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Ein Kontinent made in China?

4. Oktober 2018
Themen:

Warum sich Afrika für chinesische Straßen und Gleise begeistert und deutsche Ingenieurskunst wenig gefragt ist.



Wer auch immer in Ghana, Nigeria oder Ruanda mit dem Ausrollen von roten Teppichen beauftragt ist, hat ein paar anstrengende Monate hinter sich. Angela Merkel, Narendra Modi, Der Premierminister Indiens. Theresa May, Die Premierministerin Großbritanniens. Emmanuel Macron, Der Präsident Frankreichs. Wladimir Putin Der Präsident Russlands. und Xi Jinping Der Präsident Chinas und Vorsitzende der Kommunistischen Partei in China. sind nur die bekanntesten Politiker, deren Regierungsflugzeuge sich seit Juli am afrikanischen Himmel die Ehre gegeben haben. Aus Deutschland waren in diesem Jahr unter anderem auch Außenminister Maas und Entwicklungsminister Müller auf dem Kontinent unterwegs.

Und während vor einigen Jahren vielleicht noch Waisenhäuser und Nationalparks im Mittelpunkt solcher Staatsbesuche gestanden hätten, geht es in Zeiten von Handelskrieg und Brexit vor allem ums Geschäft. Der Zugang zu Rohstoffen, die Abwehr von Geflüchteten, die Erschließung neuer Märkte oder die Bekämpfung von Terrorismus: Afrikanische Länder sind von unbequemen Problemfällen zu heiß begehrten Partnern geworden.

Das trifft sich aus afrikanischer Sicht gut, denn der Kontinent kann in vielen Bereichen Unterstützung von außen gebrauchen. Vielleicht am wichtigsten, zumindest aus wirtschaftlicher Sicht: Für den Ausbau von Straßen, Bahnlinien, Häfen, Internet, Stromnetz und anderen Infrastrukturelementen benötigen afrikanische Regierungen sehr schnell gewaltige Summen fremdes Geld. Bis zu 90 Milliarden Euro pro Jahr Die Afrikanische Entwicklungsbank hat errechnet, dass der Erhalt und nötige Ausbau der Infrastruktur des Kontinents bis zu 145 Milliarden Euro im Jahr benötigt, unter anderem um die Milleniums-Entwicklungsziele zu erreichen. Bis zu 90 Milliarden Euro davon können afrikanische Regierungen nicht selbst aufbringen. einer Studie Im African Economic Outlook 2018 der Afrikanischen Entwicklungsbank wird das Thema »Infrastruktur« ausführlich behandelt (englisch) der Afrikanischen Entwicklungsbank zufolge. Das ist erheblich mehr als die gut 33 Milliarden Entwicklungshilfe und private Investitionen, die die reichen Industrienationen dem Kontinent im Jahr 2016 Statistiken zur Entwicklungshilfe gibt es bei der OECD (englisch) zur Verfügung gestellt haben. Nur so kann es dem Kontinent gelingen, trotz hoher Geburtenraten seine Bevölkerung aus der Armut zu heben. Ohne Strom und Straßen ist eine moderne Marktwirtschaft kaum denkbar. Feldfrüchte schaffen es ohne diese Infrastrukturelemente nicht vom Acker zum Markt und können nicht haltbar gemacht werden. Ohne Telekommunikationsinfrastruktur gibt es keinen Zugang zum Internet und ohne Schienen keinen günstigen Warentransport.

Titelbild: dpa - copyright

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