Interview 

Europa ist solidarischer, als du denkst. Hier sind 4 Beweise

Krisen und Rechtspopulismus – zerfällt die Idee eines gemeinsamen Europas? »Nein!«, sagt dieser Soziologe. Nur in einem Fall wollen weniger Europäer helfen.

21. September 2018  7 Minuten

Solidarität mit den Menschen, die im Mittelmeer ertrinken? Das ist doch selbstverständlich.

Das sagt mir die junge Demonstrantin in der grellorangenen Schwimmweste. 700 Menschen kamen laut den Westfälischen Nachrichten zu der Demo (2018) Sie protestiert am 15. September in Münster für die Seenotrettung. Ich gehe neben ihr her, um herauszufinden, warum sich Menschen solidarisch mit anderen zeigen – oder nicht. Eine Frage, die mich seit diesem Protest-Spätsommer umtreibt, der auch mit den Rufen begann, Panorama berichtet über die Pegida-Demo, bei der Teilnehmer nach einer Rede gegen Seenotrettung »Absaufen!« riefen (2018) Menschen im Mittelmeer »absaufen« zu lassen.

Soziologen der Universität Leipzig und der Freien Universität Berlin haben sich angeschaut, wie viele Europäer sich für Menschen auf der Flucht einsetzen würden. Das war aber nur ein Teil der großen Studie zur Frage: Die ersten empirischen Befunde aus der Studie kannst du hier lesen (2017, PDF) Wie solidarisch ist Europa? Ein Interview mit dem Holger Lengfeld lehrt am Institut für Soziologie der Universität Leipzig Soziologen Holger Lengfeld über die überraschenden Ergebnisse.

Es geht nicht »alles den Bach runter«

Holger Lengfeld

Holger Lengfeld ist Professor für Soziologie an der Universität Leipzig. Zu seinen Schwerpunkten zählt die Soziologie der Europäischen Integration. In den letzten Jahren hat er auch analysiert, welche Einstellungen Menschen gegenüber der »Alternative für Deutschland« haben.

Bildquelle: Swen Reichhold / Universität Leipzig

\interview

Zusammen mit anderen Soziologen haben Sie jetzt in einer Studie nachgewiesen: Europa ist solidarischer, als viele vermuten. Wie haben Sie das festgestellt?

Titelbild: JW - CC0

von Juliane Metzker 

Juliane schlägt den journalistischen Bogen zu Südwestasien und Nordafrika. Sie studierte Islamwissenschaften und arbeitete als freie Journalistin im Libanon. Durch die Konfrontation mit außereuropäischen Perspektiven ist ihr zurück in Deutschland klar geworden: Zwischen Münster und Beirut liegen gerade einmal 4.000 Kilometer. Das ist weniger Distanz als gedacht.

Themen:  Populismus   Europa   Aktivismus  

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