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»Politik und Wissenschaft werden es nicht bringen. Jetzt sind die Juristen an der Reihe!«

Der Jurist und ehemalige Bundestagsabgeordnete Hermann Ott will Konzerne und Regierungen vor Gericht zum Klimaschutz zwingen. Denn die kommen ihrer wichtigsten Pflicht nicht nach.

6. September 2018  9 Minuten

Die Naturwissenschaft hat ganze Arbeit geleistet: Wir wissen fast alles über den Klimawandel, Umweltverschmutzung und die Zerstörung der Natur sind seit Jahrzehnten bis ins Detail vermessen. Geändert hat sich seitdem … viel zu wenig.

Deshalb fragen sich seit geraumer Zeit auch Soziologen und Psychologen: So auch der Pop-Soziologe Harald Welzer Wie müssen wir die Menschen ansprechen, damit sie ihr Verhalten ändern? Die Antworten sind da – aber sie brauchen Zeit.

Zeit, die wir bei einigen Entscheidungen nicht haben – etwa beim Ausstieg aus der Braunkohle. Deshalb ruft Hermann Ott jetzt eine neue Kraft auf den Plan, um den dringend nötigen Wandel voranzubringen: die Juristen. Die Gesetze seien längst da, sagt der ehemalige Bundestagsabgeordnete. Sie müssten nur eingehalten werden.

Deshalb hat er am 1. September in Berlin die Pforte des deutschen Büros der internationalen Umweltrechtsorganisation ClientEarth mit Sitz in London geöffnet – das fünfte Auslandsbüro nach Beijing, Brüssel, New York und Warschau. Die Nichtregierungs-Organisation »ClientEarth« sieht sich als Anwalt der Natur – und somit der Menschheit. Sie verklagt Staaten und Konzerne auf die Einhaltung bestehender Umweltverträge und -gesetze, zum Beispiel auf Luftreinhaltung in den Städten. Die Organisation zieht Regierungen und Konzerne vor Gericht, um sie zum Klimaschutz zu zwingen. Wie das – jetzt auch in Deutschland – funktionieren soll, erklärt er im Interview.