit eingeschränkt. lag direkt auf meinem früheren Schulweg. Und doch hätte ich seine wunderbaren Bewohner nie kennengelernt, wenn der Staat mich nicht zum Wehrdienst gezwungen und ich diesen nicht verweigert hätte. Am liebsten waren mir die Spätdienste. Wenn es nach dem Abendessen ruhiger wurde im Wohnheim und nur noch der eine oder andere im Wohnzimmer blieb, um Karten zu zocken, Gitarre zu spielen oder einfach nur zu reden. Ich habe sogar noch auf 400-Euro-Basis um 3 Monate verlängert – und ärgerte mich, als Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Wehrpflicht im Jahr 2011 aussetzte: Stattdessen hätte er einen Zivildienst für Männer und Frauen einführen sollen, in dem man begründen muss, wenn man lieber zum Bund möchte.

Von der Debatte zum Gesetz

Erst einmal geht es nur darum, ob die CDU im Dezember ein Dienstjahr in ihr neues Grundsatzprogramm aufnehmen will. Wenn aus der Debatte jedoch mehrheitsfähige Ideen erwachsen, könnte eine Fraktion das Thema ins Parlament tragen, zum Beispiel in einer Aktuellen Stunde. Das ist ab dem 10. September möglich, wenn die Sommerpause des Bundestags endet.

Bildquelle: Michael Szyszka

Jetzt, 7 Jahre später, wünscht sich die CDU-Basis laut ihrer Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer den Wehrdienst zurück. Die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat diesem Wunsch zwar schon eine Absage erteilt, aber bis dahin hatten bereits einige Politiker aus beiden Regierungsparteien eine andere Idee ins Spiel gebracht: Jeder junge Erwachsene – im Jahr wären das etwas mehr als Bevölkerung nach Altersgruppen auf der Website des Statistischen Bundesamtes (2016) 800.000 – sollte ein Jahr lang etwas tun, was der Gesellschaft nützt. Einen Gesellschaftsdienst also.

Titelbild: Victor Rodvand - CC0

von David Ehl 

Wenn Zugvögel im Schwarm fliegen, beeinflusst jedes einzelne Tier die Richtung aller - das hat David bei einer Recherche gelernt. Sonst berichtet er eher über Menschen, stellt sich dabei aber eine ganz ähnliche Frage: Welche Rolle spielt der einzelne Wähler und Verbraucher, welchen Einfluss hat jeder von uns auf die Gesellschaft? David recherchiert gerne unterwegs, studiert hat er Musikmanagement, Englisch und Journalismus.

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