Hier gehen die Menschen zur Schule, denen der Staat nichts beibringen will

Das Schweizer Asylrecht wird immer schärfer. Diese autonome Schule kämpft dagegen an. Für Malek war sie die Rettung.

24. August 2018  10 Minuten

Draußen ist es bereits stockdunkel, doch im fünften Stock des ehemaligen Gebäudes der Zürcher Hochschule der Künste brennt noch Licht. Nur die dumpfen Schläge der Aikido-Klasse im Dachgeschoss erinnern daran, dass für die meisten Zürcher der Feierabend längst begonnen hat. In der Klasse »Deutsch-Konversation für Fortgeschrittene« hingegen herrscht noch volle Konzentration. Hier lernen Geflüchtete, besser Deutsch zu sprechen – der Grundpfeiler für die Integration. Auch an diesem Abend geht es aber längst nicht mehr nur um Vokabeln und Grammatik. Die Kursmoderatorin Anna Gonon bittet um Themenvorschläge. Mubarak, 37 Jahre alt und aus Eritrea, spricht mit leiser Stimme; bevor er ansetzt, scheint er jedes Wort einmal abzuwägen:

Ich will über die Zukunft sprechen. – Mubarak, Geflüchteter aus Eritrea

Quelle: Isabelle Daniel copyright

Mubaraks Flucht führte ihn von seiner Heimatstadt in Eritrea über den Sudan nach Tripolis und von dort Gastautorin Lisa Urlbauer erklärt hier, wie das glückliche Dänemark mit Geflüchteten umgeht nach Europa. Im Sommer 2015 gab er in der Schweiz seinen Fingerabdruck ab. Nach dem Asylrecht der Europäischen Union und dem sogenannten Dublin-Abkommen müssen EU- bzw. Schengen-Länder alle ankommenden Geflüchteten und Asylbewerber registrieren und ihre Fingerabdrücke nehmen. Als Schengen-Mitglied ist auch die Schweiz an das Dublin-System gebunden. Anschließend reiste er fast 2 Jahre lang durch das Land; immer wieder wurde er in verschiedene Heime verlegt. Dabei wollte er nur in Zürich leben, seitdem ihm ein Mitbewohner im Flüchtlingsheim vom einzigartigen Bildungsangebot der Autonomen Schule Zürich erzählt hatte.

Titelbild: Isabelle Daniel - copyright

von Isabelle Daniel 

Isabelle Daniel, Historikerin und freie Journalistin, promoviert zum Antisemitismus während der Weimarer Republik.

Themen:  Gesellschaft   Bildung  

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