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So geht Schule, die wirklich aufs Leben vorbereitet

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Europa-Reise — 8 Minuten

So geht Schule, die wirklich aufs Leben vorbereitet

24. Oktober 2018
Themen:

Statt Tafeln und Kreide gibt es dort Tablets und WLAN, statt ständiger Kritik bekommen Lehrkräfte Respekt. Dieses Land hat eines der besten Schulsysteme Europas.



Mathematikunterricht in der dritten Klasse des Website des Gymnasiums Saksa Gümnaasium in Tallinn, einer ganz normalen Schule im Süden der estnischen Hauptstadt. Bis zur neunten Klasse werden in Estland alle Schülerinnen und Schüler gemeinsam unterrichtet – ohne dass nach Leistung unterschieden wird. Danach entscheiden sie, ob sie einen Abschluss der Sekundarstufe II machen oder die Schule verlassen möchten. Schülerinnen und Schüler, die aufs Gymnasium gehen möchten, lernen dort unabhängig von den Noten weiter. Das Klassenzimmer sieht auf den ersten Blick gewöhnlich aus – hellgrüne Wände, die klassischen Holzstühle. Aber etwas ist anders: Die Aufgaben stehen nicht auf einer grau-grünen Tafel, sondern auf einem interaktiven Smartboard.

Die Lehrerin Riina Leppmaa ist eine zierliche, blonde Dame in brauner Bluse und dunkelblauen Jeans. In der Hand hält sie einen Stift, mit dem sie auf dem weißen Board schreiben kann. Der Stift hinterlässt keine Kreidespur, sondern eine feine, schwarze Linie. Per Knopfdruck wird der Stift zum Radiergummi oder zum Textmarker. Mit ihrer Fernbedienung kann Riina Leppmaa auch Dateien in verschiedenen Formaten öffnen, Texte einblenden oder Videos zeigen.

Die Mathelehrerin öffnet eine Datei mit Textaufgaben, die auf dem Smartboard erscheint. Die Schüler lesen: »Bei der Fußball-WM gibt es 8 Gruppen mit jeweils 4 Mannschaften.« Sie sollen herausfinden, wie viele Teams mitspielen.

In Estland kriegen Lehrer nicht die Krise, wenn Schüler vor den Bildschirmen hängen. Sie bringen ihnen lieber Programmieren bei. – Quelle: EU2017EE Estonian Presidency CC BY

Vor jedem Schüler liegt eine gedruckte Karte mit 4 QR-Codes – jeder Code steht für eine von 4 Antwortmöglichkeiten. Die Kinder scannen die entsprechenden Codes, innerhalb weniger Sekunden bekommt die Lehrerin die Ergebnisse auf ihrem Tablet angezeigt, gleichzeitig erscheinen sie auf dem Smartboard. Nur 3 Schüler lagen falsch, alle anderen richtig. Die Antwort lautet: 32 Mannschaften nehmen am Turnier teil.

Informatikunterricht einer sechsten Klasse; 20 Kinder sitzen an Computern. Das Thema des Unterrichts: »Ein Wintertag«. Die Kinder sollen sich Objekte überlegen, die sie mit Wintertagen verbinden. Anschließend lautet die Aufgabe, Schneeflocken, Tannenbäume oder Schlittschuhe in einem 3D-Grafik-Programm zu zeichnen. Davon kennen sie bis jetzt nur den Namen, ausprobieren müssen sie es selbst.

Was in Deutschland nach Utopie klingt, ist in Estland schon lange Realität.

Kommen sie nicht weiter, können sie sich untereinander austauschen oder im Internet Video-Tutorials anschauen. Eines der am Computer gezeichneten Objekte – die Schneeflocke wird am Ende das Rennen machen – wird dann mit dem Dirk Walbrühl erklärt, was 3D-Drucker heute können – und was nicht 3D-Drucker direkt im Klassenzimmer gedruckt. Welches Objekt verdient, gedruckt zu werden, entscheiden die Sechstklässler per elektronischer Abstimmung an ihren Computern. So werden nebenbei auch Grundlagen demokratischer Entscheidungsfindung vermittelt.

Im Nebenraum sind andere Schüler mit der Programmierung von Robotern beschäftigt, die selbstständig Linien auf einem Blatt Papier abfahren sollen. Andere im selben Raum nutzen das Licht ihrer Smartphones, um damit Roboter zu führen, die auf Licht reagieren.

Klingt utopisch? Was in Deutschland nach einer gewagten Vision für die Schule der Zukunft klingt, ist im kleinen Estland schon lange Realität.

Mangelnde Digitalkompetenz, skeptische Bevölkerung

In Deutschland dagegen hinken viele Schulen ihren Schülern bei der Digitalisierung hinterher. Die Klassenzimmer stecken oft Dirk Walbrühl über den erschreckend hohen Modernisierungsbedarf in deutschen Klassenzimmern noch in der Kreidezeit fest. Die Tagesschau über das Handyverbot an deutschen Schulen (2018) Smartphones und Tablets sind an vielen Schulen im Unterricht untersagt. 66% der Schüler geben in einer Umfrage an, dass ihnen die Nutzung von Mobiltelefonen im Unterricht untersagt sei. 18% berichten von einem generellen Handyverbot an ihrer Schule. PCs stauben im Computerlabor vor sich hin – und anstatt sich mit Algorithmen oder den Dirk Walbrühl hilft dir, die Blockchain endlich zu verstehen Chancen der Blockchain zu beschäftigen, warnt das Lehrpersonal vor Sozialen Medien und dem Suchtpotenzial des Internets. Das gedruckte Schulbuch bleibt weiterhin Lern- und Lehrmedium Nr. 1.

Umfrage der Telekom-Stiftung: Schule Digital 2017 Nur die Hälfte der befragten Lehrer in Deutschland bewertet die IT-Ausstattung an ihren Schulen als ausreichend. Während Laptops und Tablets in Beruf und Freizeit zumeist über WLAN verbunden werden, ist dies an deutschen Schulen bloß eingeschränkt möglich. Nur 40% der Befragten gaben an, dass ihre Klassenräume Dirk Walbrühl über den schleppenden WLAN-Ausbau in Deutschland einen WLAN-Zugang haben. Lediglich jede zehnte Lehrkraft entwickelt regelmäßig Unterrichtsstunden, die digitale Medien einbinden.

Big Data, E-Government, Industrie 4.0? In Deutschland fremdeln große Teile der Bevölkerung mit digitalen Themen.

Wenn das so bleibt, wird sich so schnell nichts daran ändern, dass große Teile der Bevölkerung hierzulande mit digitalen Themen fremdeln. Während der Begriff Iris Proff über die Vorzüge von Künstlicher Intelligenz »Künstliche Intelligenz« noch von der Hälfte aller Befragten Die große Gesellschaftsstudie D21-Digital-Index bietet ein jährliches Lagebild zum Digitalisierungsgrad der Gesellschaft in Deutschland. Befragt werden knapp 20.500 Bundesbürger und -bürgerinnen ab 14 Jahren inklusive der Offliner im Digital-Index 2017/2018 erklärt werden kann, kann gerade einmal 1/5 der Deutschen etwas mit »Big Data« oder »E-Government« anfangen. Beim »Internet der Dinge« ist nicht einmal mehr 1/6 im Bilde. Selbst die medial omnipräsente »Industrie 4.0« ist nur einem kleinen Teil der Bundesbürger ein Begriff.

Viele Berufsprofile werden sich bald verändern – und wer mit digitaler Technik umgehen, programmieren oder Daten analysieren kann, besitzt in Zukunft gefragte Qualifikationen. Solche Kompetenzen vermittelt die digitale Bildung – am besten ab dem Tag der Einschulung. Digitale Probleme und Lösungsoptionen identifizieren, technische Systeme einrichten, neue Programme lernen – diese Kompetenzen können dabei helfen, die Herausforderungen der digitalen Welt zu meistern. Und in dieser ist Deutschland bislang noch Entwicklungsland.

In deutschen Klassenzimmern gibt es noch immer mehr Tafeln als Tablets. – gemeinfrei

Digitale Kompetenzen für das 21. Jahrhundert

Anders sieht es in Estland aus. Der baltische Staat hat den freien Zugang zum Internet bereits im Jahr 2000 zum Grundrecht gemacht und ist stolz darauf, dass etwa »Creating the next generation of digital state developers« (englisch, 2017) 90% der 15–74-Jährigen Computer und Internet nutzen, die meisten von ihnen täglich. Der elektronische Personalausweis, den die Mehrheit der Bevölkerung besitzt, macht die Kommunikation mit dem Staat und vielen privaten Unternehmen bequem, schnell und sicher. Das digitale Wachstum Estlands geht zurück auf die Erlangung der Unabhängigkeit im Jahr 1990. Nach 50 Jahren sowjetischer Herrschaft mussten sich die Esten neu erfinden, um künftig bestehen und konkurrenzfähig agieren zu können. Als zentralen Hebel für Wachstum und gesellschaftlichen Aufbruch identifizierte die Politik digitale Technologien – und setzte bei der Bildung an.

Das estnische Bildungssystem schafft die Voraussetzungen für den digitalen Vorzeigestaat. Das Interesse an Technologie bei Vorschulkindern wird vor allem durch den Informations- und Kommunikationstechnik-Unterricht (IKT-Unterricht) entfacht und aufrechterhalten. So wird der IKT-Unterricht heute schon in 30% der Kindergärten (englisch) durchgeführt. Laut dem estnischen nationalen Curriculum (englisch) gehört die digitale Kompetenz zu den obligatorischen allgemeinen Kompetenzen, die Schulen bei Schülern entwickeln müssen. Das Lehrpersonal wird dahingehend fortgebildet und es wird eine zeitgemäße digitale Infrastruktur an den Schulen gewährleistet.

Wir wollen, dass Kinder und Eltern frühzeitig eine positive Einstellung zur Technologie entwickeln. Kindern wird beigebracht, kreativ zu sein, wenn es um Technologie geht. – Ave Lauringson, Koordinatorin für Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) im Ministerium für Wirtschaft und Kommunikation

»Das Lernen digitaler Kompetenzen sowie der kreative und kritische Umgang mit digitalen Technologien sind im Bildungssystem fest verankert: in der Lehrerausbildung, in der Ausstattung von Kindergärten und Schulen sowie durch das Ausprobieren neuer digitaler Unterrichtskonzepte und -fächer«, erzählt Kristel Rillo, stellvertretende Leiterin der E-Service-Abteilung im estnischen Ministerium für Bildung und Forschung. Das sogenannte Tiger-Leap-Programm Der Privatisierung des Telekommunikationssektors Anfang der 1990er-Jahre folgte der Aufbau einer umfassenden Internetinfrastruktur. Der erste Schritt war das Programm »Tiger Leap I«, das im Jahr 1997 offiziell an den Start ging. Das Programm sah vor, die Schulen des Landes flächendeckend an das Internet anzubinden und sie dann mit Hard- und Software auszustatten. Zudem wurden Lehrkräfte umfassend in der Nutzung von IKT-Technologien geschult. Mit dem Folgeprogramm »Tiger Leap Plus« aus dem Jahr 2001 wurde der Schwerpunkt stärker auf die Förderung und Weiterentwicklung von IKT-Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern sowie von Lehrkräften gelegt. »Learning Tiger« aus dem Jahr 2006 schließlich verfolgte darauf aufbauend das Ziel, E-Learning als Teil des täglichen Curriculums zu etablieren und entsprechende Inhalte zu entwickeln. Analog zu »Tiger Leap« wurden bei den »Tiger University«-Programmen seit dem Jahr 2002 auch Hochschulen miteinbezogen. sei ein Beispiel »gelungener Praxis«: »Viele Schulen sind schon jetzt vollkommen digitalisiert und individualisiert.«

Statt Tischen und Tafeln befinden sich in den Klassenzimmern verschiedene Arbeitsstationen, an denen Lektionen mit unterschiedlichen Methoden gelehrt werden – von Online-Tutoring, Erklärvideos und Live-Unterricht bis hin zu Gruppenarbeit. Die Lehrkräfte betreuen ihre Schüler und Schülerinnen nach Bedarf, meist lernen die Kinder selbstständig. Am Ende des Tages wird der individuelle Lernerfolg mit einer Online-Prüfung erfasst und analysiert.

Die regelmäßige Kommunikation zwischen Eltern, Schülern und Lehrkräften ist zentral für den Erfolg der Kinder. Doch in der Praxis gestaltet sich dieser Informationsaustausch manchmal schwierig. Bis Eltern etwa von unerledigten Hausaufgaben und schlechten Noten erfahren, ist das Kind oft schon sprichwörtlich in den Brunnen gefallen.

»Viele Schulen sind schon jetzt vollkommen digitalisiert und individualisiert« – Kristel Rillo, stellv. Leiterin der E-Service-Abteilung im estnischen Bildungsministerium

Damit das nicht passiert, gibt es »eKool«: Die Plattform »eKool« (englisch) wurde im Jahr 2002 vom estnischen Bildungsministerium entwickelt und wird von den einzelnen Akteuren unterschiedlich genutzt: Die Schule informiert Lehrkräfte, Eltern und Schüler über Ausfälle von Lehrern, Änderungen in Stundenplänen, Veranstaltungen sowie Entwicklungen an der Schule. Die Schulleitung sowie die Schulbehörden können zudem zeitnah statistische Daten und Entwicklungen aufrufen. Die Lehrerinnen und Lehrer sind so in der Lage, über das Tool direkt mit den Eltern ihrer Schüler in Kontakt zu treten. Bei schlechten Noten sowie Auffälligkeiten kann frühzeitig eingegriffen werden. Gleichzeitig ermöglicht »eKool« Schülern, ihre eigene Entwicklung über den Zeitverlauf zu verfolgen und im Krankheitsfall den Lehrstoff nachzuholen. Eltern können darüber hinaus proaktiv an die Lehrkräfte herantreten und die Entwicklung ihrer Kinder nachvollziehen. eine Plattform, die Schülern, Eltern, Lehrern und Schulverwaltungen separaten Zugriff auf die Daten – Noten, Hausaufgaben, An- und Abwesenheitszeiten der Schüler, Verspätungen, Ausfälle und andere Notizen – ermöglicht. Eltern sind damit in den Lernprozess direkt miteinbezogen. Mittlerweile sind 85% aller Schulen in Estland an das Hier kannst du mehr über »eKool« lesen »eKool«-System angeschlossen.

Mehr Chancen auf die individuelle Bildung

Während in Deutschland der Schulerfolg immer noch mit der Chris Vielhaus erklärt hier, wie ihn das BAföG fast das Studium gekostet hätte sozialen Herkunft der Schülerinnen und Schüler zusammenhängt, Doch es gibt auch gute Nachrichten: In kaum einem anderen OECD-Land ist der Anteil sozial schwacher Schüler mit soliden Leistungen so deutlich gewachsen wie in Deutschland – von 25,2% im Jahr 2006 auf 32,3% im Jahr 2015. ist Estland auch EU-Spitzenreiter in Sachen Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit.

Durch die Möglichkeit der Hier geht es zu den kostenlosen estnischen Online-Kursen (estnisch) Online-Bildung, den gesetzlich garantierten kostenlosen Zugang zum Internet und den staatlich geförderten Erwerb eines PCs oder Laptops – auch außerhalb der Schule – für Menschen, die es sich nicht leisten können, werden Bildungschancen verbessert. Darüber hinaus sind Schulbücher (die bis zum Jahr 2020 vollkommen digital werden sollen), der Schulbus, das Mittagessen in der Schule und verschiedene Lern- und Freizeitangebote für alle Schülerinnen und Schüler bis zur neunten Klasse kostenlos.

Der Zugang zu digitalen Technologien und Bildung in Estland ist keine Frage des Alters. Weiterbildungsprogramme Seit Januar 2018 bietet die estnische Regierung den Kurs »e-Bürger« für ältere Bürger an. Hier lernen Rentner, wie man im Internet surft, digitale Unterschriften setzt, den elektronischen Pass nutzt und für Wasser, Gas und Elektrizität online bezahlt. und Computerkurse für junge und ältere Menschen verhindern eine digitale Spaltung zwischen Digital Natives und älteren Outsidern. Öffentliche Orte wie Bibliotheken stellen Hardware und Ansprechpersonen bereit.

Die estnische Hauptstadt Tallinn hat einen mittelalterlichen Stadtkern – und die digitale Infrastruktur für das 21. Jahrhundert. – Quelle: pixabay CC0

Aber auch das Schulsystem gilt als eines des besten Europas und das spiegelt sich im Bildungserfolg wider: Laut der Die PISA-Studie 2015 zusammengefasst (deutsch) PISA-Studie 2015 fielen nur 4,7% der estnischen Schüler in die Kategorie »leistungsschwache Schüler«, 20% wurden als »leistungsstarke Schüler« bewertet. Estland ist somit auf dem besten Weg, zum Vorzeigeland für Bildung zu werden. Dabei zählt es zu den ärmsten OECD-Ländern OECD steht für »Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung«. Die Organisation hat 26 Mitglieder, die sich Demokratie und Marktwirtschaft verpflichtet fühlen und gemeinsam eine Politik befördern wollen, die auf eine »optimale Wirtschaftsentwicklung« zielt. und das Budget für Bildung liegt etwas unter dem OECD-Durchschnitt. Estland gibt 4,7% seines Bruttoinlandsprodukts für Bildung aus – und liegt damit unter dem OECD-Schnitt von 5%. Berechnet man die Bildungsausgaben pro Kopf, sieht es folgendermaßen aus (englisch): Im Jahr 2015 hat Deutschland 17.036 US-Dollar ausgegeben, Estland nur 12.867 US-Dollar.

»Lehrkräfte in Estland genießen eine hohe gesellschaftliche Wertschätzung und Anerkennung. Eltern begegnen ihnen mit großem Vertrauen und nicht mit ständiger Skepsis. Ohne dieses Vertrauen – gegenüber Lehrern, der Regierung und der digitalen Zukunft – würden wir nicht so viel schaffen«, erklärt Kristel Rillo.

Dieses Vertrauen entsteht durch Kompetenzen und Transparenz. Je besser Bürger die digitalen Vorgänge kennen und verstehen, desto höher ist die Chance, dass sie Vertrauen aufbauen und sich selbst aktiv einbringen. In Estland wird Digitalisierung als etwas Normales, Alltägliches angesehen und mit positiven Attributen wie Sicherheit, Erleichterung des Alltags oder neuen Marktchancen verbunden. – Kristel Rillo, Ministerium für Bildung und Forschung

Bricht jetzt auch in Deutschland das Ende der Kreidezeit an?

Dass die Schüler in Deutschland fit für die Digitalisierung gemacht werden sollten, haben inzwischen auch deutsche Politiker verstanden. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD (PDF) Koalitionsvertrag der Bundesregierung kommt der Begriff »digital« mehr als 100-mal vor. Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hat die Länder mit der Der Deutschlandfunk berichtet (2017) Ankündigung, in den nächsten 5 Jahren 5 Milliarden Euro für die Ausstattung der Schulen bereitzustellen, in Zugzwang gebracht. Die von der Kulturministerkonferenz (KMK) beschlossene Strategie der KMK: Bildung in der digitalen Welt (2016) Strategie »Bildung in der digitalen Welt« macht deutlich, dass die Bundesländer dazu bereit sind, die Voraussetzungen für digitale Bildung zu verbessern. Jetzt müssen den Worten nur noch Taten folgen.

Erfolgreiche Projekte gibt es bereits – sowohl aus staatlicher als auch aus privater Initiative. Hier sind nur 3 Beispiele:

  • Die Reportage der Rheinischen Post über das Friedrich-Rückert-Gymnasium (2017) »eschool« in Düsseldorf: Das Homepage des Friedrich-Rückert-Gymnasiums Friedrich-Rückert-Gymnasium verfügt seit dem Schuljahr 2016/17 über ein voll ausgebautes WLAN-Netz und mobile Endgeräte (derzeit je 60 Laptops und iPads).
  • Auch für die Schüler der Hamburger Förderschule Elfenwiese hat die Zukunft des Lernens begonnen: Sie alle haben körperliche oder motorische Beeinträchtigungen – und für das Miteinander im Unterricht und in den Pausen leisten digitale Tools, Tablets, Whiteboards und Apps einen wichtigen Beitrag. Wer nicht sehen kann, nutzt die Braille-Zeile auf der Computertastatur, wer nicht hört, sieht während des Unterrichts verschiedene Lernvideos auf dem Tablet. Digitale Medien gleichen Beeinträchtigungen aus und ermöglichen so allen die Teilhabe am Mehr über diese Initiative findest du hier (deutsch) Unterricht.
  • Im sauerländischen Olpe erprobt eine mutige Lehrerin – die im Internet unter dem Pseudonym Frau Sonnig Ihr richtiger Name lautet Sonja Hennig, sie ist seit dem Jahr 2010 Oberstudienrätin am Städtischen Gymnasium Olpe und unterrichtet die Fächer Deutsch und Geschichte. auftritt – mit ihren Schülern das Lernen mit der sogenannten »Flipped Classroom«-Methode. Das Prinzip des »umgekehrten Klassenzimmers« lautet: Kinder eignen sich den Lernstoff mit kurzen Videos zu Hause an. Anschließend besprechen und vertiefen sie das Ganze im Unterricht mit der Lehrerin. Die Videos macht Frau Sonnig selbst und teilt sie gern mit Die Lernvideos von Frau Sonnig gibt es auf ihrer Website Kollegen. .

Um digitale Bildung in Deutschland zum Alltag zu machen, reichen Leuchtturmprojekte wie diese aber nicht aus.

Natürlich ist es einfacher, die Bildungsrevolution in einem kleinen Land wie Estland voranzutreiben. Das heißt aber nicht, dass es für Deutschland mit seinen über 80 Millionen Einwohnern unmöglich ist.

Vor allem ist es eine politische Entscheidung. Diejenigen, die Lehrpläne schreiben und Entscheidungen treffen, müssen sich mit dem Thema auseinandergesetzt haben und die Vorteile und Risiken neuer Methoden kennen und erkennen. Voraussetzung dafür ist auch eine bessere digitale Infrastruktur: unter anderem ein freier Internetzugang für alle.

Diskussionen um Handyverbote an Schulen sind also genau der falsche Ansatz. Das oberste Ziel der Ausbildung sollte es sein, die Schüler bestmöglich auf die zunehmend digitale Welt vorzubereiten. Und wenn sie mit dem Handy etwas Neues lernen können – dann gibt es keinen Grund, darauf zu verzichten.

Veronika Prokhorova arbeitet als freie Journalistin unter anderem für Snob.ru. Früher schrieb sie für Deutsche Welle Russisch und Russkaja Germania. Geboren wurde Veronika in der Nähe von Sankt Petersburg, wo sie Internationale Journalistik studierte. Vor Kurzem hat sie an der TU Dortmund ihren Journalismus-Master mit dem Schwerpunkt Terrorismusforschung abgeschlossen.

Titelbild:

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